Entscheidung

Entscheidung Nr. 2008-568 DC vom 7. August 2008

Gesetz zur Erneuerung der sozialen Demokratie und zur Reform der Arbeitszeit

Der Verfassungsrat ist am 25. Juli 2008 gemäß Artikel 61 Absatz 2 der Verfassung bezüglich des Gesetzes zur Erneuerung der sozialen Demokratie und zur Reform der Arbeitszeit angerufen worden von den Damen und Herren Abgeordneten Jean-Marc AYRAULT, Sylvie ANDRIEUX, Jean-Paul BACQUET, Dominique BAERT, Jean-Pierre BALLIGAND, Gérard BAPT, Claude BARTOLONE, Jacques BASCOU, Christian BATAILLE, Delphine BATHO, Jean-Louis BIANCO, Gisèle BIÉMOURET, Serge BLISKO, Patrick BLOCHE, Daniel BOISSERIE, Jean-Michel BOUCHERON, Marie-Odile BOUILLÉ, Christophe BOUILLON, Monique BOULESTIN, Pierre BOURGUIGNON, Danielle BOUSQUET, François BROTTES, Alain CACHEUX, Jérôme CAHUZAC, Jean-Christophe CAMBADÉLIS, Thierry CARCENAC, Christophe CARESCHE, Martine CARRILLON-COUVREUR, Laurent CATHALA, Bernard CAZENEUVE, Jean-Paul CHANTEGUET, Alain CLAEYS, Jean-Michel CLÉMENT, Marie-Françoise CLERGEAU, Gilles COCQUEMPOT, Pierre COHEN, Catherine COUTELLE, Pascale CROZON, Frédéric CUVILLIER, Claude DARCIAUX, Pascal DEGUILHEM, Michèle DELAUNAY, Guy DELCOURT, Michel DELEBARRE, Bernard DEROSIER, Michel DESTOT, Marc DOLEZ, Julien DRAY, Tony DREYFUS, Jean-Pierre DUFAU, William DUMAS, Laurence DUMONT, Jean-Paul DUPRÉ, Yves DURAND, Odette DURIEZ, Philippe DURON, Olivier DUSSOPT, Christian ECKERT, Henri EMMANUELLI, Corinne ERHEL, Laurent FABIUS, Albert FACON, Hervé FÉRON, Aurélie FILIPPETTI, Pierre FORGUES, Valérie FOURNEYRON, Michel FRANÇAIX, Jean-Claude FRUTEAU, Jean-Louis GAGNAIRE, Geneviève GAILLARD, Guillaume GAROT, Jean GAUBERT, Catherine GÉNISSON, Jean-Patrick GILLE, Jean GLAVANY, Daniel GOLDBERG, Gaëtan GORCE, Pascale GOT, Marc GOUA, Jean GRELLIER, Elisabeth GUIGOU, David HABIB, Danièle HOFFMAN-RISPAL, François HOLLANDE, Monique IBORRA, Michel ISSINDOU, Serge JANQUIN, Régis JUANICO, Armand JUNG, Marietta KARAMANLI, Conchita LACUEY, Jérôme LAMBERT, François LAMY, Jean LAUNAY, Jean-Yves LE BOUILLONNEC, Gilbert LE BRIS, Jean-Yves LE DÉAUT, Jean-Marie LE GUEN, Bruno LE ROUX, Marylise LEBRANCHU, Michel LEFAIT, Catherine LEMORTON, Annick LEPETIT, Jean-Claude LEROY, Michel LIEBGOTT, Martine LIGNIÈRES-CASSOU, François LONCLE, Jean MALLOT, Louis-Joseph MANSCOUR, Marie-Lou MARCEL, Jean-René MARSAC, Philippe MARTIN, Martine MARTINEL, Frédérique MASSAT, Gilbert MATHON, Didier MATHUS, Sandrine MAZETIER, Michel MÉNARD, Kléber MESQUIDA, Jean MICHEL, Didier MIGAUD, Arnaud MONTEBOURG, Pierre MOSCOVICI, Pierre-Alain MUET, Philippe NAUCHE, Henri NAYROU, Alain NÉRI, Marie-Renée OGET, Françoise OLIVIER-COUPEAU, George PAU-LANGEVIN, Christian PAUL, Jean-Luc PÉRAT, Jean-Claude PÉREZ, Marie-Françoise PÉROL-DUMONT, Philippe PLISSON, Jean-Jack QUEYRANNE, Dominique RAIMBOURG, Marie-Line REYNAUD, Alain RODET, Bernard ROMAN, René ROUQUET, Alain ROUSSET, Patrick ROY, Michel SAINTE-MARIE, Michel SAPIN, Odile SAUGUES, Christophe SIRUGUE, Pascal TERRASSE, Marisol TOURAINE, Jean-Louis TOURAINE, Jean-Jacques URVOAS, Daniel VAILLANT, Jacques VALAX, André VALLINI, Manuel VALLS, Michel VAUZELLE, Michel VERGNIER, André VÉZINHET, Alain VIDALIES, Jean-Michel VILLAUMÉ, Philippe VUILQUE, Chantal BERTHELOT, Gérard CHARASSE, René DOSIÈRE, Paul GIACOBBI, Christian HUTIN, Serge LETCHIMY, Albert LIKUVALU, Jeanny MARC, Martine PINVILLE, Simon RENUCCI, Chantal ROBIN-RODRIGO, Marcel ROGEMON, Christiane TAUBIRA, Marie-Hélène AMIABLE, François ASENSI, Alain BOCQUET, Patrick BRAOUEZEC, Jean-Pierre BRARD, Marie-George BUFFET, Jean-Jacques CANDELIER, André CHASSAIGNE, Jacques DESALLANGRE, Jacques FRAYSSE, André GERIN, Pierre GOSNAT, Maxime GREMETZ, Jean-Paul LECOQ, Roland MUZEAU, Daniel PAUL, Jean-Claude SANDRIER, Michel VAXES, François de RUGY, Alfred MARIE-JEANNE und Huguette BELLO,

sowie am selben Tag von den Damen und Herren Senatoren Jean-Pierre BEL, Jacqueline ALQUIER, Michèle ANDRÉ, Bernard ANGELS, David ASSOULINE, Bertrand AUBAN, Maryse BERGÉ-LAVIGNE, Marie-Christine BLANDIN, Yannick BODIN, Didier BOULAUD, Alima BOUMEDIENE-THIERY, Yolande BOYER, Nicole BRICQ, Claire-Lise CAMPION, Monique CERISIER-ben GUIGA, Pierre-Yves COLLOMBAT, Yves DAUGE, Christiane DEMONTÈS, Claude DOMEIZEL, Michel DREYFUS-SCHMIDT, Jean-Claude FRÉCON, Bernard FRIMAT, Charles GAUTIER, Jacques GILLOT, Jean-Pierre GODEFROY, Odette HERVIAUX, Annie JARRAUD-VERGNOLLE, Charles JOSSELIN, Bariza KHIARI, Serge LAGAUCHE, Raymonde LE TEXIER, André LEJEUNE, Roger MADEC, Jacques MAHÉAS, François MARC, Marc MASSION, Pierre MAUROY, Jean-Luc MÉLENCHON, Louis MERMAZ, Gérard MIQUEL, Jean-Marc PASTOR, Jean-Claude PEYRONNET, Jean-François PICHERAL, Gisèle PRINTZ, Daniel RAOUL, Daniel REINER, Thierry REPENTIN, Roland RIES, Gérard ROUJAS, André ROUVIÈRE, Patricia SCHILLINGER, Michel SERGENT, Jacques SIFFRE, René-Pierre SIGNÉ, Jean-Pierre SUEUR, Simon SUTOUR, Catherine TASCA, Michel TESTON, Jean-Marc TODESCHINI, André VANTOMME, Dominique VOYNET und Richard YUNG;

DER VERFASSUNGSRAT,

Unter Bezugnahme auf die Verfassung;

Unter Bezugnahme auf die geänderte gesetzesvertretende Verordnung Nr. 58-1067 vom 7. November 1958, Verfassungsergänzungsgesetz über den Verfassungsrat;

Unter Bezugnahme auf die Stellungnahme der Regierung, eingetragen am 30. Juli 2008;

Unter Bezugnahme auf das Arbeitsgesetzbuch;

Unter Bezugnahme auf das Gesetz Nr. 2004-391 vom 4.Mai 2004 über die lebenslange berufliche Weiterbildung und über den Dialog zwischen den Sozialpartnern;

Nachdem der Berichterstatter gehört worden ist;

  1. In Erwägung dessen, dass die antragstellenden Abgeordneten und Senatoren dem Verfassungsrat das Gesetz zur Erneuerung der sozialen Demokratie und zur Reform der Arbeitszeit zur Prüfung vorlegen; dass sie die Verfassungsmäßigkeit der Artikel 3 und 18 des Gesetzes in Frage stellen;
  • ÜBER DEN ARTIKEL 3:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 3 Punkt VII des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes den Artikel L. 1111-2 des Arbeitsgesetzbuchs ändert, um zu bestimmen, dass im Rahmen der Anwendung dieses Gesetzbuchs die von einem Unternehmen einem anderen Unternehmen zur Verfügung gestellten Arbeitnehmer zu der Belegschaft dieses anderen Unternehmens gerechnet werden, sofern sie in seinen gewerblich genutzten Räumen anwesend sind und seit mindestens einem Jahr dort arbeiten; dass Punkt VIII desselben Artikels in das Arbeitsgesetzbuch einen Artikel L. 2314-18-1 einfügt, welcher bezüglich der Wahl der Belegschaftsvertreter vorsieht, dass ein Leiharbeitnehmer seit mindestens zwölf Monaten ohne Unterbrechung in dem Unternehmen tätig sein muss, um das aktive Wahlrecht zu besitzen, und seit mindestens vierundzwanzig Monaten ohne Unterbrechung dort tätig sein muss, um das passive Wahlrecht zu besitzen; dass die Leiharbeitnehmer die Wahl haben, ob sie ihr Wahlrecht in dem Unternehmen, bei dem sie angestellt sind, oder in dem Unternehmen, in dem sie arbeiten, ausüben wollen; dass Punkt IX dieses Artikels in das Arbeitsgesetzbuch einen Artikel L. 2324-17-1 einfügt, welcher vorschreibt, dass die Leiharbeitnehmer seit mindestens zwölf Monaten ohne Unterbrechung in einem Unternehmen tätig sein müssen, um an der Wahl der Belegschaftsvertreter im Betriebsausschuss teilnehmen zu dürfen; dass diese Arbeitnehmer, die kein passives Wahlrecht besitzen, ebenfalls die Möglichkeit haben zu wählen, ob sie ihr Wahlrecht in dem Unternehmen ausüben wollen, in dem sie angestellt sind, oder in demjenigen, in dem sie gegenwärtig arbeiten;

  2. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller die Beschränkungen rügen, welche der Gesetzgeber den Leiharbeitnehmern bei der Ausübung ihres Wahlrechts auferlegt hat; dass sie dem Gesetzgeber vorhalten, er habe Arbeitnehmer ausgeschlossen, die dauerhaft und eng in die Arbeitsgemeinschaft, welche das Unternehmen darstellt, integriert sind, und somit den Grundsatz der Mitbestimmung im Unternehmen verletzt; dass sie ebenfalls geltend machen, die von ihnen gerügten Bestimmungen führten zu einer ungleichen Behandlung der Arbeitnehmer eines selben Unternehmens, je nachdem ob diese durch einen Arbeitsvertrag mit diesem Unternehmen verbunden sind oder nicht;

  3. In Erwägung dessen, dass, erstens die Präambel der Verfassung vom 27. Oktober 1946 in ihrem achten Absatz zwar bestimmt: „Jeder Arbeiter nimmt durch die Vermittlung seiner Vertreter an der gemeinschaftlichen Festsetzung der Arbeitsbedingungen sowie an der Verwaltung der Unternehmen teil“, Artikel 34 der Verfassung jedoch die Bestimmung der grundlegenden Prinzipien des Arbeitsrechts dem Zuständigkeitsbereich des einfachen Gesetzes zuordnet; dass es daher Aufgabe des Gesetzgebers ist, unter Wahrung des im achten Absatz der Präambel genannten Grundsatzes, die Voraussetzungen und Gewährleistungen für dessen Umsetzung zu bestimmen;

  4. In Erwägung dessen, dass die Verfassung dem Verfassungsrat keinen allgemeinen Wertungs- und Gestaltungsspielraum wie den des Parlaments eröffnet;

  5. In Erwägung dessen, dass wenngleich das Recht, durch gewählte Vertreter „an der gemeinschaftlichen Festsetzung der Arbeitsbedingungen sowie an der Verwaltung der Unternehmen“ teilzunehmen nicht der Gesamtheit der zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem Unternehmen beschäftigten Arbeitnehmer offensteht, es zumindest denjenigen zusteht, welche dauerhaft und eng mit der Arbeitsgemeinschaft, die es darstellt, verbunden sind, und dies selbst für den Fall, dass es sich bei ihnen nicht um Beschäftigte dieses Unternehmens handelt; dass der Gesetzgeber diesen Begriff der Einbindung in die Arbeitsgemeinschaft hat stärken wollen, um auf diese Art und Weise die Rechtssicherheit für die Unternehmen wie für die Beschäftigten zu erhöhen; dass er zu diesem Zweck die ununterbrochene Beschäftigung während einer Dauer von zwölf bzw. vierundzwanzig Monaten in den gewerblich genutzten Räumen des Unternehmens als Voraussetzung vorgesehen hat, damit ein Leiharbeitnehmer in dem Unternehmen, in welchem er arbeitet, das aktive bzw. das passive Wahlrecht ausüben darf; dass diese Bestimmungen keinen offensichtlichen Beurteilungsirrtum darstellen; dass, wenn der Gesetzgeber bestimmt hat, dass Leiharbeitnehmer ihr Wahlrecht nur entweder in dem Unternehmen, in dem sie angestellt sind, oder in dem Unternehmen, in welchem sie ihre Tätigkeit ausüben, wahrnehmen können, so verfolgt er damit den Zweck, doppelte Teilnahme an der Wahl zu verhindern bzw. einzuschränken; dass daher die objektiven und nachvollziehbaren Kriterien, die der Gesetzgeber festgelegt hat, die Anforderungen des achten Absatzes der Präambel von 1946 nicht verletzen;

  6. In Erwägung dessen, dass, zweitens, das Gleichheitsgebot dem Gesetzgeber weder verbietet, verschiedene Sachverhalte verschieden zu regeln, noch aus Gründen des Allgemeininteresses vom Gleichheitssatz abzuweichen, solange in beiden Fällen, die sich daraus ergebende Ungleichbehandlung in direktem Zusammenhang mit dem Gesetz steht, welches sie begründet;

  7. In Erwägung dessen, dass es dem Gesetzgeber aus den eben genannten Gründen freistand, nicht allen Leiharbeitnehmern das aktive und passive Wahlrecht bei Wahlen für die Belegschaftsvertreter sowie bei Wahlen für die Belegschaftsvertreter im Betriebsausschuss zu verleihen; dass die von ihm vorgesehene Ungleichbehandlung in direktem Zusammenhang mit dem Zweck , den er verfolgen wollte, steht;

  8. In Erwägung dessen, dass unter diesen Bedingungen die gegen den Artikel 3 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes gerichteten Rügen verworfen werden müssen;

  • ÜBER DEN ARTIKEL 18:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 18 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes die Bestimmung des Überstundenkontingents, die Modalitäten zur Überschreitung dieses Kontingents und den Überstundenausgleich betrifft; dass Punkt I dieses Artikels den Artikel L. 3121-11 des Arbeitsgesetzbuchs neu fasst und einen Artikel L. 3121-11-1 einfügt; dass sein Punkt II die Artikel L. 3121-12 bis L. 3121-14, L. 3121-17 bis L. 3121-19, sowie die Artikel L. 3121-26 bis L. 3121-32 aufhebt, welche den Abschnitt des Arbeitsgesetzbuchs über die „Pflichtausgleichsruhezeit“ bilden; dass sein Punkt III die beiden ersten Absätze des Artikels L. 3121-24 des Arbeitsgesetzbuchs neu fasst; dass schließlich sein Punkt IV die Voraussetzungen ausgestaltet, unter denen diese neuen Bestimmungen Auswirkung auf bereits vereinbarte Klauseln in Manteltarifverträgen und in besonderen Tarifverträgen zu Überstunden und ihren Ausgleich durch Ruhezeit haben;

  2. In Erwägung dessen, dass diese Bestimmungen erstens den Zweck verfolgen, Firmentarifverträgen oder, in Ermangelung eines solchen, Verbandstarifverträgen, oder in Ermangelung eines solchen, einem Dekret die Aufgabe überträgt, das jährliche Kontingent an Überstunden, sowie die Dauer, Art und Weise und Voraussetzungen zur Inanspruchnahme der zum Ausgleich zwingend vorgeschriebenen Ruhezeit für jede über dieses jährliche Kontingent hinausgehend geleistete Überstunde zu bestimmen; dass sie zweitens bezüglich der Unternehmen mit mehr als zwanzig Beschäftigten die Ausgleichsruhezeit für diejenigen Überstunden abschafft, die im Rahmen des jährlichen Kontingents geleistet werden; dass sie drittens die Möglichkeit zulässt, dass ein Manteltarifvertrag oder ein besonderer Tarifvertrag auf Firmenebene oder, ersatzweise, ein solcher Tarifvertrag auf Verbandsebene, zum einen einen solchen Ausgleich vorsieht und zum anderen die Möglichkeit, die Vergütung oder den Zuschlag für Überstunden vollständig oder teilweise durch eine gleichwertige Ausgleichsruhezeit zu ersetzen, gestattet; dass sie schließlich die Verpflichtung abschaffen, die Arbeitsaufsichtsbehörde über die Ableistung von Überstunden im Rahmen des jährlichen Kontingents zu unterrichten und ihre Erlaubnis für die Ableistung von Überstunden über dieses Kontingent hinaus einzuholen;

  3. In Erwägung dessen, dass Artikel 18 des Gesetzes nach Auffassung der Antragsteller gegen Artikel 34 der Verfassung verstößt, indem er es einem Firmen- bzw. dem Verbandstarifvertrag überlässt, „sämtliche Bedingungen für die Ableistung von über das jährliche Überstundenkontingent hinausgehenden Überstunden, sowie die Voraussetzungen der Inanspruchnahme eines Ausgleichs dieser Art von Überstunden durch Ruhezeit zu bestimmen“ und indem er „sämtliche Artikel des Arbeitsgesetzbuchs über die zwingend vorgeschriebene Ausgleichsruhezeit aufhebt“; dass sie betonen, das Gesetz selbst müsse die grundlegenden Prinzipien des Arbeitsrechts bestimmen und „den für Tarifverhandlungen zugänglichen Bereich“ genau eingrenzen; dass sie insbesondere vortragen, in Anbetracht des elften Absatzes der Präambel von 1946 stelle die Aufhebung der zwingend vorgeschriebenen Ausgleichsruhezeit „einen grundsätzlichen und schwerwiegenden Eingriff in die soziale öffentliche Ordnung“ dar und der Verweis auf Tarifverhandlungen bzw. ein Dekret entzöge den verfassungsrechtlichen Erfordernissen in Bezug auf den Gesundheitsschutz die gesetzliche Gewährleistung;

  • Bezüglich des Ausgleichs der über das jährliche Kontingent hinausgehend geleisteten Überstunden durch Ruhezeit:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel L. 3121-11 Absatz 2 des Arbeitsgesetzbuchs in der Fassung durch Artikel 18 Punkt I des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes lautet: „Ein Manteltarifvertrag oder ein besonderer Tarifvertrag auf Firmenebene oder, in Ermangelung eines solchen, ein Manteltarifvertrag oder ein besonderer Tarifvertrag auf Verbandsebene legt sämtliche Bedingungen, gemäß denen Überstunden über das jährliche Kontingent hinausgehend geleistet werden können, sowie die Dauer, die Eigenschaften und die Voraussetzungen der Inanspruchnahme der zum Ausgleich für jede über das jährliche Kontingent hinausgehende Überstunde zwingend einzuräumenden Ruhezeit fest“; dass des weiteren Punkt II von Artikel 18 die Artikel L. 3121-26 bis L. 3121-32 des Arbeitsgesetzbuchs über die „Pflichtausgleichsruhezeit“ aufhebt;

  2. In Erwägung dessen, dass Artikel 34 der Verfassung bestimmt: „Durch Gesetz werden die Grundsätze geregelt für: […] das Arbeitsrecht“; dass der achte Absatz der Präambel von 1946 lautet: „Jeder Arbeiter nimmt durch die Vermittlung seiner Vertreter an der gemeinschaftlichen Festsetzung der Arbeitsbedingungen sowie an der Verwaltung der Unternehmen teil“; dass aus diesen Bestimmungen hervorgeht, dass, wenngleich es dem Gesetzgeber freisteht, die genauere Festlegung der konkreten Art und Weise der Anwendung der grundlegenden Prinzipien des Arbeitsrechts durch einen Tarifvertrag oder, in Ermangelung eines solchen, ein Dekret vorzusehen, so obliegt es ihm jedoch, die ihm von Artikel 34 der Verfassung übertragene Zuständigkeit voll auszuüben;

  3. In Erwägung dessen, dass die gerügten Bestimmungen für jede das jährliche Kontingent übersteigende Überstunde zwingend einen Ausgleich in Form von Ruhezeit vorsehen, jedoch jeglichen Rahmen bezüglich der Dauer dieser Ruhezeit und der Voraussetzungen, unter denen sie in Anspruch genommen werden soll, aufhebt, wobei darüber hinaus die Schwelle, von welcher an diese Pflichtruhezeit Anwendung finden soll, selbst nicht durch das Gesetz bestimmt wird; dass aus diesem Grund, und ohne dass für den Verfassungsrat die Notwendigkeit besteht, auf die auf Verletzung des elften Absatzes der Präambel von 1946 gestützte Rüge näher einzugehen, der Gesetzgeber die Voraussetzungen für die Umsetzung des Grundsatzes des zwingenden Ausgleichs durch Ruhezeit nicht hinreichend genau bestimmt und infolgedessen den Umfang seiner Zuständigkeit nach Artikel 34 der Verfassung verkannt hat;

  4. In Erwägung dessen, dass in Ermangelung jeglicher weiterer gesetzlicher Gewährleistung, welche die Bestimmung der zum Ausgleich für über das jährliche Kontingent hinausgehend geleistete Überstunden zwingend vorgeschriebenen Ruhezeit bzw. die Bedingungen für die Inanspruchnahme dieser Ruhezeit näher regelt, der Verweis auf „die Dauer“ der Pflichtausgleichsruhezeit, welcher in den Absätzen 2 und 3 von Artikel 3121-11 des Arbeitsgesetzbuchs in der Fassung durch Artikel 18 Punkt I des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes vorgenommen wird, für verfassungswidrig erklärt werden muss; dass infolgedessen auch der Wortlaut „Als Übergangsregelung und während dieser Übergangszeit“ in Artikel 18 Punkt IV Satz 2 für verfassungswidrig erklärt werden müssen;

  • Bezüglich der bereits abgeschlossenen Manteltarifverträge oder besonderen Tarifverträge:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 18 Punkt IV Satz 1 lautet: „Die Klauseln der auf der Grundlage der Artikel L. 3121-11 bis 3121-13 und L. 3121-17 des Arbeitsgesetzbuchs oder auf der Grundlage des Artikels L. 713-11 Absatz 2 des Gesetzbuchs über das Land- und Forstwirtschaftswesen in ihrer Fassung von vor der Bekanntmachung des vorliegenden Gesetzes geschlossenen Manteltarifverträge oder besonderen Tarifverträge bleiben bis spätestens zum 31. Dezember 2009 in Kraft“;

  2. In Erwägung dessen, dass der Gesetzgeber keinen Eingriff in gesetzmäßig abgeschlossene Verträge vornehmen darf ohne dabei die in den Artikeln 4 und 16 der Menschen- und Bürgerrechtserklärung von 1789, sowie, bezüglich der Beteiligung der Arbeitnehmer an der gemeinschaftlichen Festsetzung ihrer Arbeitsbedingungen, im achten Absatz der Präambel von 1946 niedergelegten Grundsätze zu verletzen, es sei denn, der Eingriff wäre durch ein hinreichendes Allgemeininteresse gerechtfertigt;

  3. In Erwägung dessen, dass der erste Satz des Punkts IV von Artikel 18 zur Folge hat, sämtliche in Bezug auf die Ableistung von Überstunden bezogenen Bestimmungen der bereits geschlossenen Tarifverträge zum 1. Januar 2010 aufhebt, um damit neue Verhandlungen auf Unternehmensebene oder, in Ermangelung eines Firmentarifvertrags, auf Verbandsebene zu bewirken; dass diese Aufhebung hunderte von Manteltarifverträgen und besonderen Tarifverträgen betrifft, die für Millionen von Arbeitnehmern gelten; dass sie Klauseln über das Überstundenkontingent betrifft, deren Inhalt nicht im Widerspruch zur neuen Gesetzeslage steht; dass sie zum einen Manteltarifverträge und besondere Tarifverträge auf Verbandsebene, die gemäß Punkt 9o von Artikel 43 des oben genannten Gesetzes vom 4. Mai 2004 bereits Verhandlungen über Firmentarifverträge erlauben, und zum anderen die auf der Grundlage dieser Ausnahmeregelung geschlossenen Firmentarifverträge betrifft; dass die Sozialpartner im Unternehmen oder dem Verband sofort nach der Bekanntmachung des Gesetzes und nach Kündigung der vorher geschlossenen Verträge gemäß den Bestimmungen des neuen Gesetzes über neue Vereinbarungen verhandeln und diese abschließen können, ohne dafür bis zum 1. Januar 2010 warten zu müssen; dass schließlich die Aufhebung der die Überstunden betreffenden Bestimmungen der bereits bestehenden Tarifverträge die Ausgewogenheit dieser Verträge beeinträchtigen und ihnen andere als die von den Vertragsparteien ursprünglich gewollten Rechtswirkungen verleihen würde;

  4. In Erwägung dessen, dass daher und in Anbetracht des auf diese Weise in laufende Verträge erfolgenden Eingriffs der erste Satz des Punktes IV von Artikel 18, welcher die bereits bestehenden Vertragsklauseln bezüglich der Ableistung von Überstunden aufhebt, die eben genannten verfassungsrechtlichen Anforderungen verletzt und infolgedessen für verfassungswidrig erklärt werden muss; dass im übrigen, da der Gesetzgeber mit dem Artikel 18 den Zweck verfolgt hat, die Verknüpfung zwischen den einzelnen Tarifverträgen zu verändern, um bezüglich der Überstunden Verhandlungen auf der Ebene der einzelnen Unternehmen zu fördern, daraus folgt, dass ohne den Wortlaut des ersten Satzes dieses Punktes IV die Bestimmungen des Punktes I sofort Anwendung finden und Verhandlungen über besondere Firmentarifverträge ermöglichen, wobei gleichgültig ist, ob gegebenenfalls bereits entgegenstehende Klauseln in Verbandstarifverträgen bestehen;

  5. In Erwägung dessen, dass für den Verfassungsrat kein Anlass besteht, von Amts wegen weiteren Fragen, welche die Verfassungsmäßigkeit des vorgelegten Gesetzes betreffen, nachzugehen,

ENTSCHEIDET:

Artikel 1 - Es werden folgende Bestimmungen des Artikels 18 des Gesetzes zur Erneuerung der sozialen Demokratie und zur Reform der Arbeitszeit für verfassungswidrig erklärt:

  • im Punkt I die Worte „die Dauer“, welche in den Absätzen 2 und 4 von Artikel L. 3121-11 des Arbeitsgesetzbuchs erwähnt werden;
  • der erste Satz des Punktes IV, sowie im zweiten Satz des Punktes IV der Wortlaut „Als Übergangsregelung und während dieser Übergangszeit“

Artikel 2 - Der Artikel 3 und der übrige Wortlaut des Artikels 18 desselben Gesetzes sind nicht verfassungswidrig.

Artikel 3 - Diese Entscheidung wird im Amtsblatt der Französischen Republik veröffentlicht.

Beschlossen durch den Verfassungsrat in seiner Sitzung vom 7. August 2008, an der teilgenommen haben die Damen und Herren Jean-Louis DEBRÉ, Präsident, Guy CANIVET, Renaud DENOIX de SAINT MARC, Olivier DUTHEILLET de LAMOTHE, Valéry GISCARD d'ESTAING, Jacqueline de GUILLENCHMIDT, Pierre JOXE, Jean-Louis PEZANT, Dominique SCHNAPPER und Pierre STEINMETZ.

À voir aussi sur le site : Communiqué de presse, Commentaire, Dossier documentaire, Législation consolidée, Projet de loi adopté le 23 juillet 2008 (T.A. n° 143), Dossier complet sur le site de l'Assemblée nationale, Dossier complet sur le site du Sénat, Saisine par 60 sénateurs, Saisine par 60 députés, Observations du gouvernement, Références doctrinales.