Entscheidung

Entscheidung Nr. 2010-614 DC vom 4. November 2010

Zustimmungsgesetz zum Übereinkommen zwischen der Regierung der Französischen Republik und der Regierung der Republik Rumänien über die Zusammenarbeit zum Schutze alleinstehender minderjähriger Rumänen auf dem Staatsgebiet der Französischen Republik und ihre Rückkehr in ihr Heimatland, sowie über den Kampf gegen kriminelle Vereinigungen, welche Minderjährige ausbeuten

Der Verfassungsrat ist am 13. Oktober 2010 gemäß Artikel 61 Absatz 2 der Verfassung bezüglich des Zustimmungsgesetzes zum Übereinkommen zwischen der Regierung der Französischen Republik und der Regierung der Republik Rumänien über die Zusammenarbeit zum Schutze alleinstehender minderjähriger Rumänen auf dem Staatsgebiet der Französischen Republik und ihre Rückkehr in ihr Heimatland, sowie über den Kampf gegen kriminelle Vereinigungen, welche Minderjährige ausbeuten, angerufen worden von den Damen und Herren Abgeordneten Jean-Marc AYRAULT, Jean-Paul BACQUET, Gérard BAPT, Claude BARTOLONE, Jacques BASCOU, Christian BATAILLE, Chantal BERTHELOT, Gisèle BIÉMOURET, Serge BLISKO, Jean-Michel BOUCHERON, Marie-Odile BOUILLÉ, Christophe BOUILLON, Monique BOULESTIN, Pierre BOURGUIGNON, Danièle BOUSQUET, François BROTTES, Alain CACHEUX, Jérôme CAHUZAC, Thierry CARCENAC, Laurent CATHALA, Guy CHAMBEFORT, Jean-Paul CHANTEGUET, Gérard CHARASSE, Alain CLAEYS, Jean-Michel CLÉMENT, Marie-Françoise CLERGEAU, Catherine COUTELLE, Pascale CROZON, Frédéric CUVILLIER, Claude DARCIAUX, Pascal DEGUILHEM, Bernard DEROSIER, Julien DRAY, Tony DREYFUS, Jean-Pierre DUFAU, William DUMAS, Laurence DUMONT, Jean-Paul DUPRÉ, Yves DURAND, Olivier DUSSOPT, Christian ECKERT, Henri EMMANUELLI, Albert FACON, Martine FAURE, Hervé FÉRON, Aurélie FILIPPETTI, Pierre FORGUES, Valérie FOURNEYRON, Jean-Louis GAGNAIRE, Guillaume GAROT, Jean GAUBERT, Paul GIACOBBI, Jean-Patrick GILLE, Joël GIRAUD, Daniel GOLDBERG, Marc GOUA, Élisabeth GUIGOU, David HABIB, Danièle HOFFMAN-RISPAL, Sandrine HUREL, Monique IBORRA, Françoise IMBERT, Michel ISSINDOU, Henri JIBRAYEL, Régis JUANICO, Marietta KARAMANLI, Jean-Pierre KUCHEIDA, Jérôme LAMBERT, Colette LANGLADE, Jean LAUNAY, Jean-Yves LE BOUILLONNEC, Gilbert LE BRIS, Annick LE LOCH, Bruno LE ROUX, Marylise LEBRANCHU, Annick LEPETIT, Bernard LESTERLIN, Serge LETCHIMY, Albert LIKUVALU, François LONCLE, Jean MALLOT, Jacqueline MAQUET, Jeanny MARC, Jean-René MARSAC, Philippe MARTIN, Martine MARTINEL, Frédérique MASSAT, Didier MATHUS, Sandrine MAZETIER, Michel MÉNARD, Kléber MESQUIDA, Jean MICHEL, Pierre-Alain MUET, Philippe NAUCHE, Henri NAYROU, Alain NÉRI, Dominique ORLIAC, Christian PAUL, George PAU-LANGEVIN, Germinal PEIRO, Jean-Luc PÉRAT, Marie-Françoise PÉROL-DUMONT, Martine PINVILLE, Philippe PLISSON, Catherine QUÉRÉ, Jean-Jack QUEYRANNE, Dominique RAIMBOURG, Marie-Line REYNAUD, Alain RODET, Marcel ROGEMONT, Michel SAINTE-MARIE, Michel SAPIN, Odile SAUGUES, Christophe SIRUGUE, Jean-Louis TOURAINE, Marisol TOURAINE, Philippe TOURTELIER, Jean-Jacques URVOAS, Daniel VAILLANT, Jacques VALAX, André VALLINI, Manuel VALLS, Michel VERGNIER, André VÉZINHET, Alain VIDALIES, Philippe VUILQUE, Marie-Hélène AMIABLE, François ASENSI, Martine BILLARD, Alain BOCQUET, Patrick BRAOUEZEC, Jean-Pierre BRARD, Marie-George BUFFET, Jean-Jacques CANDELIER, André CHASSAIGNE, Jacques DESALLANGRE, Marc DOLEZ, Jacqueline FRAYSSE, André GERIN, Pierre GOSNAT, Maxime GREMETZ, Jean-Paul LECOQ, Roland MUZEAU, Daniel PAUL, Jean-Claude SANDRIER, Michel VAXÈS, Yves COCHET, Noël MAMÈRE, François de RUGY, Anny POURSINOFF, Huguette BELLO und Alfred MARIE-JEANNE.

DER VERFASSUNGSRAT,

Unter Bezugnahme auf die Verfassung;

Unter Bezugnahme auf die geänderte gesetzesvertretende Verordnung Nr. 58-1067 vom 7. November 1958, Verfassungsergänzungsgesetz über den Verfassungsrat;

Unter Bezugnahme auf das Zivilgesetzbuch;

Unter Bezugnahme auf die Stellungnahme der Regierung, eingetragen am 21. Oktober 2010;

Nachdem der Berichterstatter gehört worden ist;

  1. In Erwägung dessen, dass das dem Verfassungsrat zur Prüfung vorgelegte Gesetz zum Zweck hat, dem Übereinkommen zwischen der Regierung der Französischen Republik und der Regierung der Republik Rumänien über die Zusammenarbeit zum Schutze alleinstehender minderjähriger Rumänen auf dem Staatsgebiet der Französischen Republik und ihre Rückkehr in ihr Heimatland, sowie über den Kampf gegen kriminelle Vereinigungen, welche Minderjährige ausbeuten, zuzustimmen;

  2. In Erwägung dessen, dass die antragstellenden Abgeordneten behaupten, das zur Prüfung vorgelegte Gesetz könne keine Zustimmung zu einem Übereinkommen erteilen, dessen Artikel 4 durch die Einführung eines besonderen Verfahrens zur Rückführung rumänischer Minderjähriger ihrer Auffassung nach gegen das Gleichheitsgebot, die Rechte der Verteidigung, sowie die Absätze 10 und 11 der Präambel der Verfassung von 1946 verstößt;

  3. In Erwägung dessen, dass die Absätze 2 und 4 von Artikel vier des Übereinkommens bestimmen: „Die im betreffenden Amtsbezirk für Jugendsachen zuständige Staatsanwaltschaft oder der zuständige Jugendrichter leitet, bei Anrufung bezüglich des Falles eines alleinstehenden rumänischen Minderjährigen, unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen ein, um gemäß den Vorschriften der Gesetze zum Schutze der Jugend sowohl aus Frankreich als auch aus Rumänien alle sachdienlichen Angaben zu der persönlichen und rechtlichen Lage des Minderjährigen zu erhalten. Die Staatsanwaltschaft oder der zuständige Richter informiert unverzüglich die in Rumänien zuständige Behörde oder das dort zuständige Gericht. Diese Behörde beziehungsweise dieses Gericht kann, nach Prüfung der persönlichen und rechtlichen Lage des Minderjährigen und Festlegung der genauen Bestimmungen für dessen Aufnahme in Rumänien, schriftlich um die Rückführung des Minderjährigen ersuchen.
    „Ruft die in Jugendsachen zuständige Staatsanwaltschaft den Jugendrichter nicht an, kann sie dem rumänischen Antrag auf Rückführung stattgeben und ihn umsetzen, sobald er bei ihr eingegangen ist, sofern die Staatsanwaltschaft, insbesondere aufgrund der von rumänischer Seite übermittelten Angaben, zu der Überzeugung gelangt, dass alle Gewährleistungen zum Schutz des Minderjährigen vorliegen.
    „Wurde der Jugendrichter angerufen, kann er auf der Grundlage dieser Angaben die Aufhebung der Unterbringung des Minderjährigen anordnen, damit dieser in sein Heimatland zurückkehren kann“;

  4. In Erwägung dessen, dass Artikel 16 der Menschen- und Bürgerrechtserklärung von 1789 lautet: „Eine Gesellschaft, in der die Verbürgung der Rechte nicht gesichert und die Gewaltenteilung nicht festgelegt ist, hat keine Verfassung“; dass diese Norm das Recht auf effektiven Rechtsschutz gewährleistet;

  5. In Erwägung dessen, dass die Bestimmungen des angegriffenen Übereinkommens ein Verfahren zur Rückführung, auf einen Antrag der rumänischen Behörden hin, alleinstehender Minderjähriger schaffen; dass die Erlaubnis, einen solchen Minderjährigen zurückzuführen, von der für Jugendsachen zuständigen Staatsanwaltschaft oder, wenn er angerufen wurde, vom zuständigen Jugendrichter erteilt wird; dass für den Fall, dass es die Staatsanwaltschaft ist, welche diese Entscheidung trifft, weder die angegriffenen Bestimmungen noch eine Vorschrift des innerstaatlichen Rechts dem betroffenen Minderjährigen oder anderen Beteiligten die Möglichkeit eröffnen, gegen diese Entscheidung, die dazu dient, dass er das französische Staatsgebiet verlässt und nach Rumänien zurückkehrt, den Rechtsweg zu beschreiten; dass die angegriffenen Bestimmungen daher das Recht der betroffenen Personen auf effektiven Rechtsschutz verletzen;

  6. In Erwägung dessen, dass aus diesen Ausführungen folgt, dass das Zustimmungsgesetz zu dem oben genannten Übereinkommen gegen die Verfassung verstößt,

ENTSCHEIDET:

Artikel 1 - Das Zustimmungsgesetz zum Übereinkommen zwischen der Regierung der Französischen Republik und der Regierung der Republik Rumänien über die Zusammenarbeit zum Schutze alleinstehender minderjähriger Rumänen auf dem Staatsgebiet der Französischen Republik und ihre Rückkehr in ihr Heimatland, sowie über den Kampf gegen kriminelle Vereinigungen, welche Minderjährige ausbeuten, ist verfassungswidrig.

Artikel 2 - Diese Entscheidung wird im Amtsblatt der Französischen Republik veröffentlicht.

Beschlossen durch den Verfassungsrat in seiner Sitzung vom 4. November 2010, an der teilgenommen haben die Damen und Herren Jean-Louis DEBRÉ, Präsident, Jacques BARROT, Claire BAZY MALAURIE, Guy CANIVET, Michel CHARASSE, Renaud DENOIX de SAINT MARC, Jacqueline de GUILLENCHMIDT, Hubert HAENEL und Pierre STEINMETZ.

À voir aussi sur le site : Communiqué de presse, Commentaire, Dossier documentaire, Dossier complet sur le site du Sénat, Dossier complet sur le site de l'Assemblée nationale, Projet de loi adopté le 7 octobre 2010 (T.A. n° 539), Saisine par 60 députés, Observations du gouvernement, Références doctrinales.