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Entscheidung Nr. 2011-625 DC vom 10. März 2011

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ahmen und Programmgesetz zur Stärkung der inneren Sicherheit

Der Verfassungsrat ist am 15. Februar 2011 gemäß Artikel 61 Absatz 2 der Verfassung bezüglich des Rahmengesetzes zur Stärkung der inneren Sicherheit angerufen worden von den Damen und Herren Abgeordneten Jean-Marc AYRAULT, Sylvie ANDRIEUX, Gérard BAPT, Claude BARTOLONE, Jacques BASCOU, Christian BATAILLE, Delphine BATHO, Marie-Noëlle BATTISTEL, Serge BLISKO, Patrick BLOCHE, Daniel BOISSERIE, Marie-Odile BOUILLÉ, Monique BOULESTIN, Pierre BOURGUIGNON, François BROTTES, Alain CACHEUX, Thierry CARCENAC, Guy CHAMBEFORT, Jean-Michel CLÉMENT, Gilles COCQUEMPOT, Pierre COHEN, Pascale CROZON, Frédéric CUVILLIER, Pascal DEGUILHEM, François DELUGA, Bernard DEROSIER, Michel DESTOT, René DOSIÈRE, Julien DRAY, Jean-Pierre DUFAU, William DUMAS, Jean-Louis DUMONT, Laurence DUMONT, Jean-Paul DUPRÉ, Olivier DUSSOPT, Christian ECKERT, Hervé FÉRON, Pierre FORGUES, Valérie FOURNEYRON, Jean-Louis GAGNAIRE, Geneviève GAILLARD, Jean-Patrick GILLE, Joël GIRAUD, Jean GLAVANY, Daniel GOLDBERG, Marc GOUA, Élisabeth GUIGOU, David HABIB, Danièle HOFFMAN-RISPAL, Sandrine HUREL, Françoise IMBERT, Michel ISSINDOU, Serge JANQUIN, Henri JIBRAYEL, Régis JUANICO, Marietta KARAMANLI, Jérôme LAMBERT, Jack LANG, Colette LANGLADE, Jean-Yves LE BOUILLONNEC, Annick LE LOCH, Bruno LE ROUX, Catherine LEMORTON, Annick LEPETIT, Bernard LESTERLIN, Albert LIKUVALU, François LONCLE, Jean MALLOT, Jeanny MARC, Marie-Lou MARCEL, Jean-René MARSAC, Philippe MARTIN, Frédérique MASSAT, Didier MATHUS, Sandrine MAZETIER, Pierre-Alain MUET, Philippe NAUCHE, Henri NAYROU, Alain NÉRI, George PAU-LANGEVIN, Germinal PEIRO, Jean-Luc PÉRAT, Marie-Françoise PÉROL-DUMONT, Martine PINVILLE, Philippe PLISSON, François PUPPONI, Catherine QUÉRÉ, Jean-Jack QUEYRANNE, Dominique RAIMBOURG, Simon RENUCCI, René ROUQUET, Alain ROUSSET, Michel SAPIN, Jean-Louis TOURAINE, Jean-Jacques URVOAS, André VALLINI, Manuel VALLS, Michel VAUZELLE, Michel VERGNIER, André VÉZINHET, Alain VIDALIES, Jean-Claude VIOLLET, Marie-Hélène AMIABLE, François ASENSI, Martine BILLARD, Alain BOCQUET, Patrick BRAOUEZEC, Jean-Pierre BRARD, Marie-George BUFFET, Jean-Jacques CANDELIER, André CHASSAIGNE, Jacques DESALLANGRE, Marc DOLEZ, Jacqueline FRAYSSE, André GERIN, Pierre GOSNAT, Maxime GREMETZ, Jean-Paul LECOQ, Roland MUZEAU, Daniel PAUL, Jean-Claude SANDRIER, Michel VAXÈS, Yves COCHET, Noël MAMÈRE, François de RUGY, Anny POURSINOFF, Huguette BELLO und Alfred MARIE-JEANNE,

sowie am selben Tag von den Damen und Herren Senatoren Jean-Pierre BEL, Jacqueline ALQUIER, Michèle ANDRÉ, Serge ANDREONI, Bernard ANGELS, Alain ANZIANI, David ASSOULINE, Bertrand AUBAN, Claude BÉRIT-DÉBAT, Marie-Christine BLANDIN, Maryvonne BLONDIN, Yannick BODIN, Nicole BONNEFOY, Yannick BOTREL, Alima BOUMEDIENE-THIERY, Martial BOURQUIN, Bernadette BOURZAI, Michel BOUTANT, Nicole BRICQ, Jean-Pierre CAFFET, Claire-Lise CAMPION, Jean-Louis CARRÈRE, Françoise CARTRON, Bernard CAZEAU, Yves CHASTAN, Pierre-Yves COLLOMBAT, Yves DAUDIGNY, Marc DAUNIS, Christiane DEMONTÈS, Jean DESESSARD, Josette DURRIEU, Jean-Luc FICHET, Bernard FRIMAT, Samia GHALI, Serge GODARD, Jean-Pierre GODEFROY, Didier GUILLAUME, Edmond HERVÉ, Annie JARRAUD-VERGNOLLE, Claude JEANNEROT, Ronan KERDRAON, Virginie KLÈS, Yves KRATTINGER, Serge LAGAUCHE, Serge LARCHER, Jacky LE MENN, Roger MADEC, Jacques MAHÉAS, Rachel MAZUIR, Jean-Jacques MIRASSOU, Renée NICOUX, François PATRIAT, Gisèle PRINTZ, Marcel RAINAUD, Daniel RAOUL, Thierry REPENTIN, Patricia SCHILLINGER, Jean-Pierre SUEUR, Catherine TASCA, Michel TESTON, René TEULADE, Jean-Marc TODESCHINI, Richard YUNG, Guy FISCHER, Nicole BORVO COHEN-SEAT, Michelle DEMESSINE, Gérard LE CAM, Bernard VERA, Annie DAVID, Marie-France BEAUFILS, Jean-François VOGUET, Jack RALITE, Marie-Agnès LABARRE, Brigitte GONTHIER-MAURIN, Éliane ASSASSI, Evelyne DIDIER, Mireille SCHURCH, Ivan RENAR, Robert HUE, Jean-Claude DANGLOT, Isabelle PASQUET, Odette TERRADE, Thierry FOUCAUD und Michel BILLOUT.

DER VERFASSUNGSRAT,

Unter Bezugnahme auf die Verfassung;

Unter Bezugnahme auf die geänderte gesetzesvertretende Verordnung Nr. 58-1067 vom 7. November 1958, Verfassungsergänzungsgesetz über den Verfassungsrat;

Unter Bezugnahme auf das geänderte Verfassungsergänzungsgesetz Nr. 2001-692 vom 1. August 2001 über die Haushaltsgesetze, in Verbindung mit der Entscheidung des Verfassungsrates Nr. 2001-448 DC vom 25. Juli 2011;

Unter Bezugnahme auf das Gesetzbuch über die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern, sowie über das Asylrecht;

Unter Bezugnahme auf das Gesetzbuch über die Gebietskörperschaften;

Unter Bezugnahme auf das Strafgesetzbuch, in Verbindung mit der Entscheidung des Verfassungsrates Nr. 2007-554 DC vom 9. August 2007;

Unter Bezugnahme auf die Strafprozessordnung;

Unter Bezugnahme auf das Gesetzbuch über das Transportwesen;

Unter Bezugnahme auf die geänderte gesetzesvertretende Verordnung Nr. 45-174 vom 2. Februar 1945 über straffällige Jugendliche;

Unter Bezugnahme auf das Gesetz Nr. 78-17 vom 6. Januar 1978, Datenschutzgesetz;

Unter Bezugnahme auf das Gesetz Nr. 83-629 vom 12. Juli 1983 über die Regulierung privater Sicherheitsdienste;

Unter Bezugnahme auf das Rahmengesetz Nr. 95-73 vom 21. Januar 1995 über die öffentliche Sicherheit, in Verbindung mit der Entscheidung des Verfassungsrates Nr. 94-352 DC vom 18. Januar 1995;

Unter Bezugnahme auf das Gesetz Nr. 2003-239 vom 18. März 2003 über die innere Sicherheit, in Verbindung mit der Entscheidung des Verfassungsrates Nr. 2003-467 DC vom 13. März 2003;

Unter Bezugnahme auf das Gesetz Nr. 2004-575 vom 21. Juni 2004 über das Vertrauen im E-Commerce;

Unter Bezugnahme auf die Stellungnahme der Regierung, eingetragen am 25. Februar 2011;

Unter Bezugnahme auf die schriftlichen Entgegnungen der antragstellenden Abgeordneten und Senatoren, eingetragen am 2. März und am 5. März 2011;

Nachdem die Berichterstatter gehört worden sind;

1. In Erwägung dessen, dass das die antragstellenden Abgeordneten und Senatoren dem Verfassungsrat das Rahmengesetz zur Stärkung der inneren Sicherheit zur Prüfung vorlegen; dass sie die Verfassungsmäßigkeit der Artikel 1, 4, 11, 18, 37, 38, 41, 43, 53, 58, 60, 61, 90, 92 und 101 des Gesetzes in Frage stellen;

- ÜBER DEN ARTIKEL 1:

2. In Erwägung dessen, dass der Artikel 1 lautet: „ Der beigefügte Bericht über die Ziele und Mittel für die innere Sicherheit bis zum Jahr 2013 wird befürwortet“;

3. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller behaupten, das zur Prüfung vorgelegte Gesetz könne nicht als Programmgesetz bezeichnet werden, sodass der keinen normativen Charakter aufweisende Artikel 1 dieses Gesetzes verfassungswidrig sei;

4. In Erwägung dessen, dass der zwanzigste Absatz von Artikel 34 der Verfassung bestimmt: „ Programmgesetze bestimmen die Ziele der Tätigkeit des Staates“; dass der Artikel 1 des Gesetzes durch die Billigung des dem Gesetz beigefügten Berichts über die Ziele und Mittel für die innere Sicherheit diese Verfassungsvorschrift umsetzt; dass er infolgedessen nicht verfassungswidrig ist;

- ÜBER DEN ARTIKEL 4:

5. In Erwägung dessen, dass der Artikel 4 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes hinter den vierten Absatz des Punktes 7 von § I des Artikels 6 des oben genannten Gesetzes vom 21. Juni 2004 zwei weitere Absätze hinzufügt, welche vorschreiben: „ Wenn die Bekämpfung der Verbreitung von Bildern oder Darstellungen von Minderjährigen, die den von Artikel 227-23 des Strafgesetzbuches geahndeten Tatbestand erfüllen, dies erfordert, teilt die zuständige Behörde den in Punkt 1 dieses § I genannten Internetdienstanbietern die Internetadressen der Online-Kommunikationsdienste mit, die gegen die Vorschriften dieses Artikels verstoßen und zu denen die genannten Internetdienstanbieter unverzüglich den Zugang zu sperren haben.

Ein Dekret nach Stellungnahme des Staatsrates legt die Durchführungsbestimmungen der Vorschrift des Absatzes 1 fest, insbesondere diejenigen, nach denen gegebenenfalls die Mehrkosten, die den Dienstanbietern aufgrund der ihnen auferlegten Verpflichtungen entstehen, ausgeglichen werden “;

6. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller zum einen geltend machen, die Einrichtung eines Sperrmechanismus von Internetadressen, die Zugang zu bestimmten Webseiten bieten, sei eine ungeeignete oder sogar kontraproduktive Maßnahme und verursache überhöhte Kosten im Hinblick auf das verfolgte Ziel der Bekämpfung der Verbreitung kinderpornographischer Inhalte im Netz; dass sie zum anderen vortragen, der durch die Sperrung des Zugangs zu diesen Webseiten bewirkte Eingriff in die Kommunikationsfreiheit sei unverhältnismäßig, sofern er nicht durch eine gerichtliche Genehmigung gerechtfertigt sei;

7. In Erwägung dessen, dass, erstens, der Verfassungsrat über keinen allgemeinen Wertungs- und Entscheidungsspielraum wie den des Parlaments verfügt; dass es ihm nicht zusteht zu prüfen, ob die vom Gesetzgeber verfolgten Ziele nicht auch auf andere Weise hätten erreicht werden können, solange die vom Gesetz vorgesehenen Modalitäten im Hinblick auf das verfolgte Ziel nicht offensichtlich unverhältnismäßig sind; dass der Gesetzgeber keinen offensichtlichen Beurteilungsirrtum begangen hat, als er eine Regelung schuf, die es erlaubt, den Zugang zu Online-Kommunikationsdiensten zu unterbinden, welche pornographische Darstellungen von Minderjährigen verbreiten; dass der Gesetzgeber das verfassungsrechtliche Gebot der sinnvollen Verwendung öffentlicher Mittel nicht verletzt hat, als er vorsah, dass die aufgrund der den Internetdienstanbietern auferlegten Verpflichtungen entstehenden Mehrkosten gegebenenfalls auszugleichen sind;

8. In Erwägung dessen, dass, zweitens, die angegriffenen Bestimmungen der zuständigen Behörde lediglich die Zuständigkeit einräumen, zum Schutz der Internetnutzer den Zugang zu Online-Kommunikationsdiensten einzuschränken, wenn und sofern diese Dienste kinderpornographische Bilder verbreiten; dass die Entscheidung der Behörde jederzeit und von jedem Betroffenen vor den zuständigen Gerichten angefochten werden kann, gegebenenfalls auch im Rahmen des vorläufigen Rechtsschutzes; dass unter diesen Bedingungen die angegriffenen Bestimmungen das verfassungsrechtliche Ziel des Schutzes der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf der einen, und die von Artikel 11 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 gewährleistete Kommunikationsfreiheit auf der anderen Seite auf eine Art und Weise miteinander in Einklang bringen, die nicht unverhältnismäßig ist;

- ÜBER DEN ARTIKEL 11:

9. In Erwägung dessen, dass der Artikel 11 die Vorschriften des Artikels 21 des oben genannten Gesetzes vom 18. März 2003 über die Vorlebendateien ändert und sie als Artikel 230-6 bis 230-11 in die Strafprozessordnung integriert;

10. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller vorbringen, der Verfassungsrat habe zwar in seiner oben genannten Entscheidung vom 13. März 2003 die von Artikel 11 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in die Strafprozessordnung eingefügten Bestimmungen für verfassungsgemäß erklärt, jedoch rechtfertigten seitdem eingetretene Veränderungen der Umstände eine erneute Prüfung dieser Vorschriften; dass die Antragsteller diesbezüglich darauf hinweisen, die Nationale Datenschutzbehörde habe in ihrem dem Premierminister am 20. Januar 2009 überreichten Bericht über das System zur Bearbeitung ermittelter Straftaten festgestellt, dass die Datensätze der von dieser Regelung betroffenen Personen in erheblichem Umfang fehlerhaft und die für die Überprüfung und die Berichtigung dieser Datensätze vorgesehenen Bestimmungen „offensichtlich wirkungslos“ seien, obwohl die Zahl der eingetragenen Personen erheblich sei; dass sie ebenfalls kritisieren, die von Artikel 230-8 der Strafprozessordnung vorgesehenen unterschiedlichen Regelungen über die Löschung von im Rahmen eines mit einem Einstellungsbeschluss endenden Verfahrens erhobenen Daten, je nachdem, ob der Beschluss das Verfahren einzustellen darauf beruht, dass kein hinreichender Tatverdacht gegeben ist oder aus einem anderen Grund ergeht, seien ungerechtfertigt und nicht verständlich;

11. In Erwägung dessen, dass der Verfassungsrat in seiner oben genannten Entscheidung vom 13. März 2003 die Artikel 21 und 25 des Gesetzes vom 18. März 2003 über die innere Sicherheit unter den in den Erwägungen 26, 34, 35, 38 und 43 der Entscheidung zum Ausdruck gebrachten Vorbehalten für verfassungskonform erklärt hat; dass er für Recht erkannt hat, dass das Datenschutzgesetz vom 6. Januar 1978 im Rahmen der Bearbeitung der genannten Vorgänge Anwendung findet und dass jede in der Datenbank geführte Person ihr Recht ausüben können muss, gemäß den Voraussetzungen des Artikels 39 des Gesetzes vom 18. März 2003 Zugang zu den sie betreffenden Daten zu erhalten und diese gegebenenfalls berichtigen zu lassen; dass, wenn diese Daten im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens abgerufen werden, sie nur einen Gesichtspunkt der Entscheidung darstellen können, die die Verwaltungsbehörde erlässt und die gerichtlicher Nachprüfung unterliegt; dass die Verwendung dieser Daten nicht dazu führen darf, den Erwerb der französischen Staatsbürgerschaft in Fällen, in denen dieser gemäß einem Gesetz einer Person von Rechts wegen zusteht, in Frage zu stellen; dass die Verwendung dieser Daten auch nicht dazu führen darf, die Verlängerung eines Aufenthaltstitels in Fällen zu verweigern, in denen gemäß den gesetzlichen Vorschriften diese Verlängerung jemandem von Rechts wegen zusteht oder aufgrund des Schutzes des jedermann zustehenden Rechts, ein normales Familienleben zu führen, geboten ist; dass, schließlich, die Minderjährigen betreffend, ein Dekret zuständig ist, eine Dauer für die Speicherung der Daten vorzusehen, die auf der einen Seite das Erfordernis, die Täter strafbarer Handlungen zu ermitteln, und auf der anderen Seite die Notwendigkeit, straffällige Minderjährige erzieherisch und moralisch wieder aufzurichten, miteinander in Einklang bringt;

12. In Erwägung dessen, dass die im Rahmen der Einführung der Vorschrift des Artikels 21 des oben genannten Gesetzes vom 18. März 2003 als Artikel 230-6 bis 230-11 in die Strafprozessordnung vorgenommenen Änderungen dieser Vorschrift die gerichtliche Kontrolle der in den Vorlebendateien gespeicherten Daten stärkt; dass der Artikel 230-8 der Strafprozessordnung vorsieht, dass der Oberstaatsanwalt oder der die Durchführung und die Aktualisierung der Vorgänge begleitende zuständige Richter binnen einer Frist von einem Monat entscheidet, wie bezüglich der Anträge auf Löschung oder auf Berichtigung von Daten zu verfahren ist; dass dieser Artikel ebenfalls vorsieht, dass alle Daten, die Beschuldigte betreffen und weiterhin in den Vorlebendateien gespeichert sind, obwohl, gleich aus welchen Gründen, ein Freispruch, ein Freispruch durch das Schwurgericht oder ein Beschluss über die Einstellung des Verfahrens ergangen ist, mit einem Vermerk versehen werden, der den Zugang zu diesen Daten im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens untersagt; dass die unterschiedliche Regelung bezüglich der Speicherung der Daten, die sich dadurch ergibt, dass es dem Oberstaatsanwalt freisteht, die Löschung der Daten anzuordnen, wenn eine Einstellung des Verfahrens erfolgt, weil kein hinreichender Tatverdacht gegeben ist, dadurch begründet ist, dass in einem solchen Fall kein Nutzen mehr darin besteht, solche Daten weiter in der Datenbank zu führen;

13. In Erwägung dessen, dass aus diesen Ausführungen folgt, dass unter den in der Erwägung 11 bekräftigten Vorbehalten die Vorschriften der Artikel 230-6 bis 230-11 der Strafprozessordnung, welche weder unklar noch mehrdeutig sind, verfassungskonform sind;

- ÜBER DEN ARTIKEL 18:

14. In Erwägung dessen, dass der Artikel 18 den Artikel 10 des oben genannten Gesetzes vom 21. Januar 1995 ändert, welcher die Videoüberwachung regelt; dass dieser Artikel 18 die Aufzählung der Fälle ergänzt, in denen derartige Anlagen von den zuständigen staatlichen Behörden auf öffentlichen Straßen und Plätzen eingerichtet werden können; dass er die Kontrollbefugnisse der in den Departements für die Videoüberwachung zuständigen Ausschüsse und die der Nationalen Datenschutzbehörde erweitert, sowie in bestimmten Fällen die Einholung einer Stellungnahme der „Nationalen Videoüberwachungsbehörde“ ermöglicht;

15. In Erwägung dessen, dass der elfte Absatz von § II dieses Artikels 10 in der Fassung des Punktes 1o von Artikel 18 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes die Regelungen über die Einrichtung von Videoüberwachungsanlagen durch juristische Personen des Privatrechts umgestaltet; dass er bestimmt: „ Nachdem der Bürgermeister der jeweiligen Gemeinde davon in Kenntnis gesetzt wurde, dürfen die weiteren juristischen Personen auf öffentlichen Straßen und Plätzen Videoüberwachungsanlagen anbringen, die an Orten, die einer terroristischen Bedrohung ausgesetzt oder einer Bedrohung durch Gewalttaten oder Einbrüche besonders ausgesetzt sind, dem Schutz der unmittelbaren Umgebung der Gebäude und Einrichtungen dieser juristischen Personen dienen “;

16. In Erwägung dessen, dass die Punkte b) und c) von Punkt 2o des Artikels 18 erlauben, juristischen Personen des Privatrechts die Befugnis zu übertragen, die Videoüberwachung auf einer öffentlichen Straße zu betreiben und zu betrachten; dass der letzte Satz des zweiten Absatzes von § III von Artikel 10 des geänderten Gesetzes vom 21. Januar 1995 lautet: „ Die Betrachtung der übertragenen Bilder kann durch Bedienstete einer staatlichen Behörde oder die Arbeitnehmer der juristischen Person, die hierfür eine Genehmigung besitzt, oder durch aufgrund eines Vertrages in ihrem Namen handelnde Betreiber öffentlichen oder privaten Rechts erfolgen “; dass die Absätze 3 und 4 dieses § III bestimmen: „ Betreibt eine staatliche Behörde oder eine juristische Person ihre Videoüberwachungsanlagen für eine öffentliche Straße nicht selbst, muss der Vertrag, den sie darüber mit einem Betreiber öffentlichen oder privaten Rechts abschließt, vom Vertreter des Staates in dem Departement beziehungsweise, in Paris, vom Polizeipräfekten, genehmigt werden und einem Mustervertrag entsprechen, welcher nach Stellungnahme der in Artikel 10-2 vorgesehenen nationalen Behörde durch Rechtsverordnung festgelegt wird. Im Übrigen unterliegen Arbeiternehmer eines privatrechtlichen Bertreibers, die die Videoüberwachungsanlagen steuern, sowohl den Vorschriften des Titels I des Gesetzes Nr. 83-629 vom 12. Juli 1983 über die Regulierung privater Sicherheitsdienste, mit Ausnahme der Artikel 3 bis 3-2 und 10 des Gesetzes, als auch einer beruflichen Schweigepflicht.

Betreibt eine staatliche Behörde ihr System zur Videoüberwachung nicht selbst, dürfen die Arbeitnehmer der juristischen Person des Privatrechts, die unter der Aufsicht der Behörde und in deren Namen die Videoüberwachungsanlagen betreiben, keinen Zugang zu den auf den öffentlichen Straßen und Plätzen aufgenommenen Bildern erhalten “;

17. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller behaupten, diese Vorschriften würden dadurch, dass sie Privatpersonen die Überwachung des öffentlichen Raumes ermöglichen, diesen Personen Aufgaben übertragen, die zu den hoheitlichen Aufgaben des Staates zählen, sowie die verfassungsrechtlichen Vorgaben zum Schutz der persönlichen Freiheit und der Privatsphäre verletzen;

18. In Erwägung dessen, dass der Artikel 12 der Erklärung von 1789 verkündet: „ Die Sicherung der Menschen- und Bürgerrechte erfordert eine Streitmacht. Diese Macht ist also zum Vorteil aller eingesetzt und nicht für den besonderen Nutzen derer, denen sie anvertraut ist “;

19. In Erwägung dessen, dass die angegriffenen Bestimmungen, indem sie juristischen Personen erlauben, Videoüberwachungsanlagen jenseits der „unmittelbaren“ Umgebung der Gebäude oder Einrichtungen dieser juristischen Personen anzubringen, und indem sie den Betrieb von Systemen zur Videoüberwachung öffentlicher Straßen und Plätze und die Auswertung der Bilder im Namen staatlicher Behörden privatrechtlichen Betreibern anvertrauen, dazu führen können, dass juristischen Personen des Privatrechts Aufgaben der allgemeinen Überwachung öffentlicher Straßen und Plätze übertragen werden; dass somit jede einzelne dieser Vorschriften eine Übertragung von allgemeinen Ordnungs- und Sicherheitsaufgaben an eine Privatperson ermöglicht, die Teil der Aufgaben der für den Schutz der Grundrechte notwendigen „Streitmacht“ sind; dass daher der zwölfte Absatz des Punktes 1o, sowie die Punkte b) und c) von Punkt 2o von Artikel 18 für verfassungswidrig erklärt werden müssen; dass infolgedessen der erste Absatz von Punkt 1o von Artikel 18 des Prüfung vorgelegten Gesetzes nur den ersten Absatz von § II von Artikel 10 des Gesetzes vom 21. Januar 1995 durch die zehn von diesem Punkt 1o vorgesehenen Absätze ersetzt;

- ÜBER DEN ARTIKEL 37:

20. In Erwägung dessen, dass der § I des Artikels 37 in das Strafgesetzbuch einen Artikel 132-19-2 einfügt; dass gemäß dieser neuen Vorschrift bei vorsätzlichen gewalttätigen Handlungen gegen Menschen nach Artikel 222-9, 222-12, 222-13, 222-14 Punkt 3o, 222-14-1 Punkt 4o und 222-15-1 des Strafgesetzbuches, verschärft durch die Folgen der Tat für das Opfer, die Eigenschaft des Opfers oder des Täters, oder die Art oder den Ort der Begehung der Tat, das Mindestmaß der Freiheitsstrafe bei Straftaten, die mit sieben beziehungsweise zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden, achtzehn Monate beziehungsweise zwei Jahre beträgt; dass gemäß diesem Artikel 132-19-2 das Gericht unter Berücksichtigung der Umstände der Straftat, der Persönlichkeit des Täters, sowie Umständen, die Gewähr für eine Resozialisierung des Täters bieten, jedoch auch eine unterhalb dieser Mindestmaße liegende Strafe oder statt einer Freiheitsstrafe eine andere Strafe verhängen kann; dass der § II von Artikel 37 die oben genannten gesetzesvertretende Verordnung vom 2. Februar 1945 ändert, um die Anwendung des Artikels 132-19-2 des Strafgesetzbuches auch in Fällen des Jugendstrafrechts zu ermöglichen;

21. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller behaupten, der § I von Artikel 37 verletze die von Artikel 8 der Erklärung von 1789 geschützten Grundsätze der Notwendigkeit der Strafe und der Konkretisierung der Strafzumessung; dass der § II gegen den im Bereich des Jugendstrafrechts von den Gesetzen der Republik anerkannten wesentlichen Grundsatz verstoße;

- Bezüglich des § I:

22. In Erwägung dessen, dass Artikel 8 der Menschen- und Bürgerrechtserklärung von 1789 lautet: „Das Gesetz soll nur solche Strafen festsetzen, die offensichtlich unbedingt notwendig sind“; dass Artikel 34 der Verfassung vorschreibt: „ Durch Gesetz werden geregelt: [···] die Festlegung der Verbrechen und Vergehen, sowie die darauf stehenden Strafen“; dass Artikel 61 der Verfassung dem Verfassungsrat keinen allgemeinen Wertungs- und Gestaltungsspielraum wie den des Parlaments eröffnet, sondern ihm lediglich die Zuständigkeit überträgt, über die Verfassungsmäßigkeit der Gesetze, welche ihm zur Prüfung vorgelegt werden, zu befinden; dass wenngleich die Frage der Notwendigkeit der Strafen für bestimmte Straftaten in den Entscheidungsspielraum des Gesetzgebers fällt, so obliegt es dem Verfassungsrat, zu gewährleisten, dass die angedrohte Strafe nicht offensichtlich unverhältnismäßig im Vergleich zu der begangenen Straftat ist;

23. In Erwägung dessen, dass, erstens, die angegriffene Vorschrift nur in Fällen von Körperverletzung anwendbar ist, die von mindestens einem oder mehreren erschwerenden Umständen begleitet und mit einer Freiheitsstrafe nicht unter sieben Jahren geahndet werden; dass diese Vorschrift damit die Mindeststrafe von achtzehn Monaten beziehungsweise zwei Jahren Freiheitsstrafe grundsätzlich nur bei besonders schweren Straftaten vorsieht;

24. In Erwägung dessen, dass, zweitens, dem Gericht im konkreten Fall stets die Möglichkeit offensteht, durch eine mit einer besonderen Begründung versehene Entscheidung und unter Berücksichtigung der Umstände der Straftat, der Persönlichkeit des Täters, sowie Umständen, die Gewähr für eine Resozialisierung des Täters bieten, eine unterhalb dieser Mindestmaße liegende Strafe oder statt einer Freiheitsstrafe eine andere Strafe zu verhängen; dass der Gesetzgeber damit keine Änderung an der Möglichkeit der Gerichte vorgenommen hat, gemäß den Voraussetzungen der Artikel 132-40 und 132-41 des Strafgesetzbuches zumindest einen Teil der Strafe unter Auflagen zur Bewährung auszusetzen; dass er auch keine Abweichung von der Sondervorschrift des Artikels 122-1 Absatz 2 des Strafgesetzbuches geschaffen hat, gemäß welcher, wenn der Täter bei Begehung der Tat unter psychischen oder neuropsychischen Störungen litt, die seine Einsichtsfähigkeit oder die Beherrschung seiner Handlungen beeinträchtigt haben, das zuständige Gericht bei der Strafzumessung und der Regelung der Vollstreckung der Strafe diese Umstände berücksichtigt;

25. In Erwägung dessen, dass der § I von Artikel 37 daher verfassungsgemäß ist;

- Bezüglich des § II:

26. In Erwägung dessen, dass sowohl die Einschränkung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit Minderjähriger aufgrund ihres Alters, als auch die Notwendigkeit, straffällige Kinder durch an ihr Alter und ihre Persönlichkeit angepasste Maßnahmen, welche von einem ausschließlich für sie zuständigen Gericht oder nach ihnen angemessenen Verfahrensregeln angeordnet werden, erzieherisch und moralisch wieder aufzurichten, seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts beständig von den Gesetzen der Republik anerkannt worden sind; dass diese Grundsätze insbesondere in den Gesetzen vom 12. April 1906 über die Strafmündigkeit Minderjähriger und vom 22. Juli 1912 über die Gerichte in Kinder- und Jugendstrafsachen, sowie in der gesetzesvertretenden Verordnung vom 2. Februar 1945 über straffällige Jugendliche ihren Ausdruck finden; dass jedoch die republikanische Gesetzgebung vor Inkrafttreten der Verfassung von 1946 keine Regel festschreibt, nach der immer auf Zwangsmaßnahmen oder Sanktionen zugunsten ausschließlich erzieherischer Maßnahmen zu verzichten wäre; dass insbesondere die ursprünglichen Bestimmungen der gesetzesvertretenden Verordnung vom 2. Februar 1945 die strafrechtliche Verantwortlichkeit Minderjähriger nicht ablehnten und auch nicht die Möglichkeit ausschlossen, gegenüber Minderjährigen bei Bedarf Maßnahmen wie Unterbringung, Aufsicht, Haft oder, bei Minderjährigen über dreizehn Jahren, Freiheitsstrafe zu verhängen; dass dies den Umfang des wesentlichen Grundsatzes darstellt, welcher im Bereich des Jugendrechts von den Gesetzen der Republik anerkannt ist;

27. In Erwägung dessen, dass die angegriffene Vorschrift dadurch, dass sie die grundsätzliche Anwendbarkeit von Mindeststrafen in Fällen von Minderjährigen vorsieht, die noch nie wegen eines Verbrechens oder Vergehens verurteilt worden sind, die verfassungsrechtlichen Vorgaben im Bereich des Jugendstrafrechts verletzt; dass der § II des Artikels 37 infolgedessen für verfassungswidrig erklärt werden muss;

- ÜBER DEN ARTIKEL 38:

28. In Erwägung dessen, dass der Artikel 38 die Artikel 221-3 und 221-4 des Strafgesetzbuches ändert; dass er die Vorschrift, gemäß welcher das Schwurgericht durch einen gesonderten Beschluss den Zeitraum, binnen dessen Hafterleichterungen ausgeschlossen sind, auf dreißig Jahre erhöhen oder, wenn ein Angeklagter vom Schwurgericht zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wird, entscheiden kann, dass dem Verurteilten keine der von Artikel 132-23 aufgezählten Maßnahmen gewährt werden kann, auch auf die Fälle erstreckt, in denen ein Totschlag oder ein Mord „ an einem Richter, Staatsanwalt, Polizeibeamten, Gendarmeriebeamten, Justizvollzugsbeamten, oder einer anderen Person mit hoheitlichen Aufgaben in Ausübung ihres Amtes oder aufgrund dieses Amtes “ begangen wurde;

29. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller behaupten, diese Bestimmungen würden den sich aus Artikel 8 der Erklärung von 1789 ergebenden Grundsatz der Notwendigkeit der Strafe verkennen, da sie nur die Eigenschaften des Opfers, nicht aber die Umstände der Straftat berücksichtigten;

30. In Erwägung dessen, dass die Vollstreckung von Strafurteilen, die wegen eines Vergehens oder eines Verbrechens ergehen, nicht nur dem Zweck dient, die Gesellschaft zu schützen und den Verurteilten für seine Tat zu bestrafen, sondern auch eine Besserung des Straftäters fördern und seine mögliche Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorbereiten soll;

31. In Erwägung dessen, dass der Artikel 720-4 der Strafprozessordnung vorsieht, dass, wenn das Schwurgericht entschieden hat, dass einem zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe Verurteilten keine der in Artikel 132-23 des Strafgesetzbuches aufgeführten Maßnahmen zu gewähren sei, das Strafvollstreckungsgericht eine solche Maßnahme dennoch gewähren kann, nachdem der Verurteilte bereits mindestens dreißig Jahre Haft abgeleistet hat; dass diese Vorschrift dahingehend auszulegen ist, dass sie der Staatsanwaltschaft wie dem Verurteilten das Recht eröffnet, das Strafvollstreckungsgericht anzurufen; dass eine solche Anrufung gegebenenfalls wiederholt stattfinden kann; dass in Anbetracht dieser Vorschriften die angegriffene Bestimmung, die von den Gerichten in den Fällen anzuwenden ist, in denen an einer Person mit hoheitlichen Aufgaben in Ausübung oder aufgrund derselben ein Totschlag oder ein Mord begangen wurde, nicht offensichtlich gegen den Grundsatz der Notwendigkeit der Strafe verstößt; dass die Vorschrift von Artikel 38 des Prüfung vorgelegten Gesetzes daher nicht verfassungswidrig ist;

- ÜBER DEN ARTIKEL 41:

32. In Erwägung dessen, dass der Artikel 41 in die oben genannte gesetzesvertretende Verordnung vom 2. Februar 1945 einen Artikel 8-3 einfügt, welcher lautet: „ Der Oberstaatsanwalt kann gegen einen Minderjährigen ein Verfahren nach Artikel 390-1 der Strafprozessordnung vor dem Jugendgericht einleiten, wenn Ermittlungen über den Sachverhalt nicht erforderlich sind und Ermittlungen über die Persönlichkeit des Minderjährigen durchgeführt wurden, gegebenenfalls im Rahmen eines im Laufe der vorhergehenden sechs Monate gegen den Minderjährigen durchgeführten Verfahrens oder eines Verfahrens, welches binnen der sechs vorhergehenden Monate zu einer Verurteilung geführt hat.

Die Vorladung führt aus, dass der Minderjährige von einem Rechtsanwalt begleitet werden muss, und, wenn der Minderjährige oder seine gesetzlichen Vertreter keinen Rechtsanwalt benannt haben, der Oberstaatsanwalt oder der Jugendrichter vom Präsidenten der Rechtsanwaltskammer von Amts wegen einen Anwalt bestellen lässt.

Die Vorladung wird schnellstmöglich auch den Eltern, dem Vormund, der Person oder der Stelle, welcher der Minderjährige anvertraut wurde, zugestellt.

Sie wird durch ein Protokoll festgestellt, das vom Minderjährigen und der im vorhergehenden Absatz genannten Person oder einem Vertreter der Stelle unterschrieben wird. Beide erhalten Abschriften der Vorladung “;

33. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller vortragen, diese Vorschriften, die die Vorladung von Minderjährigen vor dem Jugendgericht nach den Strafverfahrensvorschriften des Erwachsenenstrafrechtes erlauben, verstießen gegen den im Bereich des Jugendstrafrechts wesentlichen, von den Gesetzen der Republik anerkannten Grundsatz; dass die Antragsteller insbesondere rügen, dass für die Anwendung dieses Verfahrens keine Altersbeschränkung vorgesehen und keine besondere Schwere der zu ahndenden Straftat erforderlich sei, dass diese Vorschrift die Vorladung eines Minderjährigen binnen einer Frist von weniger als zehn Tagen erlaube, sowie dass nicht gewährleistet sei, dass das Jugendgericht über aktuelle Informationen über die Persönlichkeit des Minderjährigen verfügt;

34. In Erwägung dessen, dass die angegriffene Vorschrift dem Oberstaatsanwalt erlaubt, einen Minderjährigen unmittelbar von einem höheren Kriminalbeamten vor das Jugendgericht vorladen zu lassen, ohne dass eine Voruntersuchung durch einen Jugendrichter durchgeführt worden wäre; dass diese Vorschrift unabhängig vom Alter des Minderjährigen, seinem Strafregister und der Schwere der begangenen Straftat anwendbar ist; dass sie nicht sicherstellt, dass das Gericht über aktuelle Informationen über die Persönlichkeit des Minderjährigen verfügt, welche die erzieherische und moralische Wiederaufrichtung begünstigen können; dass diese Vorschrift infolgedessen den verfassungsrechtlichen Anforderungen im Bereich des Jugendstrafrechtes nicht gerecht wird; dass der Artikel 41 für verfassungswidrig erklärt werden muss;

- ÜBER DEN ARTIKEL 43:

35. In Erwägung dessen, dass der § I von Artikel 43 den Präfekten erlaubt, Ausgangssperren zwischen dreiundzwanzig Uhr und sechs Uhr für Minderjährige unter dreizehn Jahren zu verfügen, sofern der Erlass einer solchen Maßnahme dem Schutz der Minderjährigen dienen und einer „ offensichtlichen Gefahr für die Gesundheit, die Sicherheit, die Erziehung und die Sittlichkeit“ der Minderjährigen vorbeugen soll; dass der § II dieses Artikels den Artikel 15-1 der gesetzesvertretenden Verordnung vom 2. Februar 1945 ändert und vorsieht, dass das Jugendgericht durch einen mit Gründen versehenen Beschluss als Erziehungsmaßnahme gegen den Minderjährigen ein bis zu dreimonatiges, einmal verlängerbares „ Verbot, sich zwischen dreiundzwanzig Uhr und sechs Uhr ohne Begleitung eines Elternteiles oder eines Erziehungsberechtigen auf öffentlichen Straßen und Plätzen aufzuhalten “ verhängen kann; dass der § III dieses Artikels bestimmt, dass die allgemeingültigen Anordnungen nach § I und die Einzelanordnungen nach § II die Modalitäten regeln, nach denen der Minderjährige betreut und zurück in die Obhut seiner Eltern oder seines gesetzlichen Vertreters übergeben wird; dass die Eltern oder der gesetzliche Vertreter des Minderjährigen mit der für Übertretungen dritter Klasse vorgesehenen Geldbuße bestraft werden, wenn sie „ die Befolgung [···] der Maßnahme nicht gewährleisten“; dass der § IV dieses Artikels den Oberstaatsanwalt verpflichtet, den Präfekten über Alternativen zu einer Strafverfolgung sowie über rechtskräftig gewordene Urteile zu benachrichtigen, wenn diese Maßnahmen und Urteile Straftaten betreffen, die von in dem betreffenden Departement wohnhaften Minderjährigen begangen wurden, damit der Präfekt gegebenenfalls den Präsidenten des Rates des Departements anrufen kann;

36. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller kritisieren, die letztgenannte Bestimmung verstoße gegen den im Bereich des Jugendstrafrechts wesentlichen, von den Gesetzen der Republik anerkannten Grundsatz und insbesondere gegen den Grundsatz der Einschränkung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit Minderjähriger aufgrund ihres Alters, da sie ein besonderes Verfahren für die Unterrichtung des Präfekten im Falle von Minderjährige betreffenden Maßnahmen und Urteilen vorsehe;

37. In Erwägung dessen, dass gemäß der angegriffenen Bestimmung für die Übermittlung der Informationen über den Minderjährigen durch den Oberstaatsanwalt ein entsprechendes Ersuchen des Präfekten erforderlich ist, welches dieser im Hinblick auf eine mögliche Anrufung des Präsidenten des Rates des Departements zwecks Umsetzung eines „Vertrages über die elterlichen Verpflichtungen“ stellt; dass die angegriffene Vorschrift weder bezweckt noch bewirkt, die rechtliche Ausgestaltung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit von Minderjährigen zu ändern; dass daher die Rüge, der Grundsatz der Einschränkung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit Minderjähriger aufgrund ihres Alters sei verletzt, verworfen werden muss;

38. In Erwägung dessen, dass des Weiteren laut Artikel 9 der Erklärung von 1789 jeder Mensch so lange als unschuldig zu gelten hat, bis er für schuldig erklärt worden ist; dass daraus folgt, dass der Gesetzgeber im Bereich von Strafmaßnahmen keine Vermutung der Schuld vorsehen darf; dass solche Vermutungen, insbesondere im Bereich von Übertretungen, jedoch ausnahmsweise zulässig sein können, sofern sie keine unwiderlegbare Beweiskraft besitzen, die Rechte der Verteidigung gewährleistet sind und aufgrund der Sachlage vernünftigerweise auf die Glaubwürdigkeit der Zurechenbarkeit geschlossen werden kann;

39. In Erwägung dessen, dass im vorliegenden Fall der letzte Absatz des § III von Artikel 43 eine Übertretungsstrafe vorsieht, wenn der gesetzliche Vertreter eines Minderjährigen versäumt, die Befolgung einer Maßnahme nach § I oder § II dieser Vorschritt durch den Minderjährigen sicherzustellen; dass dieser letzte Absatz von § III dadurch, dass er die Bestrafung des gesetzlichen Vertreters wegen einer vom Minderjährigen begangenen strafbaren Handlung erlaubt, eine unwiderlegbare Vermutung der Schuld des gesetzlichen Vertreters begründet;

40. In Erwägung dessen, dass aus diesen Ausführungen folgt, dass der letzte Absatz von § III von Artikel 43 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes für verfassungswidrig erklärt werden muss; dass die übrigen Bestimmungen des Artikels 43 verfassungskonform sind;

- ÜBER DEN ARTIKEL 53:

41. In Erwägung dessen, dass der Artikel 53 zum einem in das Handelsgesetzbuch einen Artikel L. 443-2-1 eingefügt und zum anderen den Artikel L. 443-3 desselben Gesetzbuches ändert; dass gemäß dem neuen Artikel L. 443-2-1 mit einer Geldstrafe von 15.000 Euro bestraft wird, „ wer ohne die Zustimmung des Produzenten, Ausrichters oder des Inhabers der Verwertungsrechte einer sportlichen, kulturellen oder kommerziellen Veranstaltung über eine Online-Kommunikationsplattform Eintrittskarten für eine solche Veranstaltung mit der Absicht, daraus einen Gewinn zu ziehen, zum Verkauf anbietet “; dass darüber hinaus, wenn eine natürliche Person einer solchen strafbaren Handlung für schuldig befunden wird, als Nebenstrafe die Einziehung der für die Begehung der Tat verwendeten oder zu verwendenden Sache oder des durch die Tat erzielten Erlöses verfügt werden kann; dass gemäß dem geänderten Artikel L. 443-3 eine einer solchen Straftat für schuldig befundene juristische Person zu einer Geldstrafe in fünffacher Höhe der vorgenannten Geldstrafe, sowie zu den Strafen nach Artikel 131-39 des Strafgesetzbuches verurteilt werden kann;

42. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller behaupten, dass diese Vorschriften erstens Bestimmungen in das Handelsgesetzbuch einfügten, die nicht nur Gewerbetreibende und Handelsgesellschaften betreffen und die den Begriff des Gewinnes nicht näher bestimmen; dass sie damit das Ziel von Verfassungsrang der Verständlichkeit und Zugänglichkeit des Gesetzes verfehlten; dass diese Vorschriften zweitens gegen den Grundsatz der Notwendigkeit der Strafe verstießen, da sie einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Eigentumsgarantie und die Vertragsfreiheit der natürlichen Personen sowie in die Unternehmerfreiheit der juristischen Personen vornähmen; dass sie drittens einen Gleichheitsverstoß begründeten, da sie zwischen denjenigen unterscheiden, die über eine „Online-Kommunikationsplattform“ Eintrittskarten weiterverkaufen und denjenigen, die andere Mittel dafür wählen;

43. In Erwägung dessen, dass der Gesetzgeber durch das Verbot, ohne vorherige Zustimmung des Ausrichters einer Veranstaltung Eintrittskarten für diese weiterzuverkaufen, möglichen Rechtsbeeinträchtigungen, die durch Verstöße gegen für bestimmte Sportveranstaltungen geltende Vorschriften verursacht werden, vorbeugen beziehungsweise solche Rechtsbeeinträchtigungen ahnden, sowie den Schutz der Rechte der Produzenten, Veranstalter und Inhaber der Verwertungsrechte solcher Veranstaltungen gewährleisten wollte; dass der Gesetzgeber jedoch, indem er für sämtliche sportlichen, kulturellen und kommerziellen Veranstaltungen den über eine Online-Kommunikationsplattform zwecks Erzielung eines Gewinnes angebotenen oder durchgeführten Weiterverkauf von Eintrittskarten mit Strafe bedroht hat, sich auf im Hinblick auf das verfolgte Ziel offensichtlich ungeeignete Kriterien gestützt hat; dass der Artikel 53 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes damit den Grundsatz der Notwendigkeit der Strafe verletzt; dass er, ohne dass Anlass bestünde, die weiteren Rügen zu prüfen, für verfassungswidrig erklärt werden muss;

- ÜBER DEN ARTIKEL 58:

44. In Erwägung dessen, dass der Artikel 58 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes den zweiten Absatz von Artikel L. 2241-2 des Gesetzbuches über das Transportwesen durch die folgenden drei Absätze ersetzt: „ Lehnt ein Zuwiderhandelnder ab, den Nachweis seiner Identität zu erbringen oder erklärt er, dass er diesen Nachweis nicht erbringen könne, benachrichtigen die in Absatz 1 von § II des Artikels 529-4 der Strafprozessordnung genannten Bediensteten auf allen vorgesehenen Dienstwegen unverzüglich einen örtlich zuständigen höheren Kriminalbeamten.

Während des für die Benachrichtigung und die Entscheidung des höheren Kriminalbeamten erforderlichen Zeitraumes hat der Zuwiderhandelnde den im ersten Absatz genannten Bediensteten weiterhin zur Verfügung zu stehen.

Auf Anweisung des höheren Kriminalbeamten dürfen die Bediensteten ihm den Zuwiderhandelnden vorführen oder ihn bis zum Eintreffen des höheren Kriminalbeamten oder eines unter dessen Verantwortung handelnden Polizeibeamten festhalten “;

45. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller geltend machen, die neue Fassung des Artikels L. 2241-2 hebe die Pflicht zur Sorgfalt auf, gemäß derer ein Zuwiderhandelnder nur während des „für das Eintreffen des höheren Kriminalbeamten unbedingt notwendigen Zeitraumes“ oder für die „ sofortige“ Vorführung vor diesen Kriminalbeamten festgehalten werden darf; dass sie die Auffassung vertreten, der Gesetzgeber habe den Umfang seiner Zuständigkeit verkannt, als er den Zeitraum, während dessen ein Zuwiderhandelnder von den Bediensteten eines Verkehrsunternehmens festgehalten werden darf, nicht ausreichend genau begrenzt hat; dass sie weiterhin vortragen, der Gesetzgeber habe damit keine ausreichenden gesetzlichen Vorschriften für die Durchsetzung des verfassungsrechtlich gebotenen Schutzes der Freiheit der Person sowie der Freizügigkeit vorgesehen;

46. In Erwägung dessen, dass der Artikel 66 der Verfassung bestimmt: „Niemand darf willkürlich in Haft gehalten werden.Die Justiz gewährleistet als Hüterin der Freiheit der Person die Einhaltung dieses Grundsatzes nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen“;

47. In Erwägung dessen, dass die angegriffene Vorschrift die besonderen Befugnisse regelt, mit denen die Hilfsbeamten der Kriminalpolizei ausgestattet sind, die im öffentlichen Schienenverkehr oder anderen gelenkten öffentlichen Verkehrsmitteln eingesetzt sind; dass sie vorsieht, dass ein Zuwiderhandelnder, der es ablehnt, den Nachweis seiner Identität zu erbringen oder erklärt, dieser Nachweis sei ihm nicht möglich, „ während des für die Benachrichtigung und die Entscheidung des höheren Kriminalbeamten erforderlichen Zeitraumes“ beziehungsweise während des Zeitraums „bis zum Eintreffen des höheren Kriminalbeamten oder eines unter dessen Verantwortung handelnden Polizeibeamten“ festgehalten werden kann; dass dies notwendigerweise bedeutet, dass die Benachrichtigung des höheren Kriminalbeamten durch den Bediensteten des Beförderungsunternehmens und die Entscheidung des höheren Kriminalbeamten so schnell wie möglich zu erfolgen haben; dass unter diesen Umständen der gegen eine Person, die ihre Identität nicht nachweisen will oder kann, ausgeübte Zwang sich auf das für den Schutz eines Allgemeininteresses von Verfassungsrang notwendige Maß beschränkt, dessen Durchsetzung eine Identitätskontrolle rechtfertigt; dass die angegriffene Vorschrift, die den Umfang der Zuständigkeit des Gesetzgebers nicht verkennt, daher weder die gemäß Artikel 66 der Verfassung unter dem Schutz der Justiz stehende Freiheit der Person, noch das Grundrecht der Freizügigkeit verletzt;

- ÜBER DIE ARTIKEL 60 UND 61:

48. In Erwägung dessen, dass zum einen der Artikel 60 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in das Sportgesetzbuch einen Artikel L. 332-16-1 einfügt; dass dieser dem Innenminister erlaubt, „Bewegungen von Einzelpersonen oder Personengruppen zu verbieten, die sich an einem Ort, an dem eine Sportveranstaltung stattfindet, als Fans einer Mannschaft bezeichnen oder verhalten, und deren Verhalten zu schweren Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung führen kann“; dass zum anderen der Artikel 61 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in das Sportgesetzbuch einen Artikel L. 332-16-2 einfügt; dass dieser den Präfekten in den Departements gestattet, „ die Freizügigkeit von Personen einzuschränken, die sich an einem Ort, an dem eine Sportveranstaltung stattfindet, als Fans einer Mannschaft bezeichnen oder verhalten, und deren Verhalten zu schweren Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung führen kann “; dass diese Artikel darüber hinaus bestimmen, dass der Erlass des Ministers oder des Präfekten die Dauer der Maßnahme, die genauen Sachgründe, die ihr zugrunde liegen, sowie den räumlichen Geltungsbereich der Maßnahme nennt; dass im Falle eines Verstoßes gegen derartige Erlässe Freiheitsstrafen, Geldstrafen und gerichtlich verhängte Stadionverbote vorgesehen sind;

49. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller kritisieren, diese Vorschriften verletzten das Grundrecht der Freizügigkeit und grenzten die dem Innenminister beziehungsweise den Präfekten für die Gefahrenabwehr eingeräumten Befugnisse nicht ausreichend ein;

50. In Erwägung dessen, dass die angegriffenen Vorschriften die polizeilichen Befugnisse für die Gefahrenabwehr bei großen Menschenansammlungen im Rahmen einer Sportveranstaltung ausweiten, die zu einer schweren Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung führen können; dass es den staatlichen Behörden, deren Entscheidungen von den Gerichten überprüft werden können, obliegt, genau und auf der Grundlage objektiver Kriterien die Personen oder Personengruppen zu bestimmen, gegen die deren Bewegungen einschränkende Maßnahmen erlassen werden können; dass diese Maßnahmen für den Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung gerechtfertigt sein müssen und keinen unverhältnismäßigen Eingriff in das Grundrecht der Freizügigkeit vornehmen dürfen; dass diese Maßnahmen von den Betroffenen vor den Verwaltungsgerichten angefochten werden können, insbesondere im Rahmen eines Verfahrens zum vorläufigen Rechtsschutz von Grundfreiheiten; dass die angegriffenen Bestimmungen in Anbetracht des vom Gesetzgeber verfolgten Ziels und der von ihm vorgesehenen gesetzlichen Schutzvorschriften den Schutz des Grundrechts der Freizügigkeit auf der einen und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf der anderen Seite auf eine Art und Weise miteinander in Einklang bringen, die nicht unverhältnismäßig ist;

- ÜBER DIE §§ I UND II VON ARTIKEL 90:

51. In Erwägung dessen, dass der erste Absatz von § I von Artikel 90 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes bestimmt: „ Lassen sich Gruppen von Menschen rechtswidrig auf einem einer juristischen Person des öffentlichen Rechts, einer juristischen Person des Privatrechts oder einer Privatperson gehörenden Grundstück in der Absicht nieder, dort ihren Wohnsitz einzurichten, und dies eine erhebliche Gefahr für den Gesundheitsschutz, die öffentliche Sicherheit oder die öffentliche Ruhe bedeutet, kann der Vertreter des Staates in dem Departement beziehungsweise, in Paris, der Polizeipräfekt die rechtsgrundlosen Besitzer des Grundstückes auffordern, dieses zu verlassen “; dass der zweite Absatz die Frist zum Verlassen des Grundstückes auf mindestens achtundvierzig Stunden festsetzt und die Modalitäten für die Bekanntmachung dieser Aufforderung regelt; dass der dritte Absatz vorsieht, dass der Präfekt die Zwangsräumung des Geländes anordnen kann, wenn der Aufforderung, das Gelände zu räumen nicht nachgekommen und auch keine Klage mit aufschiebender Wirkung gemäß § II erhoben wurde, es sei denn der Eigentümer oder der Inhaber des Nutzungsrechts des Grundstücks legt Widerspruch gegen eine solche Maßnahme ein; dass der Vertreter des Staates ebenfalls den Präsidenten des zuständigen Großinstanzgerichtes um die Genehmigung ersuchen kann, die rechtswidrig errichteten Anlagen abreißen zu lassen; dass der Präsident des Großinstanzgerichtes darüber „binnen achtundvierzig Stunden durch einstweilige Verfügung entscheidet“;

52. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller behaupten, diese Vorschriften verstießen gegen die verfassungsrechtlichen Anforderungen zum Schutz der Menschenwürde, der Grundrechte, der Freizügigkeit, der Privatsphäre und der Unverletzlichkeit der Wohnung, sowie gegen die Unschuldsvermutung;

53. In Erwägung dessen, dass Maßnahmen zur Gefahrenabwehr, welche die Ausübung der verfassungsrechtlich gewährleisteten Freiheitsrechte – zu denen das Recht der Freizügigkeit als Ausdruck der von den Artikeln 2 und 4 der Erklärung von 1789 geschützten Freiheit der Person zählt – einschränken können, durch die Notwendigkeit des Schutzes der öffentlichen Sicherheit und Ordnung begründet und im Hinblick auf das verfolgte Ziel verhältnismäßig sein müssen;

54. In Erwägung dessen, dass der erste Absatz des § I von Artikel 90 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes dem Vertreter des Staates in dem Departement beziehungsweise, in Paris, dem Polizeipräfekten, die Möglichkeit einräumt, Personen, die sich rechtswidrig auf dem Grundstück eines Dritten aufhalten, aufzufordern, das Grundstück zu verlassen, sofern diese Personen sich als Gruppen und mit der Absicht, dort ihren Wohnsitz einzurichten, auf dem Grundstück niedergelassen haben und dies eine erhebliche Gefahr für den Gesundheitsschutz, die öffentliche Sicherheit oder die öffentliche Ruhe bedeutet; dass die angegriffene Bestimmung diesbezüglich durch die Notwendigkeit, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten gerechtfertigt und im Hinblick auf den verfolgten Zweck verhältnismäßig ist;

55. In Erwägung dessen, dass jedoch die Absätze 2 und 3 dieses § I dem Vertreter des Staates erlauben, die Zwangsräumung des Geländes anzuordnen, wenn binnen der von der Aufforderung zum Verlassen des Grundstücks festgesetzten Frist von mindestens achtundvierzig Stunden der besagten Aufforderung nicht nachgekommen und gegen diese auch keine vom § II vorgesehene Klage mit aufschiebender Wirkung erhoben wurde; dass diese Vorschriften eine sofortige Zwangsräumung erlauben – und zwar zu jeder Jahreszeit und ohne Berücksichtigung der persönlichen oder familiären Umstände der Betroffenen – und sozial schwache Menschen treffen, die über keine anständige Unterkunft verfügen; dass in einem solchen Fall der diesen Personen offenstehende Rechtsweg vor den Verwaltungsgerichten, welche eine Entscheidung mit aufschiebender Wirkung erlassen können, kein ausreichendes Schutzinstrument darstellt, um auf der einen Seite die Notwendigkeit, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, und auf der anderen Seite den Schutz der verfassungsrechtlich verbürgten Grundrechte und –freiheiten auf eine Art und Weise miteinander in Einklang zu bringen, die nicht offensichtlich unverhältnismäßig ist;

56. In Erwägung dessen, dass daher die untrennbar miteinander verbundenen §§ I und II von Artikel 90 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes für verfassungswidrig erklärt werden müssen;

- ÜBER DEN ARTIKEL 92:

57. In Erwägung dessen, dass der Artikel 92 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in Artikel 78-2 der Strafprozessordnung den Verweis auf den Artikel „21-1o“ durch den Verweis auf den Artikel „21“ ersetzt; dass er die Liste der Personen erweitert, welche zur Durchführung von Identitätskontrollen ermächtigt sind, und nunmehr auch allen Hilfsbeamten der Kriminalpolizei – insbesondere den Beamten der Stadtpolizei – diese Befugnis einräumt, obwohl gegenwärtig die einzigen, gemäß den genauen Voraussetzungen des Artikels 78-2 der Strafprozessordnung zu solchen Kontrollen befugten Hilfsbeamten der Kriminalpolizei diejenigen Beamten im aktiven Polizeidienst sind, die nicht die Voraussetzungen erfüllen, um zu Beamten der Kriminalpolizei ernannt zu werden;

58. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller vortragen, die Erweiterung der Befugnis, Identitätskontrollen durchzuführen, auf alle Hilfsbeamten der Kriminalpolizei sei nicht von hinreichenden Schutzvorschriften gegen willkürliche Eingriffe die persönliche Freiheit flankiert;

59. In Erwägung dessen, dass aus Artikel 66 der Verfassung folgt, dass die Kriminalpolizei unter der Leitung und Aufsicht der Justiz zu stehen hat; dass zu diesem Zweck die Strafprozessordnung, namentlich ihre Artikel 16 bis 19-1, die direkte und effektive Aufsicht der Gerichte über die höheren Kriminalbeamten sicherstellt, welche mit kriminalpolizeilichen Ermittlungen betraut sind und die dafür notwendigen Zwangsmaßnahmen durchführen können; dass der Artikel 20 der Strafprozessordnung die Kriminalbeamten aufzählt, welche die Aufgabe haben, „ die höheren Kriminalbeamten bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen; Verbrechen, Vergehen und Übertretungen zu ermitteln und den Tatbestand aufzunehmen; eine Niederschrift der Aussagen jeder Person anzufertigen, die ihnen Hinweise, Beweise oder Auskünfte über Täter und Gehilfen einer solchen Straftat geben kann “; dass der Notwendigkeit der Leitung und Aufsicht der Justiz gegenüber der Kriminalpolizei nicht Genüge getan wäre, wenn allgemeine Ermittlungsbefugnisse an Beamte übertragen würden, die den Gemeinden unterstehen und den höheren Kriminalbeamten nicht zur Verfügung stehen;

60. In Erwägung dessen, dass der Artikel 78-2 der Strafprozessordnung die Fälle vorsieht, in denen höhere Kriminalbeamte, Kriminalbeamte und Beamte im aktiven Polizeidienst, die nicht die Voraussetzungen erfüllen, um zu Beamten der Kriminalpolizei ernannt zu werden, im Rahmen ihrer kriminalpolizeilichen Aufgaben oder aufgrund einer schriftlichen Aufforderung durch den Oberstaatsanwalt Identitätskontrollen durchführen dürfen; dass der hier geprüfte Artikel 92 gegen Artikel 66 der Verfassung verstößt, da er diese Befugnis auch Beamten der Stadtpolizei einräumt, die den Gemeinden unterstehen und daher den höheren Kriminalbeamten nicht zur Verfügung stehen; dass der Artikel 92 daher für verfassungswidrig erklärt werden muss;

- ÜBER DEN ARTIKEL 101:

61. In Erwägung dessen, dass der Artikel 101 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes im letzten Satz von Artikel L. 552-1 des Gesetzbuches über die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern, sowie über das Asylrecht nach dem Wort „Unterbringungsort“ folgenden Wortlaut einfügt: „ oder innerhalb dieses Unterbringungsortes“; dass dieser letzte Satz von Artikel L. 552-1 lautet: „ Steht jedoch in unmittelbarer Nähe zum Unterbringungsort ein Gerichtssaal zur Verfügung, welcher dem Justizministerium zugewiesen wurde und für eine mündliche Verhandlung eingerichtet ist, entscheidet der Richter in diesem Saal “; dass der Artikel 101 dem zuständigen Haftrichter damit erlaubt, die Sitzung über eine Verlängerung der Unterbringung in der Abschiebungshaft nach Ablauf der achtundvierzig-Stunden-Frist in einem Sitzungssaal abzuhalten, der sich nicht bloß in unmittelbarer Nähe, sondern innerhalb der Unterbringungsanstalt befindet;

62. In Erwägung dessen, dass die Antragsteller behaupten, diese Bestimmung verstoße gegen die Vorschriften zur Gewährleistung eines fairen Verfahrens und gegen das Gebot der Öffentlichkeit der Verhandlungen;

63. In Erwägung dessen, dass die Abschiebungsanstalten Einrichtungen sind, die in Frankreich nicht aufenthaltsberechtigte Ausländer aufnehmen, bevor diese freiwillig oder zwangsweise in ihr Heimatland oder einen Drittstaat ausreisen; dass diese Anstalten für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind; dass der Gesetzgeber dadurch, dass er zugelassen hat, dass der Sitzungssaal, in dem der Haftrichter die Verhandlung führt, auch „innerhalb “ einer solchen Abschiebungsanstalt liegen kann, eine Vorschrift erlassen hat, die offensichtlich ungeeignet ist, das – vom Gesetzgeber bekräftigte – Gebot einer „öffentlichen Entscheidung“ umzusetzen; dass der Artikel 101 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes daher, ohne dass Anlass bestünde, die weiteren von den Antragstellern vorgetragenen Rügen zu prüfen, für verfassungswidrig erklärt werden muss;

- ÜBER DIE WEITEREN VORSCHRIFTEN DES ZUR PRÜFUNG VORGELEGTEN GESETZES:

- Bezüglich des Artikels 10:

64. In Erwägung dessen, dass der Artikel 10 einen Beistandsfonds für die kriminaltechnischen Polizeidienste einrichtet, der im Rahmen seiner Mittel zur Finanzierung der Vorgänge im Rahmen des Ausbaus und der Nutzung der automatisierten Datenbank für Fingerabdrücke sowie der automatisierten Gendatenbank beitragen soll; dass dieser Artikel 10 vorsieht, dass der genannte Fonds „ durch eine Zahlung, deren Höhe durch einen Vertrag und nach dem Wert der Vermögenswerte berechnet wird, die dem Versicherer, der für den aufgrund des Diebstahls oder Raubs dieser Vermögenswerte entstandenen Schaden aufgekommen ist, zurückgegeben wurden “ finanziert werden soll;

65. In Erwägung dessen, dass Artikel 12 der Erklärung von 1789 verkündet: „ Die Sicherung der Menschen und Bürgerrechte erfordert eine Streitmacht. Diese Macht ist also zum Vorteil aller eingesetzt und nicht für den besonderen Nutzen derer, denen sie anvertraut ist “; dass Artikel 13 dieser Erklärung bestimmt: „ Für den Unterhalt der Streitmacht und für die Kosten der Verwaltung ist eine allgemeine Abgabe unumgänglich. Sie muss gleichmäßig auf alle Bürger unter Berücksichtigung ihrer Vermögensumstände verteilt werden “;

66. In Erwägung dessen, dass gemäß dem ersten Absatz des § II von Artikel 17 des oben genannten Verfassungsergänzungsgesetzes vom 1. August 2001, Sondermittel insbesondere aus „ nicht-steuerlichen Mitteln, welche von juristischen oder natürlichen Personen bereitgestellt werden, um zu Ausgaben für das Gemeinwohl beizutragen “ bestehen; dass der letzte Absatz dieses Paragraphen II bestimmt, dass die Verwendung von Haushaltsmitteln, die auf die Zurverfügungstellung von Sondermitteln zurückgehen, „dem Willen des die Zahlung Leistenden entsprechen“ soll; dass die Art und Weise wie die Kriminalpolizei ihre Aufgaben wahrnimmt jedoch nicht dem Willen von Privatpersonen unterworfen werden darf; dass der Artikel 10 daher, da er einen Beistandsfonds für die kriminaltechnischen Polizeidienste einrichtet und ihm Mittel zuwendet, welche von den Versicherungsgesellschaften zur Verfügung gestellt werden, die sich aus den Artikeln 12 und 13 der Erklärung von 1789 ergebenden verfassungsrechtlichen Anforderungen verletzt;

- Bezüglich des Artikels 14:

67. In Erwägung dessen, dass der Artikel 14 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes in den Titel IV von Buch I der Strafprozessordnung ein Kapitel III über Softwareprogramme für den Datenabgleich einfügt, welches die Artikel 230-20 bis 230-27 umfasst; dass der Artikel 230-20 vorsieht: „ Zur besseren Ermittlung von Beweisen für Straftaten und den Tätern können die kriminalpolizeiliche Aufgaben wahrnehmende Polizei und Gendarmerie unter der Aufsicht durch die Gerichte Softwareprogramme einsetzen, welche die Nutzung und den Abgleich von Daten erleichtern, die erhoben wurden im Rahmen von:

1o Voruntersuchungen, Ermittlungen im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens oder aufgrund eines Rechtshilfeersuchens durchgeführten Ermittlungen;

2o den von den Artikeln 74 und 74-1 vorgesehenen Verfahren zur Feststellung der Ursachen für den Tod oder das Verschwinden einer Person “;

68. In Erwägung dessen, dass der Artikel 230-21 bestimmt: „ Die von den in diesem Kapitel genannten Datenverarbeitungsprogrammen genutzten Daten dürfen nur aus gerichtlichen Urkunden oder Unterlagen entnommen sein, die den in Artikel 230-20 genannten Behörden bereits vorliegen.

Werden Daten genutzt, aus denen indirekt die Identität der betroffenen Personen hervorgehen kann, so darf diese Identität nur nach der Durchführung des Datenabgleiches angezeigt werden und auch nur in Bezug auf diejenigen Daten, die tatsächlich miteinander oder mit anderen, von der Software verwendeten Daten übereinstimmen “;

69. In Erwägung dessen, dass die von Artikel 2 der Erklärung von 1789 geschützte Freiheit auch die Achtung der Privatsphäre einschließt; dass es dem gemäß Artikel 34 der Verfassung für die Ausgestaltung des Strafprozessrechts zuständigen Gesetzgeber obliegt, einerseits die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie die Fahndung nach Straftätern – beides unerlässlich für den Schutz verfassungsrechtlicher Rechte und Grundsätze – und andererseits den Schutz der Privatsphäre und der anderen verfassungsrechtlich verbürgten Rechte und Freiheiten miteinander in Einklang zu bringen;

70. In Erwägung dessen, dass die Verwendung von Softwareprogrammen für den Datenabgleich die Verarbeitung von persönlichen Daten ermöglicht, die im Rahmen von kriminalpolizeilichen Ermittlungen erhoben wurden, und zwar unabhängig von der Schwere der Straftat, derentwegen ermittelt wurde; dass es dem Gesetzgeber obliegt, die weiter oben genannten verfassungsrechtlichen Gebote und Grundsätze miteinander in Einklang zu bringen, wobei er den allgemeinen Anwendungsbereich dieser Softwareprogramme zu berücksichtigen hat;

71. In Erwägung dessen, dass, erstens, die Bestimmungen der Artikel 230-20 ff. weder vorsehen noch zur Folge haben dürfen, dass die im Rahmen der verschiedenen, in Artikel 230-20 genannten Ermittlungen erhobenen Daten für eine allgemeine Verarbeitung verwendet werden; dass der Artikel 230-23 vorsieht, dass – unbeschadet der Aufsichtsbefugnisse der Nationalen Datenschutzbehörde – die Nutzung personenbezogener Daten mittels Softwareprogrammen für den Datenabgleich unter der Aufsicht des zuständigen Oberstaatsanwalts oder Ermittlungsgerichts erfolgt; dass solche Programme daher zu einer – von den genannten Gerichten genehmigten – Nutzung personenbezogener Daten nur im Rahmen von bestimmten Ermittlungen oder Verfahren eingesetzt werden dürfen, die eine Reihe gleichgelagerter Sachverhalte betreffen; dass der Einsatz dieser Programme ausschließlich zum Zwecke dieser Ermittlungen zulässig ist;

72. In Erwägung dessen, dass, zweitens, der erste Absatz von Artikel 230-22 bestimmt: „ Die personenbezogenen Daten, die durch die Auswertung der Ergebnisse der in Punkt 1o von Artikel 230-20 genannten Ermittlungen und Untersuchungen ermittelt werden, werden nach Abschluss der Ermittlungen oder spätestens nach Ablauf von drei Jahren nach dem letzten Eintrag in die Datenbank gelöscht “; dass in Anbetracht der Tatsache, dass die genannten Vorschriften erlauben, Daten zu erheben und einzutragen, die im Zusammenhang mit geringen Straftaten stehen, die weitere Speicherung solcher Daten auf Antrag der Ermittler nur für höchstens drei Jahre ab dem Zeitpunkt ihrer Eintragung in die Datenbank erfolgen darf; dass daher der Satzteil „nach dem letzten Eintrag in die Datenbank“ für verfassungswidrig erklärt werden muss;

73. In Erwägung dessen, dass die Bestimmungen des Artikels 14 unter den in der Erwägung 71 zum Ausdruck gebrachten Vorbehalten und unter Berücksichtigung der teilweisen Verfassungswidrigkeitserklärung des Artikels 230-22 die vorgenannten verfassungsrechtlichen Gebote nicht verletzen;

- Bezüglich des Artikels 32:

74. In Erwägung dessen, dass der Artikel 32 in das oben genannte Gesetz vom 12. Juli 1983 einen neuen Titel III einfügt, welcher die Tätigkeit privater Wirtschafts-Informationsdienste regelt und aus den Artikeln 33-12 bis 33-16 besteht; dass der Artikel 33-12 den Anwendungsbereich der Vorschriften über Wirtschafts-Informationsdienste definiert; dass gemäß den Artikeln 33-13 und 33-14 für die Leitung eines solchen Unternehmens beziehungsweise für die Ausübung einer solchen Tätigkeit durch ein derartiges Unternehmen eine vom Innenminister erteilte Zulassung beziehungsweise Genehmigung erforderlich ist; dass der Artikel 33-15 bestimmten Laufbahngruppen von Beamten oder Bediensteten der Nachrichtendienste grundsätzlich verbietet, binnen einer Frist von drei Jahren nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst eine solche Tätigkeit auszuüben; dass der Artikel 33-16 Zuwiderhandlungen gegen diese Regelungen mit Geld- und Freiheitsstrafen ahndet und als Nebenstrafen die Untersagung der Ausübung einer solchen Tätigkeit beziehungsweise die Schließung eines solchen Unternehmens vorsieht;

75. In Erwägung dessen, dass es dem Gesetzgeber freisteht, neue Straftatbestände und die Strafen, mit denen sie geahndet werden, vorzusehen; dass er dabei jedoch zum einen die Erfordernisse der öffentlichen Sicherheit und Ordnung mit dem Schutz der verfassungsrechtlich verbürgten Rechte – zu denen die Unternehmerfreiheit gehört – in Einklang zu bringen, und zum anderen die sich aus den Artikeln 8 und 9 der Erklärung von 1789 ergebenden Normen, zu denen das Legalitätsprinzip zählt, aufgrund dessen der Gesetzgeber verpflichtet ist, hinreichend genaue Vorschriften zu erlassen und eine eindeutige Wortwahl zu verwenden, einzuhalten hat;

76. In Erwägung dessen, dass gemäß dem Artikel 33-13 die Ausübung privater Sicherheitsdienste, welche darin bestehen „ Informationen über das wirtschaftliche, soziale, geschäftliche, gewerbliche oder finanzielle Umfeld einer oder mehrerer natürlicher oder juristischer Personen zu erheben und auszuwerten “ genehmigungspflichtig ist; dass er bestimmt, dass diese Genehmigungspflicht dazu dient, natürlichen und juristischen Personen zu ermöglichen, „Gefahren für ihre wirtschaftliche Tätigkeit, ihr Vermögen, ihre immateriellen Vermögenswerte oder ihr Ansehen vorzubeugen“, und ihre „ Tätigkeit durch Einwirkung auf die Entwicklung der Geschäfte oder auf ihre Entscheidungen zu fördern“; dass die Ungenauigkeit sowohl der Definition der Tätigkeiten, die unter den Begriff der Wirtschafts-Informationsdienste fallen können, als auch des verfolgten Zwecks, welcher den Eingriff in die Unternehmerfreiheit rechtfertigen soll, das Legalitätsprinzip verletzt; dass daher der Artikel 33-13 sowie die anderen von Artikel 32 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes eingeführten Vorschriften, welche untrennbar mit ihn verbunden sind, für verfassungswidrig erklärt werden müssen;

- Bezüglich des Artikels 91:

77. In Erwägung dessen, dass der Artikel 91 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes den Artikel 20 der Strafprozessordnung ergänzt; dass er die Amtsbezeichnung Kriminalbeamter erstreckt auf „ Leiter der Stadtpolizei, welche die Arbeit und die Einsätze der Dienststellen der Stadtpolizei leiten, sofern die in Artikel L. 2212-6 des Gesetzbuches über die Gebietskörperschaften vorgesehene Vereinbarung dies bestimmt “; dass er sie für zuständig erklärt, die in Artikel 16 der Strafprozessordnung genannten höheren Kriminalbeamten – mit Ausnahme der Bürgermeister und ihrer Stellvertreter – „bei der Erfüllung ihrer Aufgaben“ zu unterstützen;

78. In Erwägung dessen, dass der Artikel 91 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes, der den Leitern der Stadtpolizei die Bezeichnung Kriminalbeamter verleiht, ohne sie den höheren Kriminalbeamten zur Verfügung zu stellen, aus denselben wie den in den Erwägungen 59 und 60 aufgeführten Gründen gegen Artikel 66 der Verfassung verstößt; dass er infolgedessen für verfassungswidrig erklärt werden muss;

- Bezüglich des § III von Artikel 90 und des § II von Artikel 123:

79. In Erwägung dessen, dass der § III von Artikel 90 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes den Artikel 226-4 des Strafgesetzbuches um folgenden Wortlaut ergänzt: „ Wer ohne die Erlaubnis des Eigentümers oder des Mieters das Wohnhaus eines Dritten besetzt, nachdem er sich auf die im vorhergehenden Absatz genannte Art und Weise Zugang zu diesem Wohnhaus verschafft hat, und es nach einer entsprechenden Aufforderung des Eigentümers beziehungsweise Mieters nicht unverzüglich räumt, wird mit denselben Strafen bestraft “;

80. In Erwägung dessen, dass der § II von Artikel 123 des zur Prüfung vorgelegten Gesetzes den Artikel 362 der Strafprozessordnung um eine Vorschrift ergänzt, damit der Vorsitzende des Schwurgerichts die Geschworenen davon in Kenntnis setzt, wenn dem Angeklagten ein Aufenthaltsverbot droht, und das Gericht über die Verhängung dieser Strafe berät;

81. In Erwägung dessen, dass sich auch aus dem Sinn des Artikels 45 der Verfassung, insbesondere dessen Absatzes 1 („ Jeder Gesetzentwurf oder Gesetzesvorschlag wird nacheinander in beiden Kammern des Parlamentes mit dem Ziel beraten, zur Verabschiedung einer übereinstimmenden Fassung zu gelangen “), ergibt, dass Hinzufügungen oder Änderungen, welche nach der ersten Lesung von Mitgliedern des Parlaments oder von der Regierung vorgeschlagen werden, einen direkten Bezug zu einer noch strittigen Vorschrift aufweisen müssen; dass dieser letztgenannten Bedingung jedoch nicht diejenigen Abänderungsvorschläge unterworfen sind, welche dazu dienen, die Einhaltung der Verfassung zu gewährleisten, eine Harmonisierung mit anderen noch nicht verabschiedeten Gesetzesvorlagen sicherzustellen oder einen Schreibfehler zu berichtigen;

82. In Erwägung dessen, dass im vorliegenden Fall die Abänderungsvorschläge, die zur Verabschiedung der weiter oben genannten Vorschriften geführt haben, während der zweiten Lesung der Gesetzesvorlage in der Nationalversammlung eingebracht wurden; dass diese Hinzufügungen zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens keinen direkten Bezug zu einer noch strittigen Vorschrift aufwiesen; dass sie auch nicht den Zweck verfolgten, die Einhaltung der Verfassung zu gewährleisten, eine Harmonisierung mit anderen noch nicht verabschiedeten Gesetzesvorlagen sicherzustellen oder einen Schreibfehler zu berichtigen; dass daraus folgt, dass der § III von Artikel 90 sowie der § II von Artikel 123 nach einem verfassungswidrigen Verfahren verabschiedet worden sind;

83. In Erwägung dessen, dass für den Verfassungsrat kein Anlass besteht, von Amts wegen weiteren Fragen, welche die Verfassungsmäßigkeit des vorgelegten Gesetzes betreffen, nachzugehen,

ENTSCHEIDET :

Artikel 1 – Folgende Vorschriften des Rahmengesetzes zur Stärkung der inneren Sicherheit werden für verfassungswidrig erklärt:

- der Artikel 10;

- in Artikel 14, die Worte „nach dem letzten Eintrag in die Datenbank“ aus Artikel 230-22 der Strafprozessordnung;

- der zwölfte Absatz von Punkt 1o, sowie die Punkte b) und c) von Punkt 2o des Artikels 18;

- der Artikel 32;

- der § II von Artikel 37;

- der Artikel 41;

- der letzte Absatz des § III von Artikel 43;

- die Artikel 53, 90, 91, 92 und 101;

- der § II von Artikel 123.

Aufgrund der Verfassungswidrigkeitserklärung des zwölften Absatzes von Punkt 1o des Artikels 18 ist der erste Absatz besagten Punktes 1 o durch folgenden Wortlaut zu ersetzen: „Der erste Absatz von § II wird durch die zehn folgenden Absätze ersetzt:“.

Artikel 2 – Folgende Vorschriften desselben Gesetzes werden für verfassungsgemäß erklärt:

- die Artikel 1 und 4;

- in Artikel 11 die Artikel 230-6 bis 230-11 der Strafprozessordnung, unter den in der Erwägung 11 bekräftigten Vorbehalten;

- der übrige Wortlaut des Artikels 14, unter den in der Erwägung 71 zum Ausdruck gebrachten Vorbehalten;

- der § I von Artikel 37;

- der Artikel 38;

- der übrige Wortlaut des Artikels 43;

- die Artikel 58, 60 und 61.

Artikel 3 – Diese Entscheidung wird im Amtsblatt der Französischen Republik veröffentlicht.

Beschlossen durch den Verfassungsrat in seiner Sitzung vom 10. März 2011, an der teilgenommen haben die Damen und Herren Jean-Louis DEBRÉ, Präsident, Jacques BARROT, Claire BAZY MALAURIE, Guy CANIVET, Renaud DENOIX de SAINT MARC, Valéry GISCARD d'ESTAING, Jacqueline de GUILLENCHMIDT, Hubert HAENEL und Pierre STEINMETZ.