Entscheidung

Entscheidung Nr. 2008-564 DC vom 19. Juni 2008

Gesetz über gentechnisch veränderte Organismen

Der Verfassungsrat ist am 26. Mai 2008 gemäß Artikel 61 Absatz 2 der Verfassung bezüglich des Gesetzes über gentechnisch veränderte Organismen angerufen worden von den Damen und Herren Senatoren Jean-Pierre BEL, Jacqueline ALQUIER, Michèle ANDRÉ, Bernard ANGELS, Bertrand AUBAN, Jean BESSON, Marie-Christine BLANDIN, Yannick BODIN, Didier BOULAUD, Yolande BOYER, Nicole BRICQ, Claire-Lise CAMPION, Jean-Louis CARRÈRE, Monique CERISIER-ben GUIGA, Pierre-Yves COLLOMBAT, Roland COURTEAU, Jean-Pierre DEMERLIAT, Christiane DEMONTÈS, Jean DESESSARD, Claude DOMEIZEL, Michel DREYFUS-SCHMIDT, Bernard DUSSAUT, Jean-Claude FRÉCON, Bernard FRIMAT, Charles GAUTIER, Jean-Pierre GODEFROY, Claude HAUT, Odette HERVIAUX, Annie JARRAUD-VERGNOLLE, Charles JOSSELIN, Bariza KHIARI, Yves KRATTINGER, Serge LAGAUCHE, Serge LARCHER, Raymonde LE TEXIER, André LEJEUNE, Roger MADEC, Philippe MADRELLE, Jacques MAHÉAS, François MARC, Jean-Pierre MASSERET, Marc MASSION, Pierre MAUROY, Jean-Luc MÉLENCHON, Louis MERMAZ, Jean-Pierre MICHEL, Gérard MIQUEL, Michel MOREIGNE, Jacques MULLER, Jean-Marc PASTOR, Jean-Claude PEYRONNET, Jean-François PICHERAL, Marcel RAINAUD, Daniel RAOUL, Paul RAOULT, Daniel REINER, Thierry REPENTIN, Roland RIES, André ROUVIÈRE, Patricia SCHILLINGER, Michel SERGENT, Jacques SIFFRE, René-Pierre SIGNÉ, Jean-Pierre SUEUR, Catherine TASCA, Jean-Marc TODESCHINI, André VANTOMME, Dominique VOYNET und Richard YUNG,

sowie am 27. Mai 2008 von den Damen und Herren Abgeordneten Jean-Marc AYRAULT, Sylvie ANDRIEUX, Jean-Paul BACQUET, Dominique BAERT, Jean-Pierre BALLIGAND, Gérard BAPT, Claude BARTOLONE, Jacques BASCOU, Christian BATAILLE, Delphine BATHO, Jean-Louis BIANCO, Gisèle BIÉMOURET, Serge BLISKO, Patrick BLOCHE, Daniel BOISSERIE, Jean-Michel BOUCHERON, Marie-Odile BOUILLÉ, Christophe BOUILLON, Monique BOULESTIN, Pierre BOURGUIGNON, Danielle BOUSQUET, François BROTTES, Alain CACHEUX, Jérôme CAHUZAC, Jean-Christophe CAMBADÉLIS, Thierry CARCENAC, Christophe CARESCHE, Martine CARRILLON-COUVREUR, Laurent CATHALA, Bernard CAZENEUVE, Jean-Paul CHANTEGUET, Alain CLAEYS, Jean-Michel CLÉMENT, Marie-Françoise CLERGEAU, Gilles COCQUEMPOT, Pierre COHEN, Catherine COUTELLE, Pascale CROZON, Frédéric CUVILLIER, Claude DARCIAUX, Pascal DEGUILHEM, Michèle DELAUNAY, Guy DELCOURT, Michel DELEBARRE, Bernard DEROSIER, Michel DESTOT, Marc DOLEZ, Julien DRAY, Tony DREYFUS, Jean-Pierre DUFAU, William DUMAS, Laurence DUMONT, Jean-Paul DUPRÉ, Yves DURAND, Odette DURIEZ, Philippe DURON, Olivier DUSSOPT, Christian ECKERT, Henri EMMANUELLI, Corinne ERHEL, Laurent FABIUS, Albert FACON, Hervé FÉRON, Aurélie FILIPPETTI, Pierre FORGUES, Valérie FOURNEYRON, Michel FRANÇAIX, Jean-Claude FRUTEAU, Jean-Louis GAGNAIRE, Geneviève GAILLARD, Guillaume GAROT, Jean GAUBERT, Catherine GÉNISSON, Jean-Patrick GILLE, Jean GLAVANY, Daniel GOLDBERG, Gaëtan GORCE, Pascale GOT, Marc GOUA, Jean GRELLIER, Elisabeth GUIGOU, David HABIB, Danièle HOFFMAN-RISPAL, François HOLLANDE, Monique IBORRA, Michel ISSINDOU, Serge JANQUIN, Régis JUANICO, Armand JUNG, Marietta KARAMANLI, Conchita LACUEY, Jérôme LAMBERT, François LAMY, Jean LAUNAY, Jean-Yves LE BOUILLONNEC, Gilbert LE BRIS, Jean-Yves LE DÉAUT, Jean-Marie LE GUEN, Bruno LE ROUX, Marylise LEBRANCHU, Michel LEFAIT, Catherine LEMORTON, Annick LEPETIT, Jean-Claude LEROY, Michel LIEBGOTT, Martine LIGNIÈRES-CASSOU, François LONCLE, Jean MALLOT, Louis-Joseph MANSCOUR, Marie-Lou MARCEL, Jean-René MARSAC, Philippe MARTIN, Martine MARTINEL, Frédérique MASSAT, Gilbert MATHON, Didier MATHUS, Sandrine MAZETIER, Michel MÉNARD, Kléber MESQUIDA, Jean MICHEL, Didier MIGAUD, Arnaud MONTEBOURG, Pierre MOSCOVICI, Pierre-Alain MUET, Philippe NAUCHE, Henri NAYROU, Alain NÉRI, Marie-Renée OGET, Françoise OLIVIER-COUPEAU, George PAU-LANGEVIN, Christian PAUL, Germinal PEIRO, Jean-Luc PÉRAT, Jean-Claude PÉREZ, Marie-Françoise PÉROL-DUMONT, Philippe PLISSON, Jean-Jack QUEYRANNE, Dominique RAIMBOURG, Marie-Line REYNAUD, Alain RODET, Bernard ROMAN, René ROUQUET, Alain ROUSSET, Patrick ROY, Michel SAINTE-MARIE, Michel SAPIN, Odile SAUGUES, Christophe SIRUGUE, François PUPPONI, Pascal TERRASSE, Marisol TOURAINE, Jean-Louis TOURAINE, Jean-Jacques URVOAS, Daniel VAILLANT, Jacques VALAX, André VALLINI, Manuel VALLS, Michel VAUZELLE, Michel VERGNIER, André VÉZINHET, Alain VIDALIES, Jean-Michel VILLAUMÉ, Philippe VUILQUE, Chantal BERTHELOT, Gérard CHARASSE, René DOSIÈRE, Paul GIACOBBI, Christian HUTIN, Serge LETCHIMY, Albert LIKUVALU, Jeanny MARC, Martine PINVILLE, Simon RENUCCI, Chantal ROBIN-RODRIGO, Marcel ROGEMONT, Christiane TAUBIRA, Marie-Hélène AMIABLE, François ASENSI, Alain BOCQUET, Patrick BRAOUEZEC, Jean-Pierre BRARD, Marie-George BUFFET, Jean-Jacques CANDELIER, André CHASSAIGNE, Jacques DESALLANGRE, Jacques FRAYSSE, André GERIN, Pierre GOSNAT, Maxime GREMETZ, Jean-Paul LECOQ, Roland MUZEAU, Daniel PAUL, Jean-Claude SANDRIER, Michel VAXES, Martine BILLARD, Yves COCHET, Noël MAMÈRE, François de RUGY, Huguette BELLO und Alfred MARIE-JEANNE;

DER VERFASSUNGSRAT,

Unter Bezugnahme auf die Verfassung und insbesondere die Umwelt-Charta von 2004;

Unter Bezugnahme auf die geänderte gesetzesvertretende Verordnung Nr. 58-1067 vom 7. November 1958, Verfassungsergänzungsgesetz über den Verfassungsrat;

Unter Bezugnahme auf die geänderte Richtlinie 90/219/EWG des Rates vom 23. April 1990 über die Anwendung genetisch veränderter Mikroorganismen in geschlossenen Systemen;

Unter Bezugnahme auf die geänderte Richtlinie 2001/18/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. März 2001 über die absichtliche Freisetzung genetisch veränderter Organismen in die Umwelt und zur Aufhebung der Richtlinie 90/220/EWG des Rates;

Unter Bezugnahme auf die Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2003 über genetisch veränderte Lebens- und Futtermittel;

Unter Bezugnahme auf die Urteile des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften C-429/01 vom 27. November 2003 und C-419/03 vom 15. Juli 2004;

Unter Bezugnahme auf das Zivilgesetzbuch;

Unter Bezugnahme auf das Umweltgesetzbuch;

Unter Bezugnahme auf das Strafgesetzbuch;

Unter Bezugnahme auf das Gesetzbuch über das Land- und Forstwirtschaftswesen;

Unter Bezugnahme auf die Stellungnahme der Regierung, eingetragen am 2. Juni 2008;

Unter Bezugnahme auf die Entgegnung der antragstellenden Abgeordneten, eingetragen am 9. Juni 2008;

Nachdem der Berichterstatter gehört worden ist;

  1. In Erwägung dessen, dass die antragstellenden Abgeordneten und Senatoren dem Verfassungsrat das Gesetz über gentechnisch veränderte Organismen zur Prüfung vorlegen; dass sie Unrechtmäßigkeiten während des Gesetzgebungsverfahrens rügen und die Verfassungsmäßigkeit der Artikel 2, 3, 6, 7, 8, 10, 11 und 14 des Gesetzes in Frage stellen;
  • ÜBER DAS GESETZGEBUNGSVERFAHREN :
  1. In Erwägung dessen, dass das zur Prüfung vorgelegte Gesetz nach der ersten Lesung in beiden Kammern des Parlaments gebilligt und nach der zweiten Lesung vom Senat angenommen worden ist; dass zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens die Nationalversammlung eine Frage zur Tagesordnung verabschiedet hat; dass der Premierminister aus diesem Grund einen paritätischen Vermittlungsausschusses einberufen hat, welcher eine Regelung für die noch strittigen Vorschriften vorgeschlagen hat; dass diese Fassung, die inhaltlich dieselbe war wie diejenige, welche die Senatoren vorher schon gebilligt hatten, anschließend von beiden Kammern verabschiedet worden ist;

  2. In Erwägung dessen, dass die antragstellenden Senatoren behaupten, die Annahme der Frage zur Tagesordnung habe zur Ablehnung des Gesetzestextes geführt und es sei nicht möglich, ihn vor Ablauf einer Frist von einem Jahr erneut zur Beratung vorzulegen; dass sie geltend machen, die Fortführung des parlamentarischen Gesetzgebungsverfahrens habe gegen Artikel 84 Absatz 3 der Geschäftsordnung der Nationalversammlung und damit auch gegen Artikel 91 Absatz 4 derselben verstoßen; dass die Verbindung dieser beiden Vorschriften einen Fortsatz des Artikels 34 Absatz 1 der Verfassung darstelle; dass die antragstellenden Senatoren eine Verletzung des Artikels 45 der Verfassung rügen, da der paritätische Vermittlungsausschuss einberufen worden ist, obwohl ihrer Ansicht nach die Voraussetzungen dafür nicht vorgelegen hätten; dass sie schließlich die Auffassung vertreten, das verfolgte Gesetzgebungsverfahren habe das in Artikel 44 der Verfassung verankerte Recht der Abgeordneten, Abänderungsvorschläge zu unterbreiten beeinträchtigt;

  3. In Erwägung dessen, dass die antragstellenden Abgeordneten ihrerseits vorbringen, der Bericht des Ausschusses für Wirtschaft, Umwelt und Raumordnung über diesen Gesetzentwurf hätte im Anhang eine Analyse der Folgen einer von der Nationalversammlung am 7. November 2000 verabschiedeten Entschließung bezüglich der oben genannten Richtlinie 2001/18/EG enthalten müssen; dass sie aus diesem Grund einen Verstoß gegen Artikel 151-4 der Geschäftsordnung der Nationalversammlung, der ein Fortsatz von Artikel 88-4 der Verfassung sei, rügen; dass sie die Eile rügen, mit welcher der paritätische Vermittlungsausschuss nach der Verabschiedung der Frage zur Tagesordnung einberufen worden ist, und eine Missachtung des Artikels 42 Absatz 1 der Geschäftsordnung der Nationalversammlung behaupten, welcher sich auf die Pflicht der Ausschussmitglieder bezieht, bei den Sitzungen der Ausschüsse anwesend zu sein; dass sie den Ablauf des Vermittlungsverfahrens im Rahmen des paritätischen Vermittlungsausschusses mit der Begründung in Frage stellen, dass, sofern die Annahme der Frage zur Tagesordnung dazu geführt habe, das gesamte Gesetz erneut der Diskussion zu unterwerfen, ohne vorherige Prüfung ihrer eingebrachten Abänderungsvorschläge eine Abstimmung erst über den Text aller vorher im gleichen Wortlaut von beiden Kammern angenommenen Artikel und anschließend über den Artikel 1 des in zweiter Lesung vom Senat abgeänderten Gesetzentwurfs nicht hätte stattfinden dürfen; dass sie die Auffassung vertreten, dieses im Rahmen eines nach Verabschiedung einer Frage zur Tagesordnung einberufenen paritätischen Vermittlungsausschusses angewendete Verfahren habe das Recht der Abgeordneten, Änderungsvorschläge zu unterbreiten, verletzt;

  • Bezüglich der geltend gemachten Artikel der Geschäftsordnung der Nationalversammlung:
  1. In Erwägung dessen, dass die behauptete Missachtung der Artikel 42, 84 und 151-4 der Geschäftsordnung der Nationalversammlung nicht schon für sich genommen zur Verfassungswidrigkeit des Gesetzgebungsverfahrens führen kann; dass des weiteren die Berufung der Senatoren auf Artikel 84 Absatz 3, welcher nur gegenüber Gesetzesvorschlägen anwendbar ist, im vorliegenden Fall nicht durchgreift;
  • Bezüglich der Fortführung der Diskussion über den Gesetzentwurf und der Einberufung eines paritätischen Vermittlungsausschusses:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 45 der Verfassung lautet: „Jeder Gesetzentwurf oder Gesetzesvorschlag wird nacheinander in beiden Kammern des Parlaments mit dem Ziel beraten, zur Annahme einer übereinstimmenden Fassung zu gelangen.
    Kann ein Gesetzentwurf oder Gesetzesvorschlag wegen Uneinigkeit zwischen den beiden Kammern nach zwei Lesungen in jeder Kammer oder, im Falle einer Dringlichkeitserklärung der Regierung, nach nur einer Lesung in jeder Kammer nicht angenommen werden, so kann der Premierminister einen paritätisch besetzten Ausschuss einberufen, der eine Fassung der noch strittigen Bestimmungen vorzuschlagen hat.
    Die von dem paritätisch besetzten Ausschuss ausgearbeitete Fassung kann den beiden Kammern von der Regierung zur Annahme vorgelegt werden. Änderungsanträge sind nur mit Zustimmung der Regierung zulässig.
    Gelangt der paritätisch besetzte Ausschuss nicht zur Annahme einer gemeinsamen Fassung oder wird diese Fassung nicht gemäß den im vorangehenden Absatz genannten Bedingungen angenommen, so kann die Regierung nach einer erneuten Lesung in der Nationalversammlung und im Senat die Nationalversammlung um eine endgültige Beschlussfassung ersuchen. In diesem Falle kann die Nationalversammlung entweder die von dem paritätisch besetzten Ausschuss ausgearbeitete Fassung oder die von ihr zuletzt verabschiedete Fassung wieder aufnehmen, welche gegebenenfalls durch einen oder mehrere vom Senat angenommene Änderungsanträge abgeändert ist“;

  2. In Erwägung dessen, dass aus diesem Artikel 45 hervorgeht, dass, wie dies auch von Artikel 109 der Geschäftsordnung der Nationalversammlung noch einmal betont wird, die Zurückweisung eines vom Parlament beratenen Gesetzentwurfs durch eine seiner Kammern nicht dazu führt, die Verfahren zu unterbrechen, welche zur Verabschiedung eines endgültigen Gesetzestextes vorgesehen sind; dass dies insbesondere der Fall ist wenn die Nationalversammlung eine Frage zur Tagesordnung verabschiedet, welche gemäß Artikel 91 Absatz 4 der Geschäftsordnung der Nationalversammlung zum Gegenstand hat, „darüber zu befinden, dass es keinen Anlass zur Beratung gibt“ und deren Annahme „zur Zurückweisung des Textes, der Gegenstand der Frage war, führt“; dass daher der Fortführung der Beratungen über das zur Prüfung vorgelegte Gesetz nach der Verabschiedung einer Frage zur Tagesordnung durch die Abgeordneten und der sich daraus ergebenden Zurückweisung des Textes nichts entgegenstand;

  3. In Erwägung dessen, dass darüber hinaus nach der Zurückweisung des zuvor vom Senat verabschiedeten Gesetzestextes durch die Nationalversammlung eine „Uneinigkeit zwischen den beiden Kammern“ bestand und es folglich „noch strittige Bestimmungen“ gab; dass es entgegen der Behauptung der Senatoren, sehr wohl zwei Lesungen in jeder Kammer gegeben hat und zwar auch in der Nationalversammlung, in der die Frage zur Tagesordnung debattiert und angenommen worden ist; dass somit die Voraussetzungen des Artikels 45 der Verfassung für die Einberufung eines paritätischen Vermittlungsausschusses durch den Premierminister erfüllt waren; dass schließlich, da eine Dringlichkeitserklärung vorlag, eine zweite Lesung in der Nationalversammlung keine Vorbedingung für die Einberufung eines paritätischen Vermittlungsausschusses darstellte;

  • Bezüglich der Ausübung des Rechts, Abänderungsvorschläge vorzulegen:
  1. In Erwägung dessen, dass aus Artikel 6 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 in Verbindung mit den Artikeln 34 Absatz 1, 39 Absatz 1, 40, 41, 44, 45, 47 und 47-1 der Verfassung folgt, dass gewährleistet sein soll, dass das Recht der Regierung und der Mitglieder des Parlaments, Änderungsvorschläge zu unterbreiten, während der ersten Lesung eines Gesetzentwurfs oder eines Gesetzesvorschlags vor beiden Kammern des Parlaments voll und ganz ausgeübt werden kann; dass dieses Recht zu diesem Zeitpunkt des Gesetzgebungsverfahrens und bei Wahrung der Erfordernis der Klarheit und der Aufrichtigkeit der parlamentarischen Debatten, nur aufgrund der Zulässigkeitsvoraussetzungen sowie der Erfordernis, dass ein Änderungsvorschlag nicht gänzlich ohne Bezug zum Gegenstand des Gesetzesvorhabens sein darf, das beim Präsidium der Kammer, die sich zuerst mit ihm befassen soll, eingereicht worden ist, eingeschränkt werden darf;

  2. In Erwägung dessen, dass sich auch aus dem Sinn des Artikels 45 der Verfassung, insbesondere dessen Absatz 1, ergibt, dass Hinzufügungen oder Änderungen, welche nach der ersten Lesung von Mitgliedern des Parlaments oder von der Regierung vorgeschlagen werden, einen direkten Bezug zu einer nach strittigen Vorschrift vorweisen müssen, d.h. zu einer Vorschrift, die noch nicht im selben Wortlaut von jeder der beiden Kammern verabschiedet worden ist; dass dieser letztgenannten Bedingung jedoch nicht diejenigen Änderungsvorschläge unterworfen sind, welche dazu dienen, die Wahrung der Verfassung zu gewährleisten, eine Koordinierung mit anderen noch beratenen Gesetzestexten zu bewirken oder einen Schreibfehler zu berichtigen;

  3. In Erwägung dessen, dass im vorliegenden Fall das Recht, Änderungsvorschläge zu unterbreiten im Rahmen der ersten Lesung zu dem zur Prüfung vorgelegten Gesetz in beiden Kammern des Parlaments, sowie im Rahmen der zweiten Lesung im Senat unter den in der vorherigen Erwägung genannten einschränkenden Bedingungen in vollem Umfang ausgeübt werden konnte; dass, wenn im Rahmen der zweiten Lesung in der Nationalversammlung die eingebrachten Abänderungsvorschläge nicht Gegenstand der Debatte sein konnten, dies daran liegt, dass die Abgeordneten eine Frage zur Tagesordnung angenommen hatten, gemäß der „es keinen Anlass zur Beratung“ über den ihnen vorgelegten Text gab;

  4. In Erwägung dessen, dass die Verabschiedung dieser Frage zur Tagesordnung in Anbetracht der Umstände, in denen sie erfolgt ist, dazu geführt hat, alle Bestimmungen des Gesetzentwurfs erneut der Debatte zu unterwerfen; dass jedoch die Aufgabe des paritätischen Vermittlungsausschusses gemäß Artikel 45 Absatz 2 der Verfassung lediglich darin besteht, zu besagten Bestimmungen „eine Fassung vorzuschlagen“; dass der Ausschuss zu diesem Zweck zu Artikel 1 (Artikel 2 in der Fassung durch das zur Prüfung vorgelegte Gesetz) und zu den anderen Artikeln Stellung genommen und dadurch sämtliche Änderungen der vorher vom Senat verabschiedeten Fassung verworfen hat;

  5. In Erwägung dessen, dass die weiteren von den Antragstellern gerügten Einschränkungen sich aus dem Wortlaut des Artikels 45 Absatz 3 selbst ergeben, welcher bestimmt, dass „Änderungsanträge nur mit Zustimmung der Regierung zulässig“ sind, wenn die Regierung die vom paritätischen Vermittlungsausschuss ausgearbeitete Fassung beiden Kammern zur Zustimmung vorlegt;

  6. In Erwägung dessen, dass daher die auf Verletzung des Rechts der Mitglieder des Parlaments, Änderungsvorschläge zu unterbreiten, gestützten Rügen verworfen werden müssen; dass sich aus allen bisherigen Ausführungen ergibt, dass das zur Prüfung vorgelegte Gesetz nicht nach einem verfassungswidrigen Verfahren verabschiedet worden ist;

  • ÜBER DIE ARTIKEL 2, 3 UND 6:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 2 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in das Umweltgesetzbuch einen Artikel L. 531-2-1 einfügt, welcher die allgemeinen Grundsätze bezüglich der Verwendung gentechnisch veränderter Organismen zum Gegenstand hat; dass Artikel 3 die Artikel L. 531-3 bis L. 531-5 desselben Gesetzbuchs in Bezug auf den Hohen Rat für Biotechnologie ändert und einen Artikel L. 531-4-1 hinzufügt; dass Artikel 6 in das Gesetzbuch über das Land- und Forstwirtschaftswesen die Artikel L. 663-2 und L. 663-3 einfügt, welche die technischen Voraussetzungen zur Vermeidung des unfallbedingten Vorkommens gentechnisch veränderter Organismen in anderen Produktionsbereichen betreffen;

  2. In Erwägung dessen, dass nach Ansicht der Antragsteller der Artikel 2 Absatz 2, sowie die Artikel 3 und 6 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes Sinn und Umfang des Vorsorgeprinzips verfälschen; dass darüber hinaus der zweite Absatz dieses Artikels 2 das verfassungsrechtliche Ziel der Verständlichkeit und Zugänglichkeit des Gesetzes missachte und außerdem der Gesetzgeber bezüglich dieser Vorschrift den Umfang seiner Zuständigkeit verkannt habe; dass schließlich der fünfte Absatz dieses Artikels gegen das verfassungsrechtliche Gebot, Richtlinien umzusetzen, verstoße;

  • Bezüglich der auf Missachtung des Vorsorgeprinzips gestützten Rüge:
  1. In Erwägung dessen, dass die Bestimmungen der Artikel 2 und 6 des Gesetzes sich nach Auffassung der Antragsteller bloß darauf beschränken, dem Risiko der Verbreitung gentechnisch veränderter Organismen in angrenzende Anbaugebiete vorzubeugen und den wirtschaftlichen Schaden zu ersetzen, ohne die Einhaltung technischer Voraussetzungen zu fordern, welche geeignet sind, den Schutz der Umwelt in besonderer Weise zu gewährleisten; dass darüber hinaus die ungenaue Bezeichnung der Befugnisse des Hohen Rates für Biotechnologie durch Artikel 3 des Gesetzes Ausdruck des Unterlassens des Gesetzgebers bei der Bestimmung der verfahrensmäßigen Anforderungen, die sich aus dem Vorsorgeprinzip ergeben, sei; dass das Gesetz somit in Anbetracht des „schweren und irreversiblen […] Risikos“, welches die Zucht gentechnisch veränderter Organismen für die Umwelt darstelle, keine Abhilfe gegen einen möglichen Umweltschaden schaffe und aus diesem Grund das in Artikel 5 der Umwelt-Charta verankerte Vorsorgeprinzip missachte;

  2. In Erwägung dessen, dass Artikel 5 der Umwelt-Charta lautet: „Wenn die Verwirklichung eines Schadens, auch wenn er nach dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse ungewiss ist, die Umwelt auf schwere und nicht rückgängig zu machende Art beeinträchtigen könnte, wachen die staatlichen Behörden gemäß dem Vorsorgeprinzip und im Rahmen ihrer Zuständigkeiten über die Anwendung von Verfahren zur Einschätzung der Risiken und die Annahme einstweiliger und verhältnismäßiger Maßnahmen, um der Verwirklichung des Schadens entgegenzutreten“; dass dieser Vorschrift, ebenso wie allen in der Umwelt-Charta niedergelegten Rechten und Pflichten, Verfassungsrang zukommt; dass diese Vorschriften für die Organe des Staates und die Verwaltungsbehörden im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten verbindlich sind; dass daher der Verfassungsrat, wenn er gemäß Artikel 61 der Verfassung angerufen wird, zuständig ist zu prüfen, ob der Gesetzgeber das Vorsorgeprinzip nicht verletzt hat und ob er geeignete Maßnahmen ergriffen hat, um die Einhaltung dieser Anforderung durch die übrigen staatlichen Stellen zu gewährleisten;

  3. In Erwägung dessen, dass Artikel L. 531-2-1 des Umweltgesetzbuchs, welcher durch Artikel 2 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in dieses Gesetzbuch eingefügt worden ist, lautet: „Gentechnisch veränderte Organismen dürfen nur dann angebaut, vermarktet und verwendet werden, wenn sie die Umwelt und die öffentliche Gesundheit, die landwirtschaftlichen Gliederungen, die lokalen Ökosysteme und die Produktions- und Vermarktungszweige, die Produkte mit der Bezeichnung „ohne gentechnisch veränderte Organismen“ vertreiben, achten und den Grundsätzen der Transparenz folgen. Die Definition des Begriffes „ohne gentechnisch veränderte Organismen“ versteht sich zwangsläufig gemäß der gemeinschaftsrechtlichen Definition. Solange eine europäische Definition noch nicht vorliegt, wird der entsprechende Schwellenwert für jede Art gentechnisch veränderter Organismen nach Stellungnahme des Hohen Rates für Biotechnologie auf dem Verordnungswege festgelegt“;

  4. In Erwägung dessen, dass Artikel L. 663-2 des Gesetzbuchs über das Land- und Forstwirtschaftswesen, in der Fassung durch Artikel 6 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes folgenden Wortlaut hat: „Der Anbau, die Ernte, die Lagerung und die Beförderung der gemäß Artikel L. 533-5 des Umweltgesetzbuchs oder der gemeinschaftsrechtlichen Vorschriften zugelassenen Pflanzen unterliegen der Einhaltung der technischen Bedingungen, insbesondere derjenigen, die den Abstand zwischen Anbaugebieten oder die Abschottung von Anbaugebieten betreffen und die die Vermeidung des unfallbedingten Vorkommens gentechnisch veränderter Organismen in anderen Produktionen anstreben […] - Die technischen Bedingungen bezüglich der einzuhaltenden Abstände werden in Anbetracht der Eigenschaften des angebauten Typs festgelegt. Diese technischen Bedingungen definieren den Umkreis, in welchem der Anbau gentechnisch veränderter Organismen nicht stattfinden soll. Sie dienen dazu dafür zu sorgen, dass das unfallbedingte Vorkommen gentechnisch veränderter Organismen in anderen Produktionen unterhalb des vom Gemeinschaftsrecht vorgegebenen Schwellenwertes liegt“;

  5. In Erwägung dessen, dass einerseits diese Bestimmungen die Grundsätze festlegen, welche die technischen Bedingungen für die Einführung in die Umwelt von gentechnisch veränderten Pflanzen, nachdem diese gesetzlich erlaubt worden sind, eingrenzen; dass sich aus den Artikeln L. 533-2, L. 533-3 und L. 533-5 des Umweltgesetzbuchs in der Fassung durch das zur Prüfung vorgelegte Gesetz ergibt, dass „jegliche absichtliche Einführung eines gentechnisch veränderten Organismus, für den keine besonderen begrenzenden Maßnahmen zur Vermeidung seiner Berührung mit Menschen und mit der Umwelt“ einer vorherigen Erlaubnis bedarf; dass diese Erlaubnis vor der absichtlichen Freisetzung dieser Organismen, die nicht dem Inverkehrbringen dient, bzw. vor dem Inverkehrbringen gentechnisch veränderter Produkte von der zuständigen Behörde erteilt wird; dass diese Erlaubnis nach einer Stellungnahme des Hohen Rates für Biotechnologie erteilt wird, „welcher die Risiken prüft, die die Freisetzung [dieser Organismen] für die Umwelt darstellt“; dass des weiteren Artikel L. 532-2 für jede Verwendung gentechnisch veränderter Organismen, die für die Umwelt Gefahren oder Beeinträchtigungen darstellen können, vorschreibt, dass diese Verwendung in begrenztem Umfang zu geschehen habe; dass der Zweck dieser Vorschriften ist, auf offenen Feldern die Zucht gentechnisch veränderter Organismen zu untersagen, die, beim gegenwärtigen Stand des Wissens und der Technik, die Umwelt auf schwere und irreversible Art und Weise belasten könnten; dass daher die Tatsache, dass die technischen Bedingungen, denen die Zucht erlaubter gentechnisch veränderter Organismen unterworfen sind, das unfallbedingte Vorkommen solcher Organismen in anderen Produktionsbetrieben nicht zu verhindern vermögen, keine Verletzung des Vorsorgeprinzips darstellt;

  6. In Erwägung dessen, dass andererseits Artikel 3 des Gesetzes den Hohen Rat für Biotechnologie einrichtet, dessen Aufgabe darin besteht, die Regierung bei Fragen zu gentechnisch veränderten Organismen oder jeder anderen Biotechnologie zu beraten und Stellungnahmen zur Bewertung der Risiken, die die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen für die Umwelt und die öffentliche Gesundheit darstellen können, abzugeben; dass entgegen der Behauptung der Antragsteller Artikel L. 531-3 des Umweltgesetzbuchs sich nicht darauf beschränkt vorzusehen, dass dieses beratende Gremium sich von Amts wegen bezüglich jeder Frage, die in seinen Zuständigkeitsbereich fällt, selbst anrufen kann, sondern dass er ganz genau die Fälle aufzählt, in denen die Stellungnahme des Hohen Rates für Biotechnologie einzuholen ist, und die Zuständigkeiten dieses Gremiums regelt; dass der zweite Absatz des Artikels L. 531-2-1 des Umweltgesetzbuchs des weiteren folgendes vorsieht: „die Erlaubnis gentechnisch veränderter Organismen darf nur nach einer vorhergehenden unabhängigen und transparenten Einschätzung der Risiken für die Umwelt und für die öffentliche Gesundheit erteilt werden […] Diese Einschätzung erfolgt durch ein gemeinschaftliches Sachverständigengutachten, welches nach den Grundsätzen des Sachverstands, der Mehrzahl, der Transparenz und der Unparteilichkeit erstellt wird“; dass die Vorschriften des Artikels 9 des Gesetzes die Voraussetzungen für eine ununterbrochene Aufsicht über den Zustand der Gesundheit und des Schutzes der Pflanzen, sowie das mögliche Auftreten ungewollter Folgen der landwirtschaftlichen Vorgehensweisen für die Umwelt durch die zuständige Behörde einrichten; dass schließlich aus den Artikeln L. 533-3-1 und L. 533-8 des Umweltgesetzbuchs folgt, dass im Falle einer Entdeckung von Umweltrisiken nach der Erteilung einer Erlaubnis die zuständige Behörde geeignete Maßnahmen bis hin zur Aussetzung der Erlaubnis ergreifen kann; dass in Anbetracht all dieser Bestimmungen der Gesetzgeber geeignete Maßnahmen getroffen hat, um zu gewährleisten, dass die staatlichen Stellen in Bezug auf gentechnisch veränderte Organismen das Vorsorgeprinzip einhalten;

  7. In Erwägung dessen, dass aus den bisherigen Ausführungen folgt, dass die Vorschriften der Artikel 2, 3 und 6 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes nicht gegen Artikel 5 der Umwelt-Charta verstoßen;

  • Bezüglich der Rüge, der Gesetzgeber habe seine eigene Zuständigkeit verkannt, sowie bezüglich der auf die Verletzung des verfassungsrechtlichen Ziels der Verständlichkeit und der Zugänglichkeit des Gesetzes gestützten Rügen:
  1. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller behaupten, der erste Absatz des oben genannten Artikels L. 531-2-1 des Umweltgesetzbuchs sei nicht mit Artikel 34 der Verfassung vereinbar, insofern er der Verordnungsgewalt die Aufgabe übertragen hat, den Begriff „ohne gentechnisch veränderte Organismen“ zu definieren; dass dieser Absatz darüber hinaus das verfassungsrechtliche Ziel der Verständlichkeit und Zugänglichkeit des Gesetzes verfehle;

  2. In Erwägung dessen, dass es einerseits dem Gesetzgeber obliegt, die Zuständigkeiten, die ihm die Verfassung, insbesondere ihr Artikel 34, überträgt, voll auszuüben; dass die vollständige Ausübung dieser Zuständigkeiten, sowie das verfassungsrechtliche Ziel der Verständlichkeit und der Zugänglichkeit des Gesetzes, welches sich aus den Artikeln 4, 5, 6 und 16 der Erklärung von 1789 ableitet, ihn verpflichten, hinreichend genaue Vorschriften zu erlassen und eine eindeutige Wortwahl zu verwenden; dass er in der Tat die Rechtssubjekte gegen eine verfassungswidrige Auslegung des Gesetzes und gegen das Risiko willkürlicher Entscheidungen zu schützen hat, ohne dabei die Aufgabe, Vorschriften zu erlassen, deren Bestimmung von Verfassungs wegen nur dem Gesetz zusteht, auf Verwaltungsbehörden oder Gerichte abzuwälzen;

  3. In Erwägung dessen, dass andererseits das Gesetz gemäß Artikel 34 der Verfassung die Grundsätze für den „Schutz der Umwelt“ regelt;

  4. In Erwägung dessen, dass der Gesetzgeber, als er die vorgenannten Vorschriften erlassen hat, das Nebeneinander gentechnisch veränderter Zucht und hergebrachter oder Bio-Zucht erlauben wollte; dass er zu diesem Zweck entschieden hat, Schwellenwerte für das zufällige oder technisch unvermeidbare Vorkommen von Spuren erlaubter gentechnisch veränderter Organismen einzurichten, unterhalb derer ein Produkt als nicht gentechnisch verändert angesehen wird;

  5. In Erwägung dessen, dass sich aus Lesungen zu diesem Gesetz ergibt, dass der Gesetzgeber, indem er sich auf den Begriff der „gemeinschaftsrechtlichen Definition“ bezogen hat, seinen Willen bekundet hat, dass, beim gegenwärtigen Stand des Rechts, die Verordnungsgewalt den von den Artikeln 12 und 24 der oben genannten Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 und Artikel 21 der Richtlinie 2001/18/EG festgelegten Schwellenwert für die Kennzeichnung von Produkten berücksichtigt, ohne verpflichtet zu sein, diesen auszuwählen, wenn das Vorhandensein erlaubter gentechnisch veränderter Organismen zufällig oder technisch nicht zu vermeiden ist; dass der Gesetzgeber auf diese Art eine Grenze für den erlaubten Schwellenwert für das zufällige oder technisch nicht zu vermeidende Vorkommen von Spuren erlaubter gentechnisch veränderter Organismen festgelegt hat; dass er gefordert hat, dass die Schwellenwerte für jede einzelne Art nach Stellungnahme des Hohen Rates für Biotechnologie festgesetzt werden; dass er bestimmt hat, dass diese Festsetzung „die Freiheit, Produkte mit oder ohne gentechnisch veränderte Organismen herzustellen und zu verbrauchen, ohne dass dies der Unversehrtheit der Umwelt und der Besonderheit der hergebrachten und qualitativ hochwertigen Zuchten schadet“ zu achten hat;

  6. In Erwägung dessen, dass der Gesetzgeber, indem er auf diese Art die Verweisung an eine Rechtsverordnung nach Stellungnahme des Staatsrates zur Festlegung der oben erwähnten Schwellenwerte eingegrenzt und indem er sich auf das Gemeinschaftsrecht bezogen hat, weder den Rahmen seiner Zuständigkeit verkannt, noch das verfassungsrechtliche Ziel der Verständlichkeit und Zugänglichkeit des Gesetzes verletzt hat;

  • Bezüglich der auf Missachtung des verfassungsrechtlichen Gebots der Umsetzung von Richtlinien gestützten Rüge:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel L. 531-2-1 Absatz 4 des Umweltgesetzbuchs in der Fassung durch das zur Prüfung vorgelegte Gesetz lautet: „Die Ergebnisse aller Untersuchungen und Tests, die in diesen Forschungslaboren durchgeführt werden, werden der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, ohne dass dies den Schutz der in den Artikeln L. 124-4 Absatz I und L. 124-5 Absatz II aufgeführten Rechte, sowie den Schutz des geistigen Eigentums beeinträchtigt, wenn der gentechnisch veränderte Organismus diesbezüglich noch nicht Gegenstand von Schutzrechten ist“;

  2. In Erwägung dessen, dass diese Bestimmungen, entgegen der Behauptung der antragstellenden Abgeordneten, nicht zum Gegenstand haben, die Umsetzung die Richtlinie 2001/18/EG zu gewährleisten; dass daher die Rüge, diese Bestimmungen seien offensichtlich mit dieser Richtlinie unvereinbar, zurückgewiesen werden muss;

  • ÜBER DEN ARTIKEL 7:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 7 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in das Gesetzbuch über das Land- und Forstwirtschaftswesen einen Artikel L. 671-15 einfügt, dessen Nr. 3 die Zerstörung oder Beschädigung einer gemäß der Artikel L. 533-5 und L. 533-6 des Umweltgesetzbuchs erlaubten Zucht mit zwei Jahren Freiheitsstrafe und 75.000 € Geldstrafe ahndet; dass Absatz 5 dieses Artikels L. 671-15 das Höchstmaß der Strafe auf drei Jahre Freiheitsstrafe und 150.000 € Geldstrafe erhöht, wenn der zerstörte Anbau auf der Grundlage von Artikel L. 533-3 des Umweltgesetzbuchs erlaubt worden war;

  2. In Erwägung dessen, dass nach Ansicht der Antragsteller die für dieses Vergehen vorgesehenen Strafen einerseits in Bezug auf die begangenen strafbaren Handlungen offensichtlich unverhältnismäßig sind, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass keine subjektiven Tatbestandsmerkmale erforderlich sind und somit die Anwendung dieses Straftatbestands auch auf unfallbedingte Zerstörungen möglich ist; dass diese Strafen andererseits eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung in Bezug auf den Straftatbestand der Sachzerstörung, welche vom Strafgesetzbuch vorgesehen ist, darstellen würden; dass sie demnach sowohl den Grundsatz der Notwendigkeit der Strafe, als auch das Gebot der Gleichheit aller vor dem Strafgesetz verletzten;

  3. In Erwägung dessen, dass Artikel 8 der Erklärung von 1789 lautet: „Das Gesetz soll nur solche Strafen festsetzen, die offensichtlich unbedingt notwendig sind“; dass Artikel 34 der Verfassung bestimmt: „Durch Gesetz werden geregelt: […] die Festlegung der Verbrechen und Vergehen, sowie die darauf stehenden Strafen“; dass Artikel 61 der Verfassung dem Verfassungsrat keinen allgemeinen Wertungs- und Gestaltungsspielraum wie den des Parlaments eröffnet, sondern ihm lediglich die Zuständigkeit überträgt, über die Verfassungsmäßigkeit der Gesetze, welche ihm zur Prüfung vorgelegt werden, zu befinden; dass es demzufolge, wenngleich die Frage der Notwendigkeit der Strafen für bestimmte Straftaten in den Entscheidungsspielraum des Gesetzgebers fällt, dem Verfassungsrat obliegt, zu gewährleisten, dass die angedrohte Strafe nicht offensichtlich unverhältnismäßig im Vergleich zu der begangenen Straftat ist;

  4. In Erwägung dessen, dass erstens in Ermangelung näherer Bestimmungen über die subjektiven Tatbestandsmerkmale der in Artikel 121-3 des Strafgesetzbuchs verankerte Grundsatz von Rechts wegen anwendbar ist, gemäß dem es keine Straftat ohne den Vorsatz, diese zu begehen, gibt; dass daher auf der Grundlage des in Artikel L. 671-15 Nr. 3 des Gesetzbuchs über das Land- und Forstwirtschaftswesen vorgesehenen Straftatbestands nur derjenige verurteilt werden kann, der vorsätzlich sowie in dem Wissen, dass in den betroffenen Flurstücken gentechnisch veränderte Organismen gezüchtet wurden, gehandelt hat;

  5. In Erwägung dessen, dass sich zweitens aus den Lesungen zu diesem Gesetz ergibt, dass der Gesetzgeber durch die Schaffung eines besonderen Straftatbestands eine Antwort auf die wiederholte Zerstörung von Anbauflächen erlaubter gentechnisch veränderter Organismen hat geben und auf diese Art durch eine abschreckende Strafe den Schutz dieser Anbauflächen, insbesondere derjenigen zu Forschungszwecken, gewährleisten wollen; dass des weiteren die Schaffung eines nationalen Verzeichnisses, in welchem die Informationen über die Art und den Ort der Flächen, auf denen gentechnisch veränderte Organismen gezüchtet werden, öffentlich zugänglich gemacht werden, die Gefahr einer vorsätzlichen Zerstörung dieser Anbauflächen erhöht; dass unter diesen Voraussetzungen die von Artikel L. 671-15 des Gesetzbuchs über das Land- und Forstwirtschaftswesen vorgesehenen Freiheitsstrafen, welche darüber hinaus nicht höher sind als die Strafen, die die Artikel 322-2 und 322-3 des Strafgesetzbuchs für den Straftatbestand der schweren Sachbeschädigung oder -zerstörung vorsehen, und die Geldstrafen, welche besagter Artikel vorsieht und die letztlich vergleichbar sind mit denjenigen, die die Artikel L. 536-3 bis L. 536-7 des Umweltgesetzbuchs für strafbare Handlungen, die die vorsätzliche Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen betreffen, vorsieht, weder den Grundsatz der Notwendigkeit der Strafe, noch das Gebot der Gleichheit aller vor dem Strafgesetz verletzen;

  • ÜBER DEN ARTIKEL8:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 8 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in das Gesetzbuch über das Land- und Forstwirtschaftswesen die Artikel L. 663-4 und L. 663-5 einfügt, welche eine Haftung von Rechts wegen jedes Landwirts, der einen gentechnisch veränderten Organismus züchtet, dessen Vermarktung erlaubt ist, für den wirtschaftlichen Schaden, der aus dem unfallbedingten Vorkommen dieses gentechnisch veränderten Organismus in der Produktion eines anderen Landwirts entsteht, einrichten; dass gemäß Artikel L. 663-4 Absätze 2 bis 4 des Gesetzbuchs über das Land- und Forstwirtschaftswesen diese Haftung eintritt, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
    „1o Das Erzeugnis der Ernte, in der das Vorkommen des gentechnisch veränderten Organismus festgestellt worden ist, stammt von einem Flurstück oder einem Bienenstock, welcher sich in unmittelbarer Nähe zum Flurstück befindet, auf dem dieser gentechnisch veränderte Organismus gezüchtet wird, und ist während desselben Anbauzeitraums geerntet worden;
    „2o Dieses Erzeugnis sollte ursprünglich entweder als nicht der in 3o aufgeführten Verpflichtung zur Kennzeichnung unterliegendes Erzeugnis verkauft oder zur Herstellung eines solchen Erzeugnisses verwendet werden;
    „3o Seine Kennzeichnung ist aufgrund der gemeinschaftsrechtlichen Vorschriften über die Kennzeichnung von Produkten, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten, vorgeschrieben“;

  2. In Erwägung dessen, dass, nach Auffassung der Antragsteller, diese Entschädigungsregelung für Landwirte, die keine gentechnisch veränderten Organismen züchten, „im Falle der Verseuchung ihrer Produktion“, „offensichtlich zu strengen“ Voraussetzungen unterliegt, „nur auf der Wertminderung des verseuchten Produkts aufgrund des Preisunterschieds“ beruht, die Gewerbefreiheit dieser Landwirte verletzt und nicht geeignet ist, sie für den Eingriff in ihr Eigentumsrecht zu entschädigen;

  3. In Erwägung dessen, dass Artikel L. 663-5 des Gesetzbuchs über das Land- und Forstwirtschaftswesen in der Fassung durch das zur Prüfung vorgelegte Gesetz vorsieht, dass die Vorschriften des Artikels L. 663-4 desselben Gesetzbuchs der Begründung „der Haftung der Landwirte, die gentechnisch veränderte Organismen anbauen, der Zwischenhändler und der Inhaber einer Erlaubnis für das Inverkehrbringen und einer Bescheinigung pflanzlichen Ursprungs“ auf jeder weiteren Grundlage als dem Schaden, der sich aus der Wertminderung des Ernteertrags ergibt, nicht entgegenstehen; dass diese Bestimmungen, welche die Entschädigung für einen wirtschaftlichen Schaden erleichtern, nicht das Recht der von einem Schaden betroffenen Landwirte einschränkt, für diesen eine Entschädigung auf der Grundlage einer anderen rechtlichen Vorschrift, unabhängig von den in erwähntem Artikel L. 663-4 aufgeführten Voraussetzungen, oder für andere Schadensgegenstände zu fordern; dass diese Bestimmungen daher keinerlei Einschränkung des Grundsatzes der Haftung, welcher aus Artikel 4 der Erklärung von 1789 folgt, begründen und weder zum Gegenstand noch zur Folge haben, die Gewerbefreiheit oder das Eigentumsrecht zu verletzen;

  • ÜBER DEN ARTIKEL 10:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 10 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in das Gesetzbuch über das Land- und Forstwirtschaftswesen einen Artikel L. 663-1 einfügt, dessen letzter Absatz bestimmt: „Die zuständige Behörde richtet ein nationales Verzeichnis ein, welches die Art und die Lage der Flurstücke, auf denen gentechnisch veränderte Organsimen gezüchtet werden, aufführt. Die Präfekturen gewährleisten die öffentliche Bekanntmachung dieses Verzeichnisses mit den geeigneten Mitteln, insbesondere dadurch, dass es in das Internet gestellt wird“;

  2. In Erwägung dessen, dass die antragstellenden Senatoren vortragen, der Gesetzgeber habe, indem er ein nationales Verzeichnis geschaffen hat, das keine „Informationen bezüglich der vorher an den betroffenen gentechnisch veränderten Organismen durchgeführten Tests und Untersuchungen“ beinhalte, die Richtlinie 2001/18/EG nicht fehlerfrei umgesetzt und daher Artikel 88-1 der Verfassung verletzt; dass die antragstellenden Abgeordneten mit derselben Begründung behaupten, der Gesetzgeber habe gegen Artikel 7 der Umwelt-Charta verstoßen;

  • Bezüglich der auf Verletzung der Pflicht zur Umsetzung von Richtlinien gestützten Rüge:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 88-1, Absatz 1 der Verfassung lautet : „Die Republik wirkt an den Europäischen Gemeinschaften und der Europäischen Union mit, welche aus Staaten bestehen, die sich in freier Entscheidung und auf der Grundlage ihrer Gründungsverträge dazu entschlossen haben, einige ihrer Befugnisse gemeinsam
    auszuüben“; dass somit die Umsetzung einer Gemeinschaftsrichtlinie in nationales Recht ein verfassungsrechtliches Gebot darstellt;

  2. In Erwägung dessen, dass es daher dem Verfassungsrat zusteht, wenn er gemäß den Voraussetzungen des Artikels 61 der Verfassung über ein Gesetz angerufen wird, welches zum Ziel hat, eine Gemeinschaftsrichtlinie in nationales Recht umzusetzen, auf die Befolgung dieses Gebots zu achten; dass jedoch die von ihm zu diesem Zwecke ausgeübte Kontrolle einer zweifachen Beschränkung unterliegt;

  3. In Erwägung dessen, dass, erstens, die Umsetzung einer Richtlinie nicht gegen eine Bestimmung oder einen Grundsatz, in welchen die verfassungsrechtliche Identität Frankreichs zum Ausdruck kommt, verstoßen darf, es sei denn, der Verfassungsgesetzgeber hätte dem zugestimmt;

  4. In Erwägung dessen, dass, zweitens, der Verfassungsrat, welcher vor Verkündung des Gesetzes und innerhalb der von Artikel 61 der Verfassung gesetzten Frist zu entscheiden hat, den Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften nicht mit einer Vorlage nach Artikel 234 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft anrufen kann; dass er daher eine gesetzliche Bestimmung nur dann als gegen Artikel 88-1 der Verfassung verstoßend erklären könnte, wenn sie offensichtlich mit der Richtlinie, deren Umsetzung das Ziel dieser Bestimmung ist, unvereinbar wäre; dass es in jedem Fall den nationalen Fachgerichten obliegt, gegebenenfalls den Europäischen Gerichtshof durch eine Vorlage anzurufen;

  5. In Erwägung dessen, dass Artikel 31 Absatz 3 der Richtlinie von den Mitgliedstaaten fordert, Register einzurichten, mit dem Ziel, den Ort der zu Zwecken der Forschung oder des Inverkehrbringens durchgeführten Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen zu erfassen und bekannt zu machen; dass er jedoch nicht fordert, dass diese Register Informationen bezüglich der vorher an diesen gentechnisch veränderten Organismen durchgeführten Untersuchungen und Tests enthalten;

  6. In Erwägung dessen, dass daher die gerügte Bestimmung, welche auf nationaler Ebene ein solches Verzeichnis mit dem Ziel einrichtet, es zu veröffentlichen, nicht offensichtlich mit der Richtlinie 2001/18/EG unvereinbar und somit auch nicht wegen eines Verstoßes gegen Artikel 88-1 der Verfassung verfassungswidrig ist;

  • Bezüglich der auf Verletzung des Artikels 7 der Umwelt-Charta gestützten Rüge:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 7 der Umwelt-Charta lautet: „Jedermann hat das Recht, unter den gesetzlich bestimmten Bedingungen und Beschränkungen, Zugang zu den Informationen, über welche die staatlichen Behörden verfügen, zu erhalten und an der Ausarbeitung öffentlicher Beschlüsse mitzuwirken, die einen Einfluss auf die Umwelt haben“;

  2. In Erwägung dessen, dass diese Vorschrift, ebenso wie sämtliche der in der Umwelt-Charta aufgeführten Rechte und Pflichten, Verfassungsrang besitzt; dass aus dem Wortlaut dieser Bestimmung folgt, dass es ausschließlich Aufgabe des Gesetzgebers ist, die „Bedingungen und Beschränkungen“ zu bestimmen unter denen jedermann sein Recht ausüben kann, Zugang zu den Informationen über die Umwelt, über die die staatlichen Behörden verfügen, zu erhalten; dass durch Verordnungsrecht nur die Vorschriften zur Anwendung der vom Gesetzgeber festgelegten Voraussetzungen und Beschränkungen geregelt werden können;

  3. In Erwägung dessen, dass die Stellungnahme des Hohen Rates für Biotechnologie bezüglich jedes Antrags auf Erteilung einer Erlaubnis für die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen gemäß den Artikeln L. 531-3 und L. 531-4 des Umweltgesetzbuchs öffentlich ist; dass das nationale Register mit der Art und dem Ort der Flurstücke, auf denen gentechnisch veränderte Organismen gezüchtet werden, öffentlich zugänglich ist; dass der Gesetzgeber folglich, als er davon abgesehen hat, den Eintrag der Informationen über die vorher an den gentechnisch veränderten Organismen durchgeführten Untersuchungen und Tests in dieses Verzeichnis zu fordern, den Grundsatz des Rechts auf freien Informationszugang, dessen Umsetzung ihm obliegt, nicht verfälscht hat;

  • ÜBER DEN ARTIKEL 11:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 11 Absatz I des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes Artikel L. 532-4 des Umweltgesetzbuchs ändert; dass Artikel 11 Absatz II einen Artikel L. 532-4-1 in dieses Gesetzbuch einfügt; dass Artikel 11 Absatz III Artikel L. 535-3 desselben Gesetzbuchs ändert; dass Artikel 11 Absätze I und II die Unterlagen betreffen, welche der Landwirt anlegt und die der Öffentlichkeit im Rahmen des Zulassungsverfahrens zur beschränkten Verwendung gentechnisch veränderter Organismen zugänglich gemacht werden; dass Artikel 11 Absatz III, welcher auf die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen in der Umwelt zu Zwecken der Forschung oder des Inverkehrbringens anwendbar ist, den Schutz vertraulicher Informationen oder von Rechten des geistigen Eigentums betrifft; dass Artikel L. 532-4-1 Absatz 3 und Artikel L. 535-3 Absatz II Satz 2 in der Fassung durch Artikel 11 Absätze 9 und 13 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in beiden Fällen folgendes bestimmen: „Die Liste mit den Informationen, die auf keinen Fall vertraulich bleiben dürfen, wird durch eine Rechtsverordnung nach Stellungnahme des Staatsrates festgelegt“;

  2. In Erwägung dessen, dass die antragstellenden Senatoren vortragen, Artikel 11, indem er eine Vertraulichkeitsklausel zum Nutzen derjenigen Landwirte, die gentechnisch veränderte Organismen züchten, einrichtet und die Aufgabe, „die Liste mit den Informationen, die auf keinen Fall vertraulich bleiben dürfen“ festzulegen, an eine Rechtsverordnung nach Stellungnahme des Staatsrates verweist, habe „keine fehlerfreie Umsetzung der Richtlinie gewährleistet, da er gegen deren allgemeines Ziel, nämlich die beständige Unterrichtung und Befragung der Öffentlichkeit, verstößt“; dass die antragstellenden Abgeordneten ihrerseits behaupten, der Gesetzgeber habe eine Zuständigkeit, die ihm von Artikel 7 der Umwelt-Charta übertragen worden ist, nicht ausgeübt;

  • Bezüglich der auf Missachtung der Pflicht zur Umsetzung von Richtlinien gestützten Rüge:
  1. In Erwägung dessen, dass, obwohl die Pflicht, gemeinschaftsrechtliche Richtlinien in nationales Recht umzusetzen, sich aus einem verfassungsrechtlichen Gebot ableitet, aus der Verfassung und insbesondere ihrem Artikel 88-4 folgt, dass diese Pflicht nicht zu einem Eingriff in die von der Verfassung vorgesehenen Verteilung der Zuständigkeiten zwischen dem Gesetz und der Rechtsverordnung führt;

  2. In Erwägung dessen, dass der geänderte Artikel L. 535-3 des Umweltgesetzbuchs sich darauf beschränkt, die Bestimmungen des Artikels 25 der Richtlinie 2001/18/EG, mit Ausnahme ihres Absatzes 4, wiederaufzunehmen;

  3. In Erwägung dessen, dass der Verweis auf eine Rechtsverordnung nach Stellungnahme des Staatsrates, den der Gesetzgeber für die Festlegung der Liste derjenigen Informationen, die auf keinen Fall vertraulich bleiben dürfen, vorgenommen hat, als solcher nicht als offensichtlicher Verstoß gegen die Richtlinie 2001/18/EG und damit auch nicht als Verstoß gegen Artikel 88-1 der Verfassung angesehen werden kann;

  • Bezüglich der Rüge, der Gesetzgeber habe seine eigene Zuständigkeit verkannt:
  1. In Erwägung dessen, dass aufgrund von Artikel 7 der Umwelt-Charta jedermann das Recht hat, Zugang zu den Informationen zu erhalten, über welche die staatlichen Behörden verfügen, und dass dieses Recht „unter den gesetzlich bestimmten Bedingungen und Beschränkungen“ ausgeübt wird; dass Artikel 34 der Verfassung bestimmt: „Durch Gesetz werden geregelt: […] die den Staatsbürgern zur Ausübung ihrer Grundrechte gewährten grundlegenden Gewährleistungen“ sowie „die Festlegung der Verbrechen und Vergehen sowie die darauf stehenden Strafen“; dass durch das Gesetz die Grundsätze geregelt werden für „[…] den Schutz der Umwelt“;

  2. In Erwägung dessen, dass der Gesetzgeber, indem er sich darauf beschränkt hat, allgemein auf das Verordnungsrecht zu verweisen, um die Liste der Informationen festzulegen, die auf keinen Fall vertraulich bleiben dürfen, in Anbetracht des Eingriffs, der in die durch die Vertraulichkeit geschützten Informationen erfolgt, die Tragweite seiner Zuständigkeit verkannt hat; dass daher der Verweis auf eine Rechtsverordnung nach Stellungnahme des Staatsrates, den Artikel L. 532-4-1 Absatz 3 und Artikel 535-3 Absatz II Satz 2 in der Fassung durch Artikel 11 Absätze 9 und 13 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes vornehmen, verfassungswidrig ist;

  • Bezüglich der Folgen der Verfassungswidrigkeit der zur Prüfung vorgelegten Bestimmungen:
  1. In Erwägung dessen, dass die Bestimmung derjenigen Informationen, die auf keinen Fall als vertraulich angesehen werden können, in Bezug auf die beschränkte Verwendung gentechnisch veränderter Organismen von Artikel 19 der oben erwähnten Richtlinie 90/219/EWG und in Bezug auf die absichtliche Freisetzung solcher Organismen von Artikel 25 der Richtlinie 2001/18/EG gefordert wird; dass in Folge dessen die Errichtung der Listen, die diese Informationen aufführen, sich aus dem verfassungsrechtlichen Gebot der Umsetzung gemeinschaftsrechtlicher Richtlinien in nationales Recht ergibt; dass die sofortige Erklärung der Verfassungswidrigkeit der gerügten Bestimmungen dazu führen könnte, dieses Gebot zu verkennen und offensichtlich unverhältnismäßige Folgen nach sich zu ziehen; dass daher, um dem Gesetzgeber zu ermöglichen, die festgestellte Verkennung seiner eigenen Zuständigkeit zu berichtigen, Anlass besteht, die Wirkung der Verfassungswidrigkeitserklärung erst mit dem 1. Januar 2009 eintreten zu lassen;
  • ÜBER DEN ARTIKEL 14:
  1. In Erwägung dessen, dass Artikel 14 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes sich auf die absichtliche Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen bezieht; dass insbesondere Nr. 10 dieses Artikels in das Umweltgesetzbuch einen Artikel L. 533-8 einfügt, dessen Absatz I folgenden Wortlaut hat:
    „Wenn die zuständige Behörde nach Erteilung einer Erlaubnis in Anwendung der Artikel L. 533-5 und L. 533-6 genaue Gründe für die Annahme hegt, dass ein erlaubter gentechnisch veränderter Organismus aufgrund neuer oder zusätzlicher Informationen, die nach Erteilung der Erlaubnis bekannt geworden sind und die Bewertung der Gefahr für die Umwelt oder die öffentliche Gesundheit beeinflussen, oder aufgrund der Neubewertung der verfügbaren Informationen auf der Grundlage neuer oder zusätzlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse eine Gefahr für die Umwelt oder die öffentliche Gesundheit darstellt, kann sie:
    „1o nach einer Stellungnahme des Hohen Rates für Biotechnologie die Verwendung oder den Verkauf dieses gentechnisch veränderten Organismus in ihrem Zuständigkeitsbereich vorläufig einschränken oder untersagen;
    „2o im Falle einer erheblichen Gefahr, Sofortmaßnahmen ergreifen, die insbesondere darin bestehen, das Inverkehrbringen vorübergehend auszusetzen oder zu beenden und die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis zu setzen“;

  2. In Erwägung dessen, dass die antragstellenden Senatoren behaupten, diese Vorschriften genügten nicht der in Artikel 23 der Richtlinie 2001/18/EG vorgesehenen Verpflichtung, die Öffentlichkeit zu unterrichten, welcher lautet: „Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass im Falle einer ernsten Gefahr Notfallmaßnahmen, beispielsweise die Aussetzung oder Beendigung des Inverkehrbringens, getroffen werden, einschließlich der Unterrichtung der Öffentlichkeit“;

  3. In Erwägung dessen, dass die oben genannten Vorschriften eine Schutzklausel einrichten, welche es der zuständigen Behörde ermöglicht, eine Erlaubnis zum Inverkehrbringen gentechnisch veränderter Organismen zurückzunehmen, wenn sich neue Gefahren ergeben; dass, sofern keine schwerwiegende Gefahr vorliegt, die Schutzmaßnahmen nach Stellungnahme des Hohen Rates für Biotechnologie getroffen werden, welche dann gemäß Artikel L. 531-3 des Umweltgesetzbuchs veröffentlicht wird; dass sobald im Falle einer schwerwiegenden Gefahr Sofortmaßnahmen getroffen werden, diese der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, wie dies der neue Artikel L. 533-8 des Umweltgesetzbuchs näher bestimmt; dass die gerügten Bestimmungen unter diesen Voraussetzungen nicht offensichtlich die in Artikel 23 der Richtlinie 2001/18/EG vorgesehene Pflicht, die Öffentlichkeit zu unterrichten, verkennen und damit auch nicht gegen Artikel 88-1 der Verfassung verstoßen;

  4. In Erwägung dessen, dass für den Verfassungsrat kein Anlass besteht, von Amts wegen weiteren Fragen, welche die Verfassungsmäßigkeit des vorgelegten Gesetzes betreffen, nachzugehen,

ENTSCHEIDET:

Artikel 1 - Mit Wirkung ab dem 1. Januar 2009 werden der dritte Absatz des Artikels L. 532-4-1 und der zweite Satz des Absatzes II des Artikels L. 535-3 des Umweltgesetzbuchs in der Fassung durch die Absätze 9 und 13 des Artikels 11 des Gesetzes über gentechnisch veränderte Organismen für verfassungswidrig erklärt.

Artikel 2 - Die Artikel 2, 3, 6, 7, 8, 10 und 14, sowie die verbleibenden Bestimmungen des Artikels 11 des Gesetzes über gentechnisch veränderte Organismen sind nicht verfassungswidrig.

Artikel 3 - Diese Entscheidung wird im Amtsblatt der Französischen Republik veröffentlicht.

Beschlossen durch den Verfassungsrat in seiner Sitzung vom 19. Juni 2008, an der teilgenommen haben die Damen und Herren Jean-Louis DEBRÉ, Präsident, Guy CANIVET, Jacques CHIRAC, Renaud DENOIX de SAINT MARC, Olivier DUTHEILLET de LAMOTHE, Valéry GISCARD d'ESTAING, Jacqueline de GUILLENCHMIDT, Pierre JOXE, Jean-Louis PEZANT, Dominique SCHNAPPER und Pierre STEINMETZ.

À voir aussi sur le site : Communiqué de presse, Commentaire, Dossier documentaire, Législation consolidée, Dossier documentaire (annexe), Projet de loi adopté le 22 mai 2008 (T.A. n° 95), Dossier complet et texte adopté sur le site de l'Assemblée nationale, Dossier complet et texte adopté sur le site du Sénat, Saisine par 60 sénateurs, Saisine par 60 députés, Observations du gouvernement, Réplique par 60 députés, Références doctrinales.