Entscheidung

Entscheidung Nr. 2022-842 DC vom 12. August 2022

Nachtragshaushalt für 2022

Der Verfassungsrat ist am 5. August 2022 gemäß Artikel 61 Absatz 2 der Verfassung unter dem Aktenzeichen Nr. 2022-842 DC bezüglich des Nachtragshaushalts für 2022 angerufen worden von den Damen und Herren Abgeordneten Ségolène AMIOT, Farida AMRANI, Rodrigo ARENAS, Clémentine AUTAIN, Ugo BERNALICIS, Christophe BEX, Carlos Martens BILONGO, Manuel BOMPARD, Idir BOUMERTIT, Louis BOYARD, Aymeric CARON, Sylvain CARRIÈRE, Florian CHAUCHE, Sophia CHIKIROU, Hadrien CLOUET, Éric COQUEREL, Alexis CORBIÈRE, Jean-François COULOMME, Catherine COUTURIER, Hendrik DAVI, Sébastien DELOGU, Alma DUFOUR, Karen ERODI, Martine ETIENNE, Emmanuel FERNANDES, Sylvie FERRER, Caroline FIAT, Perceval GAILLARD, Raquel GARRIDO, Clémence GUETTÉ, David GUIRAUD, Mathilde HIGNET, Rachel KEKE, Andy KERBRAT, Bastien LACHAUD, Maxime LAISNEY, Arnaud LE GALL, Antoine LÉAUMENT, Élise LEBOUCHER, Charlotte LEDUC, Jérôme LEGAVRE, Sarah LEGRAIN, Murielle LEPVRAUD, Pascale MARTIN, Élisa MARTIN, William MARTINET, Frédéric MATHIEU, Damien MAUDET, Marianne MAXIMI, Manon MEUNIER, Jean-Philippe NILOR, Danièle OBONO, Nathalie OZIOL, François PIQUEMAL, Thomas PORTES, Loïc PRUD'HOMME, Adrien QUATENNENS, Jean-Hugues RATENON, Sébastien ROME, François RUFFIN, Aurélien SAINTOUL, Michel SALA, Danielle SIMONNET, Ersilia SOUDAIS, Anne STAMBACH-TERRENOIR, Bénédicte TAURINE, Andrée TAURINYA, Matthias TAVEL, Aurélie TROUVÉ, Paul VANNIER, Léo WALTER, Boris VALLAUD, Joël AVIRAGNET, Christian BAPTISTE, Marie-Noëlle BATTISTEL, Mickaël BOULOUX, Philippe BRUN, Elie CALIFER, Alain DAVID, Arthur DELAPORTE, Stéphane DELAUTRETTE, Inaki ECHANIZ, Olivier FAURE, Guillaume GAROT, Jérôme GUEDJ, Johnny HAJJAR, Chantal JOURDAN, Marietta KARAMANLI, Fatiha KELOUA HACHI, Gérard LESEUL, Philippe NAILLET, Bertrand PETIT, Anna PIC, Christine PIRÈS BEAUNE, POTIER, Valérie RABAULT, Claudia ROUAUX, Isabelle SANTIAGO, Hervé SAULIGNAC, Mélanie THOMIN, Cécile UNTERMAIER, Roger VICOT, André CHASSAIGNE, Soumya BOUROUAHA, Pierre DHARRÉVILLE, Elsa FAUCILLON, Sébastien JUMEL, Jean-Paul LECOQ, Yannick MONNET, Stéphane PEU, Fabien ROUSSEL, Nicolas SANSU, Jean-Marc TELLIER, Hubert WULFRANC, Moetai BROTHERSON, Jean-Victor CASTOR, Steve CHAILLOUX, Emeline K BIDI, Karine LEBON, Tematai LE GAYIC, Frédéric MAILLOT, Marcellin NADEAU, Davy RIMANE, Jiovanny WILLIAM, Julien BAYOU, Christine ARRIGHI, Lisa BELLUCO, Karim BEN CHEÏKH, Cyrielle CHATELAIN, Charles FOURNIER, Marie-Charlotte GARIN, Jérémie IORDANOFF, Hubert JULIEN-LAFERRIÈRE, Benjamin LUCAS, Francesca PASQUINI, Sébastien PEYTAVIE, Jean-Claude RAUX, Sandra REGOL, Sandrine ROUSSEAU, Eva SAS und Sabrina SEBAIHI.
 
Am 8. August 2022 ist er auch angerufen worden von den Damen und Herren Senatoren Patrick KANNER, Viviane ARTIGALAS, David ASSOULINE, Joël BIGOT, Florence BLATRIX CONTAT, Denis BOUAD, Hussein BOURGI, Isabelle BRIQUET, Rémi CARDON, Marie-Arlette CARLOTTI, Yan CHANTREL, Catherine CONCONNE, Hélène CONWAY-MOURET, Thierry COZIC, Marie-Pierre de la GONTRIE, Gilbert-Luc DEVINAZ, Jérôme DURAIN, Vincent ÉBLÉ, Frédérique ESPAGNAC, Rémi FÉRAUD, Corinne FÉRET, Jean-Luc FICHET, Martine FILLEUL, Hervé GILLÉ, Laurence HARRIBEY, Jean-Michel HOULLEGATTE, Olivier JACQUIN, Victoire JASMIN, Éric JEANSANNETAS, Patrice JOLY, Bernard JOMIER, Gisèle JOURDA, Eric KERROUCHE, Annie LE HOUEROU, Jean-Yves LECONTE, Jean-Jacques LOZACH, Monique LUBIN, Victorin LUREL, Jacques-Bernard MAGNER, Didier MARIE, Serge MÉRILLOU, Michelle MEUNIER, Jean-Jacques MICHAU, Marie-Pierre MONIER, Franck MONTAUGÉ, Sébastien PLA, Émilienne POUMIROL, Angèle PRÉVILLE, Claude RAYNAL, Christian REDON-SARRAZY, Sylvie ROBERT, Gilbert ROGER, Laurence ROSSIGNOL, Lucien STANZIONE, Jean-Pierre SUEUR, Rachid TEMAL, Jean-Claude TISSOT, Mickaël VALLET, André VALLINI, Sabine VAN HEGHE, Yannick VAUGRENARD, Guy BENARROCHE, Daniel BREUILLER, Ronan DANTEC, Thomas DOSSUS, Jacques FERNIQUE, Guillaume GONTARD, Joël LABBÉ, Monique de MARCO, Paul Toussaint PARIGI, Raymonde PONCET MONGE, Daniel SALMON, Mélanie VOGEL, Annick BILLON, Laurent LAFON und Catherine MORIN-DESAILLY.
 
Am 8. August 2022 hat die Premierministerin den Verfassungsrat ersucht, gemäß dem Eilverfahren nach Artikel 61 Absatz 3 der Verfassung zu entscheiden.
 
 
Unter Bezugnahme auf die nachfolgenden Rechtsnormen:
 

  • die Verfassung;
     
  • die gesetzesvertretende Verordnung Nr. 58-1067 vom 7. November 1958, Verfassungsergänzungsgesetz über den Verfassungsrat;
     
  • das Verfassungsergänzungsgesetz Nr. 2001-692 vom 1. August 2001 über die Haushaltsgesetze;
     
  • das Steuer- und Abgabengesetzbuch;
     
  • das Arbeitsgesetzbuch;
     
  • das Gesetz vom 31. Mai 1933 über die Festlegung des allgemeinen Haushalts für das Haushaltsjahr 1933;
     
  • das Gesetz Nr. 2005-1719 vom 30. Dezember 2005, Haushaltsgesetz für 2006;
     
  • die Stellungnahme des Beirates für das öffentliche Finanzwesen Nr. 2022-02 vom 4. Juli 2022 über den ersten Gesetzentwurf für einen Nachtragshaushalt 2022;
     
  • die Geschäftsordnung vom 11. März 2022 über das Verfahren vor dem Verfassungsrat bei abstrakten Normenkontrollverfahren;
     
    Unter Bezugnahme auf die Stellungnahme der Regierung, eingetragen am 9. August 2022;
     
    Und nachdem der Berichterstatter gehört worden ist:
     
    AUFGRUND DER NACHFOLGENDEN ERWÄGUNGEN:
     
  1. Die antragstellenden Abgeordneten und Senatoren legen dem Verfassungsrat den Nachtragshaushalt für 2022 zur Prüfung vor. Die Abgeordneten stellen die Aufrichtigkeit des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in Frage und rügen, die Vorschrift von Artikel 5 des Gesetzes gehöre nicht in ein Haushaltsgesetz. Darüber hinaus rügen sie ebenfalls das Verfahren, nach dem der Artikel 6 des Gesetzes verabschiedet wurde, und stellen, unterstützt durch die antragstellenden Senatoren, die Verfassungsmäßigkeit bestimmter Vorschriften dieses Artikels in Frage.
     
  • Über die Aufrichtigkeit des Nachtragshaushalts:
     
  1. Die antragstellenden Abgeordneten behaupten, das zur Prüfung vorgelegte Gesetz verstoße gegen den Grundsatz der Aufrichtigkeit der Haushaltsgesetze, da es auf einer offensichtlichen Unterbewertung des Steueraufkommens beruhe, deren Zweck darin bestanden habe, der Regierung zu ermöglichen, am Ende des Haushaltsjahres eine günstigere Ausführung des Haushaltsgesetzes vorzustellen.
     
  2. Artikel 32 des oben genannten Verfassungsergänzungsgesetzes vom 1. August 2001 bestimmt: „Die Haushaltsgesetze führen in aufrichtiger Weise alle Haushaltsmittel und Haushaltsbelastungen des Staates auf. Die Bewertung der Aufrichtigkeit dieser Angaben erfolgt auf der Grundlage der verfügbaren Informationen und den daraus vernünftigerweise ableitbaren Vorausschätzungen“. Daraus folgt, dass die Aufrichtigkeit eines Nachtragshaushalts gegeben ist, wenn keine Absicht vorliegt, die Grundlinien der von ihm festgelegten Ausgeglichenheit zu verfälschen.
     
  3. Es geht weder aus der oben genannten Stellungnahme des Beirates für das öffentliche Finanzwesen vom 4. Juli 2022 noch aus den weiteren dem Verfassungsrat vorgelegten Unterlagen hervor, dass die wirtschaftlichen Annahmen und die Vorausschätzungen der Einnahmen und Ausgaben, auf denen der Nachtragshaushalt beruht, durch eine Absicht geprägt seien, die Grundlinien der vom Nachtragshaushalt festgelegten Ausgeglichenheit zu verfälschen.
     
  4. Daher ist die Rüge zurückzuweisen, dem Nachtragshaushalt mangele es an Aufrichtigkeit.
     
  • Über die Zugehörigkeit der Vorschrift von Artikel 5 zu einem Nachtragshaushalt:
     
  1. Artikel 5 schafft Bestimmungen, die es Arbeitnehmern ermöglichen sollen, im Austausch für im Rahmen der Reduzierung der Arbeitszeit erworbene Ansprüche auf arbeitsfreie Tage eine Lohnzulage zu erhalten, welche in den Genuss bestimmter Befreiungen von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen kommen.
     
  2. Die antragstellenden Abgeordneten behaupten, diese Bestimmungen gehörten zu keinem Bereich, der unter die Haushaltsgesetze falle.
     
  3. Artikel 34 der Verfassung sieht vor: „Die Haushaltsgesetze bestimmen die Einnahmen und Ausgaben des Staates gemäß einem Verfassungsergänzungsgesetz und den darin festgelegten Bedingungen und Vorbehalten“. Artikel 47 Absatz 1 der Verfassung bestimmt: „Das Parlament beschließt die Haushaltsgesetzentwürfe gemäß den in einem Verfassungsergänzungsgesetz vorgesehenen Bedingungen“. Das Verfassungsergänzungsgesetz vom 1. August 2001 ist für den Inhalt der Haushaltsgesetze maßgeblich. Artikel 34 Absatz II Ziffer 7o Buchstabe a) dieses Gesetzes sieht vor, dass das Haushaltsgesetz eines Haushaltsjahres in seinem Teil II „Vorschriften über die Bemessungsgrundlage, den Satz und die Modalitäten für den Einzug von Steuerlasten aller Art, die das Haushaltsgleichgewicht nicht belasten, enthalten“ kann. Der letzte Absatz von Artikel 35 dieses Verfassungsergänzungsgesetzes legt fest: „Nachtragshaushalte werden ganz oder teilweise in gleicher Form wie das Haushaltsgesetz vorgelegt“.
     
  4. Gemäß Titel II von Buch I des Dritten Teils des Arbeitsgesetzbuches können arbeitsfreie Ausgleichstage, auf die im Zuge der Reduzierung der Arbeitszeit ein Anspruch erworben wurde, nur in bestimmten und begrenzten Fällen in eine Lohnzulage umgewandelt werden.
     
  5. Abweichend hiervon eröffnet die Vorschrift des Absatzes I von Artikel 5 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes diese Möglichkeit jedem Arbeitnehmer des privaten Sektors in Bezug auf arbeitsfreie Ausgleichstage, auf die zwischen dem 1. Januar 2022 und dem 31. Dezember 2025 ein Anspruch erworben wird. Die Absätze II und III legen die Modalitäten fest, nach denen eine auf dieser Grundlage erfolgte Vergütung einen Anspruch auf eine Befreiung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen begründet. Die Absätze IV und V sehen einen Ausgleich für die aufgrund der Verlängerung dieser Maßnahme für den Zeitraum zwischen dem 31. Dezember 2023 und dem 31. Dezember 2025 dem Staat und den Sozialversicherungsträgern entgehenden Einnahmen vor, indem sie eine zusätzliche Steuer zur Verbrauchssteuer auf Tabakwaren schafft und die Verbrauchssteuer auf Tabakwaren anhebt.
     
  6. Dieser Artikel, dessen Bestimmungen mit dem Nachtragshaushalt untrennbar verbunden sind, ist als Teil von Vorschriften über die Bemessungsgrundlage, den Satz und die Modalitäten für den Einzug von Steuerlasten aller Art und damit als zu einem Haushaltsgesetz zugehörig anzusehen.
     
  7. Daher ist die Rüge, Artikel 5 sei nach einem verfassungswidrigen Verfahren verabschiedet worden, zurückzuweisen.
     
  • Über den Artikel 6:
     
  1. Artikel 6 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes hebt insbesondere Artikel 1605 des Steuer- und Abgabengesetzbuches auf und ändert im Besonderen den Artikel 46 des oben genannten Gesetzes vom 30. Dezember 2005, um den Beitrag zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch die Verwendung eines Teils des Aufkommens der Umsatzsteuer für den öffentlichen Rundfunksektor zu ersetzen.
     
    . Bezüglich des Verfahrens, nach dem Artikel 6 verabschiedet wurde:
     
  2. Die antragstellenden Abgeordneten rügen die übereilten Umstände, unter denen diese Vorschriften verabschiedet worden sind, nämlich durch Änderungsanträge in erster Lesung in der Nationalversammlung und ohne Durchführung einer Folgenabschätzung. Daraus ergebe sich eine Verletzung der verfassungsrechtlichen Vorgaben der Klarheit und der Aufrichtigkeit der parlamentarischen Debatten.
     
  3. Zum einen bestimmt Artikel 6 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789: „Das Gesetz ist der Ausdruck des allgemeinen Willens“. Artikel 3 der Verfassung legt fest: „Die nationale Souveränität liegt beim Volke, das sie durch seine Vertreter […] ausübt“. Diese Bestimmungen gebieten die Einhaltung der Vorgabe der Klarheit und der Aufrichtigkeit der parlamentarischen Debatten.
     
  4. Artikel 44 Absatz 1 der Verfassung sieht vor: „Die Mitglieder des Parlaments und die Regierung sind berechtigt, Änderungsanträge einzubringen. Dieses Recht wird im Plenum oder im Ausschuss gemäß den in der Geschäftsordnung der beiden Kammern festgesetzten Bedingungen und in dem durch ein Verfassungsergänzungsgesetz vorgegebenen Rahmen wahrgenommen“.
     
  5. Die gerügten Bestimmungen des Artikels 6 wurden in der Nationalversammlung im Wege eines Abänderungsantrags von Abgeordneten in Ausübung des diesen gemäß Artikel 44 Absatz 1 der Verfassung zustehenden Rechts verabschiedet. Weder das Recht der Abgeordneten, Änderungsanträge einzubringen, noch die Vorgabe der Klarheit und der Aufrichtigkeit der parlamentarischen Debatten wurden dabei verkannt.
     
  6. Zum anderen schreiben Artikel 39 der Verfassung und das Verfassungsergänzungsgesetz vom 1. August 2001 eine vorherige Evaluierung nur für die Entwürfe der Haushaltsgesetze vor deren Einbringung beim Präsidium der Nationalversammlung vor, nicht aber für Abänderungen. Infolgedessen ist die Rüge verfehlt, die Mitglieder des Parlaments und die Regierung hätten diese verfahrensrechtliche Vorgabe verkannt, als sie ihr Abänderungsrecht ausübten.
     
  7. Aus diesen Ausführungen folgt, dass der Artikel 6 nach einem verfassungskonformen Verfahren verabschiedet worden ist.
     
    . Bezüglich bestimmter Vorschriften von Artikel 6:
     
  8. Die antragstellenden Senatoren und Abgeordneten rügen, diese Vorschriften entzögen der freien Mitteilung der Gedanken und Meinungen sowie der Unabhängigkeit und der Vielfalt der Medien die gesetzlichen Gewährleistungen, da sie eine nachhaltige Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht sicherstellten. Zur Begründung ihrer Rüge führen die Antragsteller aus, dass diese Vorschriften die Verwendung eines Teils des Aufkommens der Umsatzsteuer für den Rundfunksektor lediglich bis zum 31. Dezember 2024 vorsehen. Darüber hinaus tragen die Abgeordneten bezüglich der Jahre 2023 und 2024 vor, der dafür veranschlagte Betrag sei nicht garantiert, da der Gesetzgeber ihn ändern könne, und die Senatoren heben hervor, dass die Modalitäten für die Festlegung dieses Betrages nur unzureichend festgelegt seien. Aus denselben Gründen behaupten die Senatoren, der Gesetzgeber habe mit diesen Bestimmungen seine Zuständigkeit nicht vollumfänglich ausgeübt.
     
  9. Die antragstellenden Abgeordneten vertreten darüber hinaus die Ansicht, dass diese Vorschriften auch gegen einen wesentlichen, von den Gesetzen der Republik anerkannten Grundsatz verstoßen, der sich aus dem oben genannten Gesetz vom 31. Mai 1933 ergebe und gemäß welchem der öffentlich-rechtliche Rundfunk durch eine Gebühr zu finanzieren sei.
     
  10. Schließlich bringen die Abgeordneten vor, diese Bestimmungen seien übermäßig kompliziert und verstießen gegen das Ziel der Verständlichkeit des Gesetzes.
     
  11. Artikel 1605 des Steuer- und Abgabengesetzbuches schafft zugunsten der nationalen Sendeanstalten France Télévisions und Radio France, der Sendeanstalt für den Auslandsrundfunk, der Sendeanstalten ARTE-France und TV5 Monde sowie der öffentlich-rechtlichen Anstalt Institut national de l’audiovisuel eine Gebühr, die als Beitrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bezeichnet wird. Absatz VI von Artikel 46 des Gesetzes vom 30. Dezember 2005 sieht in den Büchern des Schatzamtes ein Konto für finanzielle Unterstützungen mit dem Titel „Vorschüsse für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ vor, der die Rückzahlungen der Vorschüsse, die dem Ertrag des Beitrags für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk entsprechen und den vorgenannten Sendeanstalten sowie der vorgenannten Anstalt gewährt werden, als Einnahmen erfasst.
     
  12. Die angegriffenen Bestimmungen des Artikels 6 heben Artikel 1605 des Steuer- und Abgabengesetzbuches auf und ändern den Absatz VI von Artikel 46 des Gesetzes vom 30. Dezember 2005 dahingehend, dass bei den Einnahmen dieses Kontos für finanzielle Unterstützungen der Ertrag des Beitrags für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch einen Teil des Aufkommens der Umsatzsteuer ersetzt wird.
     
  13. Zum Ersten hat Artikel 109 des Gesetzes vom 31. Mai 1933 dadurch, dass er sich darauf beschränkt vorzusehen, dass „zwecks Verwendung des Ertrags für die Ausgaben des Rundfunks, […] auf Rundfunkempfangsgeräten eine Gebühr für die Nutzung erhoben“ wird, weder zum Ziel noch zur Folge hatte, einen Grundsatz zu begründen, nach dem der öffentlich-rechtliche Rundfunksektor ausschließlich durch eine Gebühr zu finanzieren sei. Dieses Gesetz konnte daher nicht zur Entstehung eines wesentlichen, von den Gesetzen der Republik anerkannten Grundsatzes führen. Daher ist die Rüge, ein solcher Grundsatz sei verkannt worden, zu verwerfen.
     
  14. Zum Zweiten bestimmt Artikel 11 der Erklärung von 1789: „Die freie Mitteilung der Gedanken und Meinungen ist eines der kostbarsten Menschenrechte. Jeder Bürger kann also frei schreiben, reden und drucken unter Vorbehalt der Verantwortlichkeit für den Missbrauch dieser Freiheit in den durch das Gesetz bestimmten Fällen“. Die freie Mitteilung der Gedanken und Meinungen wäre nicht gewährleistet, wenn die Öffentlichkeit, an welche sich die audiovisuellen Medien richten, sowohl im Rahmen der privaten wie der öffentlich-rechtlichen Medien nicht über den Zugang zu Programmen verfügen würde, die den Ausdruck verschiedener Meinungen und Strömungen gewährleisten und das unabdingbare Erfordernis der Redlichkeit der Information erfüllen. Die Zuhörer und Zuschauer, welche zu den wichtigsten Trägern des im Artikel 11 verankerten Grundrechts gehören, sollen in der Lage sein, ihre freie Programmwahl auszuüben, ohne dass private Interessen oder der Staat die Möglichkeit haben, diese Wahl durch ihre eigenen Entscheidungen zu ersetzen.
     
  15. Wenngleich es dem Gesetzgeber im Rahmen seines Zuständigkeitsbereichs gemäß Artikel 34 der Verfassung jederzeit freisteht, bestehende Gesetzesvorschriften zu ändern oder aufzuheben und sie gegebenenfalls durch andere Vorschriften zu ersetzen, so kann dies nur unter der Voraussetzung geschehen, dass die Ausübung dieser Zuständigkeit nicht dazu führt, dass Anforderungen von Verfassungsrang gesetzliche Gewährleistungen entzogen werden.
     
  16. Indem sie ab dem 1. Januar 2022 den Beitrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen, können die angegriffenen Bestimmungen die Gewährleistung der Mittel des öffentlich-rechtlichen Rundfunksektors berühren, die Bestandteil der Unabhängigkeit dieses Sektors ist, welche ihrerseits zur Entfaltung der Kommunikationsfreiheit beiträgt.
     
  17. Allerdings sehen diese Bestimmungen zum einen vor, dass für das Jahr 2022 die Einnahmen des Kontos für finanzielle Unterstützungen aus einem Teil des Aufkommens der Umsatzsteuer bestehen, dessen Summe dem Ertrag des Beitrags für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für das betreffende Jahr entspricht.
     
  18. Zum anderen sehen die angegriffenen Bestimmungen vor, dass vom 1. Januar 2023 bis zum 31. Dezember 2024 die Einnahmen des Kontos für finanzielle Unterstützungen aus einem Anteil des Aufkommens der Umsatzsteuer bestehen, der jedes Jahr vom jeweiligen Haushaltsgesetz festzulegen ist. Es wird dem Gesetzgeber obliegen, zum einen in den Haushaltsgesetzen für 2023 und für 2024 sowie zum anderen für den Zeitraum nach dem 31. Dezember 2024 den Betrag dieser Einnahmen zu bestimmen, damit die vorgenannten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und die vorgenannte öffentlich-rechtliche Anstalt in der Lage sind, die ihnen übertragenen Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge wahrzunehmen. Unter diesen Vorbehalten verstoßen die angegriffenen Bestimmungen nicht gegen die verfassungsrechtlichen Vorgaben aus Artikel 11 der Erklärung von 1789.
     
  19. Aus allen diese Ausführungen folgt, dass die Vorschrift von Ziffer 6o des Absatzes II von Artikel 6 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes, die Vorschrift unter 3 des Absatzes VI von Artikel 46 des Gesetzes vom 30. Dezember 2005 sowie, unter dem unter Nr. 30 zum Ausdruck gebrachten Vorbehalt, die Vorschrift von Ziffer 2o unter 1 desselben Absatzes VI, welche nicht unverständlich sind und mit denen der Gesetzgeber den Umfang seiner Zuständigkeit nicht verkannt hat, und die auch nicht gegen andere verfassungsrechtliche Vorgaben verstoßen, verfassungskonform sind.
     
  • Über die weiteren Bestimmungen des Gesetzes:
     
  1. Der Verfassungsrat ist von Amts wegen keinen weiteren Fragen, welche die Verfassungsmäßigkeit des vorgelegten Gesetzes betreffen, nachgegangen und hat sich folglich nicht zur Verfassungsmäßigkeit der weiteren, nicht in dieser Entscheidung geprüften Vorschriften des Gesetzes geäußert.
     
     
    DER VERFASSUNGSRAT ENTSCHEIDET:
     
    Artikel 1. - Unter dem in Nr. 30 zum Ausdruck gebrachten Vorbehalt ist die Vorschrift von Ziffer 2o unter 1 des Absatzes VI von Artikel 46 des Gesetzes Nr. 2005-1719 vom 30. Dezember 2005, Haushaltsgesetz für 2006, in der Fassung durch Artikel 6 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes verfassungskonform.
     
    Artikel 2. - Die Vorschrift von Ziffer 6o des Absatzes II von Artikel 6 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes sowie die Vorschrift unter 3 des Absatzes VI von Artikel 46 des oben genannten Gesetzes vom 30. Dezember 2005 in der Fassung durch Artikel 6 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes sind verfassungsgemäß.
     
    Artikel 3. - Diese Entscheidung wird im Amtsblatt der Französischen Republik veröffentlicht.
     
    Beschlossen durch den Verfassungsrat in seiner Sitzung vom 12. August 2022, an der teilgenommen haben die Damen und Herren Laurent FABIUS, Präsident, Jacqueline GOURAULT, Alain JUPPÉ, Corinne LUQUIENS, Véronique MALBEC, Jacques MÉZARD, François PILLET, Michel PINAULT und François SENERS.
     
    Veröffentlicht am 12. August 2022.

Les abstracts

  • 1. NORMES CONSTITUTIONNELLES
  • 1.4. PRINCIPES FONDAMENTAUX RECONNUS PAR LES LOIS DE LA RÉPUBLIQUE
  • 1.4.4. Principes non retenus
  • 1.4.4.15. Autres

En se bornant à prévoir que, « en vue d'en consacrer le produit aux dépenses de la radiodiffusion, il est institué … sur les installations réceptrices de radiodiffusion, une redevance pour droit d'usage », l'article 109 de la loi du 31 mai 1933 n'a eu ni pour objet ni pour effet de consacrer un principe selon lequel le secteur de l'audiovisuel public ne pourrait être financé que par une redevance. Cette loi ne saurait donc avoir donné naissance à un principe fondamental reconnu par les lois de la République.

(2022-842 DC, 12 August 2022, cons. 25, JORF n°0189 du 17 août 2022, texte n° 4)
  • 4. DROITS ET LIBERTÉS
  • 4.16. LIBERTÉ D'EXPRESSION ET DE COMMUNICATION
  • 4.16.4. Communication audiovisuelle

Le Conseil est saisi de dispositions qui remplacent la contribution à l'audiovisuel public par l'affectation aux sociétés et à l'établissement de l'audiovisuel public d'une fraction de TVA. En supprimant, à compter du 1er janvier 2022, la contribution à l'audiovisuel public, les dispositions contestées sont susceptibles d'affecter la garantie des ressources du secteur de l'audiovisuel public qui constitue un élément de son indépendance, laquelle concourt à la mise en œuvre de la liberté de communication.
Toutefois, d'une part, ces dispositions prévoient que, au titre de l'année 2022, les recettes du compte de concours financiers sont constituées d'une fraction du produit de la taxe sur la valeur ajoutée d'un montant équivalent au produit de la contribution à l'audiovisuel public au titre de cette même année. D'autre part, les dispositions contestées prévoient qu'à compter du 1er janvier 2023 et jusqu'au 31 décembre 2024, les recettes du compte de concours financiers proviennent d'une fraction du produit de la taxe sur la valeur ajoutée déterminée chaque année par la loi de finances de l'année. Il incombera au législateur, d'une part, dans les lois de finances pour les années 2023 et 2024 et, d'autre part, pour la période postérieure au 31 décembre 2024, de fixer le montant de ces recettes afin que les sociétés et l'établissement de l'audiovisuel public soient à même d'exercer les missions de service public qui leur sont confiées. Sous ces réserves, les dispositions contestées ne méconnaissent pas les exigences résultant de l'article 11 de la Déclaration de 1789. Sous ces réserves, les dispositions contestées sont conformes à la Constitution.

(2022-842 DC, 12 August 2022, cons. 28, 29, 30, 31, JORF n°0189 du 17 août 2022, texte n° 4)
  • 6. FINANCES PUBLIQUES
  • 6.1. PRINCIPES BUDGÉTAIRES ET FISCAUX
  • 6.1.7. Principe de sincérité
  • 6.1.7.1. Loi de finances
  • 6.1.7.1.2. Régime de la loi organique relative aux lois de finances de 2001

Saisi d'un grief tiré de l'insincérité de loi de finances rectificative, le Conseil juge qu'il ne ressort ni de l'avis du Haut conseil des finances publiques du 4 juillet 2022 ni des autres éléments soumis au Conseil constitutionnel que les hypothèses économiques et les prévisions de recettes et de charges sur lesquelles est fondée la loi de finances rectificative soient entachées d'une intention de fausser les grandes lignes de l'équilibre qu'elle détermine.

(2022-842 DC, 12 August 2022, cons. 4, JORF n°0189 du 17 août 2022, texte n° 4)
  • 6. FINANCES PUBLIQUES
  • 6.3. PÉRIMÈTRE DE LA LOI (voir également Titre 3 Normes législatives et réglementaires - Conditions de recours à la loi)
  • 6.3.2. Périmètre des lois
  • 6.3.2.2. Domaine facultatif
  • 6.3.2.2.1. Loi de finances

En application du titre II du livre Ier de la troisième partie du code du travail, les jours de repos acquis par les salariés au titre de la réduction du temps de travail ne peuvent être convertis en majoration de salaire que dans certaines hypothèses limitées. Par dérogation, le paragraphe I de l'article 5 de la loi déférée ouvre cette possibilité à tout salarié du secteur privé pour les journées de repos acquises au titre de la période du 1er janvier 2022 au 31 décembre 2025. Les paragraphes II et III prévoient les modalités suivant lesquelles les rémunérations versées à ce titre ouvrent droit à une exonération d'impôt sur le revenu et de cotisations sociales. Les paragraphes IV et V compensent les pertes de recettes résultant respectivement pour l'État et pour les organismes de sécurité sociale de l'extension de cette mesure pour la période du 31 décembre 2023 au 31 décembre 2025 par la création d'une taxe additionnelle à l'accise sur les tabacs et par une majoration de cette dernière. Cet article, dont les dispositions sont inséparables, doit être regardé comme ayant sa place en loi de finances au titre des dispositions relatives à l'assiette, au taux et aux modalités de recouvrement des impositions de toute nature.

(2022-842 DC, 12 August 2022, cons. 9, 10, 11, JORF n°0189 du 17 août 2022, texte n° 4)
  • 11. CONSEIL CONSTITUTIONNEL ET CONTENTIEUX DES NORMES
  • 11.8. SENS ET PORTÉE DE LA DÉCISION
  • 11.8.2. Injonctions au législateur

Le Conseil est saisi de dispositions qui remplacent la contribution à l'audiovisuel public par l'affectation aux sociétés et à l'établissement de l'audiovisuel public d'une fraction de TVA. En supprimant, à compter du 1er janvier 2022, la contribution à l'audiovisuel public, les dispositions contestées sont susceptibles d'affecter la garantie des ressources du secteur de l'audiovisuel public qui constitue un élément de son indépendance, laquelle concourt à la mise en œuvre de la liberté de communication.
Toutefois, d'une part, ces dispositions prévoient que, au titre de l'année 2022, les recettes du compte de concours financiers sont constituées d'une fraction du produit de la taxe sur la valeur ajoutée d'un montant équivalent au produit de la contribution à l'audiovisuel public au titre de cette même année. D'autre part, les dispositions contestées prévoient qu'à compter du 1er janvier 2023 et jusqu'au 31 décembre 2024, les recettes du compte de concours financiers proviennent d'une fraction du produit de la taxe sur la valeur ajoutée déterminée chaque année par la loi de finances de l'année. Il incombera au législateur, d'une part, dans les lois de finances pour les années 2023 et 2024 et, d'autre part, pour la période postérieure au 31 décembre 2024, de fixer le montant de ces recettes afin que les sociétés et l'établissement de l'audiovisuel public soient à même d'exercer les missions de service public qui leur sont confiées. Sous ces réserves, les dispositions contestées ne méconnaissent pas les exigences résultant de l'article 11 de la Déclaration de 1789. Sous ces réserves, les dispositions contestées sont conformes à la Constitution.

(2022-842 DC, 12 August 2022, cons. 30, JORF n°0189 du 17 août 2022, texte n° 4)
  • 16. RÉSERVES D'INTERPRÉTATION
  • 16.17. DROIT DES FINANCES PUBLIQUES ET SOCIALES
  • 16.17.14. Loi de finances pour 2006 (n° 2005-1719 du 30 décembre 2005)

Les dispositions contestées prévoient qu'à compter du 1er janvier 2023 et jusqu'au 31 décembre 2024, les recettes du compte de concours financiers proviennent d'une fraction du produit de la taxe sur la valeur ajoutée déterminée chaque année par la loi de finances de l'année. Il incombera au législateur, d'une part, dans les lois de finances pour les années 2023 et 2024 et, d'autre part, pour la période postérieure au 31 décembre 2024, de fixer le montant de ces recettes afin que les sociétés et l'établissement de l'audiovisuel public soient à même d'exercer les missions de service public qui leur sont confiées. Sous ces réserves, le 2° du 1 du pargraphe VI de l'article 46 de la loi du 30 décembre 2005 de finances pour 2006 ne méconnaissent pas les exigences résultant de l'article 11 de la Déclaration de 1789.

(2022-842 DC, 12 August 2022, cons. 30, JORF n°0189 du 17 août 2022, texte n° 4)
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